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Gedenktag zur Befreiung des Vernichtungs- und Zwangsarbeitslager Auschwitz


Gedenktag zur Befreiung des Vernichtungs- und Zwangsarbeitslager Auschwitz

Literatur zum Thema Judenvernichtung / NS-Regime, 2. Weltkrieg, Nachkriegszeit


Vor 75 Jahren – am 27. Januar 1945 – befreiten sowjetische Truppen das Vernichtungs- und Zwangsarbeitslager Auschwitz – ein Konzentrationslager. Hier wurden Millionen von Menschen abgeschlachtet – vergast. In der Hauptsache Menschen mit jüdischem Glauben, aber auch sogenannte Zigeuner und Behinderte. Für die NSDP Untermenschen. Ebenso vermeintliche Staatsfeinde: Kommunisten, Mitglieder der SPD, Verräter, erwischte Mitglieder von Untergrundorganisationen, Deserteure.



Ich bin ein Nachkriegskind, Jahrgang 1959. Auch zu meiner Kindheit gab es in meiner Geburtsstadt Hannover noch Kriegsruinen. Strengstens war es untersagt darin zu spielen: Einbruchgefahr, Ungeziefer in den halbverrotteten Sofas und Sessel … Wir spielten natürlich trotzdem in den Trümmern.

Wir wurden älter, stellten die Ohren auf. Niemand von den Erwachsenen redete vom Naziregime – nur vom Krieg, Anekdoten und allgemeine schwere Zeiten, mehr erzählten die Großeltern nicht. Die Eltern, selbst Kinder im Krieg, verbannt aufs ruhige Land, weitab der Stadt, nachdem die Wohnhäuser in Schutt und Asche lagen, hatten die Zeit eher als Abenteuer wahrgenommen. Fragten wir Jungen explizit nach: «Wie war das mit den Juden?», wurde eher abgelenkt. Angeblich waren alle Bösen, die Nazis, in den Nürnberger Prozessen verurteilt worden. Die Schule sollte das Wissen richten. Aber auch hier herrschte nur Schweigen! Es ging sogar so weit, dass unserer Geschichtslehrer, 8. Klasse, uns weismachen wollte, es hätte nie KZ’s gegeben, Juden wurden nicht ermordet. Alles Propaganda der Amerikaner. Weil wir den Krieg verloren haben, will man uns nun mit Dreck bewerfen. Das war übrigens der, der mich in der ersten Stunde bei ihm nach Hause schickte: Ich hatte blau lackierte Fingernägel und trug einen bunten, langen Wickelrock. Ich solle nach Hause gehen, ordentlich zurückkommen, ohne Lack und Zigeunerrock. Am nächsten Tag war mein Vater in der Schule, las dem Lehrer die Leviten – ich gekleidet wie tags zuvor, nicht ganz, trug noch ein Zigeuner-,  bzw. Piratenkopftuch dazu. Dieser Lehrer züchtigte auch regelmäßig Schüler – mich nicht, das traute er sich nicht. Mich nannte er rote Zola, weil ich nickelig in seinem Unterricht Karl Marx «Manifest» und die «Mao Bibel-» auf den Tisch legte. Mit meinem neuen Cassettenrecorder, der Erste, der ein Mikrofon eingebaut hatte, nahm ich seine Sprüche zum KZ auf. Die Casette mit den Aufnahmen und diversen Beschwerden über die Züchtigungen gaben wir als eine Gruppe von Schülern im Kultusministerium ab: Dienstaufsichtsbeschwerde. Dieser Lehrer und noch ein paar andere (das Grauen saß an unserer Schule in Form von Lehrkörpern) wurden am Ende des Jahres pensioniert, ein anderer musste in den Drogenentzug (der war auch noch Kampfschwimmer bei der Bundeswehr!), einer wurde versetzt. Ich hatte so ziemlich den größten Rand in der Schülergruppe und wurde nicht versetzt, man hatte mich mit schlechten Noten bestraft. Gut, die Mathefünf war berechtigt. Ich wechselte die Schule, wiederholte die Klasse.

