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Mathe fürs Leben von Edward van de Vendel, Ionica Smeets, Floor De Goede - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Mathe fürs Leben? 

von Edward van de Vendel, Ionica Smeets, Floor De Goede

Oder: Wie lange brauche ich zu Fuß zum Mond? 


Ein lustiges, erzählendes Sachbuch, eine wahre Geschichte, zwei coole Lehrer:innen und eine begeisterte Schulklasse, die ihre Unterrichtsideen in diesem Kinderbuch niedergeschrieben haben. Mathe macht keinen Spaß! Oder etwa doch? Saya, Mano und die anderen aus der Fünften haben ja gar nichts gegen Mathe. Wenn nur das superlangweilige Mathebuch nicht wäre. Das verstehen sogar die Lehrer und haben eine großartige Idee: Alle Kinder müssen eine Frage stellen, die mathematisch zu lösen ist, und sie gemeinsam mit der Klasse lösen! Die Fragen des Lebens im Matheunterricht gelöst … 




Die Hälfte des Mathebuchs: bye, bye. 

Stattdessen 22 wichtige Fragen, die mit dem Leben zu tun haben

Eine Frage pro Schüler und Schülerin.


Die Klasse schließt mit den Mathelehrer:innen einen Vertrag: Jeder muss eine Frage stellen, das Wie ist vertraglich geregelt. Die erste Frage von Mano lautet: Wie kann ich beim Spielen immer gewinnen? Ist das möglich? Eigentlich nicht. Aber es gibt ein Spiel, dass Mano mit dem Lehrer um M&M’s spielt – man gut, dass es kein Chili war … Auf einmal purzeln die Fragen der andern Kinder: Kann man in Tränen baden? Kann ein Torwart rechtzeitig reagieren, wenn ein Elfmeter geschossen wird? Wie mache ich ein Dessert für 7 Personen, wenn das Rezept auf 4 lautet? Rezept zum Nachmachen geeignet! Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, einen Doppelgänger in der eigenen Klasse zu haben? Und schon gibt es ein wenig Biounterricht dazu. Ist Eiscreme eigentlich überall gleich kalt? Wie lange brauche ich zu Fuß zum Mond? Ist das Pinkeln unter der Dusche wirklich umweltfreundlich? Auf einmal macht Mathe richtig Spaß