Unserer Geschichtslehrer, 8. Klasse, neue Schule, hatte einen Arm im Krieg verloren, er erzählte uns vom Grauen in den Alpen, von italienischen Partisanen, wie er sich vor Angst in die Hose gemacht hatte, er erzählte von Stalingrad, vom Schützengraben und dass wir als Staatsbürger dafür zu sorgen hätten, dass nie wieder ein Krieg von deutschem Boden ausgehen wird. Ich fragte nach den Juden. Er sagte, das käme erst in der 10. Klasse dran. Ich sagte, aber er erzählt uns vom 2. Weltkrieg, Thema der 10. – da gehört doch die Vernichtung der Juden mit hinein! – Ein tiefes Einatmen, Blick auf den Boden – jetzt müssen wir weitermachen im Stoff, der an der Reihe ist. Er war ein guter Lehrer, aber auch der schwieg. Im Deutschunterricht lasen wir Anne Frank, junge Lehrerin, endlich redete mal ein Lehrer über das Thema. In der 9. bekamen wir einen jungen, engagierten Geschichtslehrer – wir liebten ihn. Wir schauten Filme, hörten Hörspiele, gingen ins Museum usw. Und er gab uns Listen, welche spannenden Romane zum jeweiligen Thema passen würden. Und dieser Lehrer, selbst ein Nachkriegskind, redete offen mit uns. Wir besichtigten auch zwei Konzentrationslager, eins lag ja gleich vor den Toren von Hannover.

Natürlich beschäftigt mich das Thema auch noch heute – eine Zeit kurz vor meiner Zeit, die niemals in Vergessenheit geraten darf. Und je mehr Zeit vergangen war, umso mehr begriff ich, die Nachkriegslüge: Nürnberger Prozesse und alle diese Prozesse, waren schlicht ein Kaspertheater!

Und wollen wir nicht vergessen, wie unser BND entstand, wer den BND, den Verfassungsschutz und die Bundeswehr prägte! Reinhard Gehlen stieg zu Beginn des Nationalsozialismus zum General auf, zum Chef der Abteilung «Fremde Heere Ost». 1945 ergab er sich den Amerikanern, übergab ihnen mehrere Kisten Material, die er verbuddelt hatte. Sofort wurde mit ihm die Organisation Gehlen gegründet, Abwehrabteilung gegen den Osten, in die er jede Menge Altnazis akquirierte, teils unter neuer Identität, da sie gesucht wurden. Die Organisation wurde später in Bundesnachrichtendienst umbenannt, BND. Mit Hilfe der Organisation Gehlen und den Amerikanern gelang es einer Menge Nazi-Verbrecher, darunter auch Rudolf Hess, über die sogenannten Rattenlinien ins Ausland zu gelangen. Nazi-Netzwerke wurden unter Gehlens BND Führung geduldet. Mehr noch: «Bei ihm geparkte Wehrmachtsoffiziere bildeten das Rückgrat beim Aufbau der Bundeswehr.» aus:

Rolf-Dieter Müller: Reinhard Gehlen – Geheimdienstchef im Hintergrund der Bonner Republik, Ch. Links Verlag 2017)

(Sabine Ibing)



Zum Thema Judenverfolgung gibt es eine Menge wichtiger Literatur: 


Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz

Im Vorwort erfährt der Leser, dass dieser Roman auf Flucht des jüdischen Autors Ulrich Alexander Boschwitz 1938, direkt nach den Pogrom des Hitlerregimes irgendwo in Luxemburg oder Brüssel verfasst wurde. Das Originaltyposkript wurde in den Sechzigern im Exilarchiv in Frankfurt am Main verwahrt. – Ein Jude wird um Hab und Gut betrogen und ist nun auf der Flucht, einen Koffer voll Geld dabei – er reist in der Bahn, landauf, landab, hier fühlt er sich sicher. Ein erschütterndes Buch.

Nichts, um sein Haupt zu betten von Françoise Frenkel

Dies ist eine wahre Geschichte, die von Françoise Frenkel, die an der Sorbonne in Paris Literatur studiert, in Berlin 1921 einen französischen Buchladen eröffnet, der ihr und ihren Kunden viel Freude bereitet. Doch Françoise Frenkel ist Jüdin. Sie muss fliehen. Eine Odyssee durch Frankreich beginnt. Sie erfährt viel Leid, aber sie trifft auch auf Leute, die sie verstecken, die ihr immer wieder helfen zu fliehen … bis sie 1943-44 ihre Geschichte am Vierwaldstädtersee niederschreiben kann. Ein beeindruckender Roman.

Niemand weiß, dass du hier bist von Nicoletta Giampietro

Ein ziemlich guter historischer Roman: Lorenzo zieht 1942 aus Tripolis, der Hauptstadt von Libyen, der italienischen Kolonie, nach Siena zu den Großeltern. Die Mutter will versuchen, den Vater zu finden, der in einem Einsatz als Soldat in Afrika als vermisst gilt. In der neuen Schule freundet sich Lorenzo mit dem Nachbarssohn Franco Tacconi an, der wie er ein eifriger Balilla (Jugendorganisation der Faschisten) ist. Dort üben die Jungen mit dem Holzgewehr zu exerzieren, würden gern in den Krieg ziehen. Die Tante von Lorenzo, Zia Chiara, hält nichts vom Duce und seinen Faschisten. Es herrscht Krieg. Benito Mussolini erlässt ein Ermächtigungsgesetz: andere Parteien werden verboten, die Bürgerrechte und Pressefreiheit aufgehoben, eine Parteimiliz geschaffen, Gesetze gegen Juden erlassen. Dies Gesetz betrifft auch Freunde von Lorenzo, auch seinen besten Freund Daniele …



Der Tätowierer von Auschwitz von Heather Morris

Der Titel sagt alles: Dies ist die Geschichte des Lale Sokolov, dem Tätowierer von Auschwitz, ein Zeitzeugenbericht, tägliches Lagerleben im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Ein Roman, der unter die Haut geht, Nadelstich für Nadelstich.

Die Nachtigall von Kristin Hannah

Die beiden französischen Schwestern Isabelle und Vianne Rossignol erleben die Zeit des Zweiten Weltkriegs in Frankreich, so könnte die Geschichte zusammengefasst werden, geschrieben von einer Amerikanerin im amerikanischen Stil. Genau das war für mich das Problem an diesem Roman, eine amerikanisch-hollywoodmäßige Sicht der Dinge. Der Zeit der Resistence in Frankreich. Gut zu lesen, gute Unterhaltung – soweit man das als Unterhaltung bezeichnen kann.

Stella Goldschlag von Peter Wyden

Ich entschied mich dazu, das Original zu Stella Goldschlag zu lesen, nicht die »Stella« von Takis Würger. Für mich die richtige Entscheidung. Ein Sachbuch, spannend wie ein Roman. Peter Wydens Buch, eine Neuauflage seines Buchs von 1993 aus dem Steidl Verlag, es ist mehr als die Biografie von Stella Goldschlag, die wunderschöne Jüdin, die mit den Nazis kollaborierte, um die Deportation ihrer Familie zu verhindern,  als »Greiferin« zusammen mit ihrem Ehemann Rolf Isaaksohn in Berlin für die Gestapo nach versteckten Juden suchte, sie an das Gestapo-Hauptquartier auslieferte, damit sie ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert werden konnten. Dieses Buch geht darüber hinaus, es ist ein Dokument des Zeitgeschehens, des Grauens, und Peter Wyden stellt die Frage nach Schuld. Wann ist ein Mensch schuldig, wann wird ein Opfer zum Täter und warum? Kann ein Opfer schuldig sein?

Jahrhundert-Zeugen von Tim Pröse

Interviews mit Überlebenden Hitlerregiems, wie u. a. die Mutter von Sophie Scholl, Klaus von Dohnanyi über seinen Vater Hans und seinen Onkel Dietrich Bonhoeffer, Hans Rosendahl, der als junger Mann von einer alten Frau, die ihn nicht kannte, während des Kriegs in ihrer Gartenlaube versteckt wurde, so dem KZ entging.

Aus dem 2. Weltkrieg: 

Die Toten schauen zu von Gerald Kersh

Dieser Roman beschreibt das Kriegsverbrechen der Nazis im tschechischen Lidice zurückgehend auf das Attentat auf SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich. Gerald Kershs Bücher empfehle ich alle – grausig authentisch setzt er diese Zeit in Szene.

Der Hütejunge von Ulrike Blatter

Der Junge ohne Namen wächst auf in Zeiten des Hitler-Regimes in einem kleinen Dorf in der Eifel, an der belgisch-luxemburgischen Grenze. Die Zeiten sind hart, manche sagen, unter dem Führer wird alles besser. Doch nichts wird besser, der Zweite Weltkrieg beginnt. Das sechste Kind, der Vater verstarb kurz vor seiner Geburt. Armut, Zerstörung, Kriegsleiden aus der Sicht eines kleinen Jungen …

Reise durch ein tragikomisches Jahrhundert von Francis Nenik

Sein Leben ist eine Geschichte wert: Antifaschist, DDR-Wirtschaftsfunktionär und Schriftstellers Hasso Grabner, geboren 1911, lange Zeit als Kommunist unter Adolf Hitler im KZ eingesessen, Wehrmachtssoldat, er stand vor dem Erschießungskommando und wurde anschließend mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. In der DDR war der Buchhändler kurz Chef des MDR, leitete als Direktor ostdeutsche Stahlwerke. Und weil er nun mal nicht anpassungsfähig war und ihm alles ihm irgendwie passierte in seinem Leben, nichts war geplant, nicht einmal seine Hochzeit, eckte er auch in der DDR ständig an. Er wurde von der Stasi bespitzelt, zum SED Hilfsarbeiter degradiert. Sein ganzes Leben lang schrieb er, wurde 1958 Berufsschriftsteller, bekam in der DDR Publikationsverbot und schrieb trotzdem weiter.

Utopisches:

NSA - Nationales Sicherheits-Amt von Andreas Eschbach

Stell dir vor, Computer und Mobiltelefone hätte es bereits vor Hitlers Machtergreifung gegeben. Andreas Eschbach hat genau das gemacht. »NSA« steht dabei für das »Nationale Sicherheits-Amt«, das schon zu Kaiserzeiten gegründet wurde. Es gibt bereits ein sogenanntes »Weltnetz«, elektronische Post, das »Deutsche Forum«, etwas ähnliches wie Facebook, ein Handy, das so funktionsfähig ist wie ein Smartphone. Bargeld ist abgeschafft. Dies ist ein Genremix (keine Dystopie, denn wir gehen in die Vergangenheit), einerseits Fantasy, andererseits geschichtlich und es ist eine Crimestory. – Ein spannendes Buch zur Unterhaltung, das aber letztendlich nichts Neues bringt. Tiefgang hat es deutlich nicht.

Mehrgenerationenromane

Die Gewitterschwimmerin von Franziska Hauser

Gleich vorweg, ich bin völlig begeistert von diesem Roman! Eine wahre Familiengeschichte, die der Familie Hauser, Feinheiten kann man googeln. Franziska Hauser nennt sie in diesem Roman Familie Hirsch: Beginnend im späten 19. Jahrhundert bis ins Jahr 2012 lernen wir die Generationen kennen. Opa Friedrich Hirsch, Jude, Hochschulprofessor für Mathematik, Soldat im Ersten Weltkrieg, Sozialist, landet nach Hitlers Machtübernahme kurz im KZ, kann zunächst nach Frankreich fliehen, von dort weiter nach England, baut nach dem Krieg in der DDR das Schulwesen auf. Die christliche Ehefrau Ilse flieht mit dem jüngeren Sohn Erwin nach Frankreich, sie überleben dort. Sohn Alfred kämpft in der Résistance gegen die Deutschen. Der Familie wird nach Kriegsende die Rückkehr ins französisch besetzte Deutschland verwehrt! Der Professor darf nicht zurückkehren an seine Freiburger Universität: Kommunisten sind Feinde. Sie ziehen in die russische Zone. Alfred, Frauenheld, linientreu, wird ein berühmter Schriftsteller und Journalist, Erwin wird Physiker. Alfreds Tochter Tamara, schon als Kind rebellisch, eine Puppenspielerin, hasst die DDR, fühlt sich im Denken gemaßregelt und gefangen im Land, bekommt ständig Ärger mit der Obrigkeit. Aber Opa und Papa sind berühmt, ein gute Portion Narrenfreiheit steht ihr zu. Die Schwester, Dascha, angepasst, schwer depressiv, begeht Suizid. Das hat seine Gründe.

Die Leben der Elena Silber von Alexander Osang

Eine Familiengeschichte, die zwischen 1905 und 2017 spielt, zwischen Zeit und Ort wechselt, beginnend mit den Anfängen der russischen Revolution in der Zarenzeit, zaristische Gewalt, stalinistische Tyrannei, Nationalsozialismus, Tuchfabrik in Oberschlesien, Vertreibung, das Leben in der DDR und Wiedervereinigung, Ost-Berlin in 2017. Alexander Osang sagt, der Roman sei sein persönlichstes Buch, ein Stochern in der eigenen Familiengeschichte, die Geschichte seiner Großmutter. Interessant für mich, aber nicht der große Wurf.

Die Jahrhundert-Saga von Ken Follett  

Fünf Familien aus Deutschland, Großbritannien, Russland und Amerika, die irgendwie miteinander verknüpft sind, hat Ken Follet als Hauptakteure seine Jahrhundert-Saga  1911 bis 1989 die Weltgeschichte erzählen lassen. Wesentliches fehlt leider, teils sehr eindimensional – aber man kann es lesen.
 Sturz der Titanen (Die Jahrhundert-Saga 1 – Der 1. Weltkrieg )
Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2 – Der 2. Weltkrieg)  von Ken Follett
Kinder der Freiheit (Die Jahrhundert-Saga 3 – Die Nachkriegszeit) Nachkriegszeit

Die Nachkriegszeit

Hitlers Eliten nach 1945 von Norbert Frei  (Sachbuch) 

Sehr anschaulich beschreibt Norbert Frei, wer wirklich nach dem 2. Weltkrieg verurteilt wurde und auf welche Weise die Haft verkürzt wurde, und wer gleich wieder in Amt und Würden saß. Der Teppich wurde angehoben und Dreck darunter gekehrt, da liegt er heute noch. Blitzblank sauber gab sich die Gesellschaft, man wollte nur noch vergessen. 

Grenzgänger von Mechtild Borrmann

Ein Noir-Gerichtskrimi, der sich mit einem grausigen Kapitel der deutschen Nachkriegszeit beschäftigt. Henriette Bernhard, geborene Schöning ist im April 1970 angeklagt, das Haus ihrer Eltern angesteckt zu haben, wobei sie den Tod ihres Vaters in Kauf nahm. Die Angeklagte schweigt. Aber es gibt Menschen, die ihre Unschuld beweisen wollen, für sie sprechen – und dazu muss man bis in ihre Kindheit zurückgehen, zum Ende des 2. Weltkriegs. Kaffeeschmuggel, Fürsorge, kirchliche Heime, dieser Roman zeigt brutal die gesellschaftliche deutsche Wirklichkeit in der Nachkriegszeit. Für die jüngere Generation ein Verständnis dafür, wie die APO (die sogenannten wilden 68-er) entstehen konnte, auch die Bader-Meinhof-Gruppe. Der Roman ist spannend, wirklichkeitsnah, historisch interessant. Eine Mischung aus Gerichtskrimi und Historischem, ein Noir-Krimi – absolute Empfehlung!

Deckname Flamingo von Kate Atkinson 

Ein Roman für geduldige, aufmerksame Leser, denn wer nach dem Klappentext einen aufregenden Agententhriller erwartet liegt falsch. Kate Atkinson beschreibt mit viel Humor – Sarkasmus – die Kriegszeit und die Nachkriegszeit in London, ein Gesellschaftsbild von 1940-1950. Ein in England spielender Spionageroman, Ocean-Cover, Swimmingpoolfeeling – doch das ist es nicht. Die 18-jährige Julia Armstrong wird 1940 MI5-Mitarbeiterin. Sie soll britische Nazi-Sympathisanten ausspionieren.


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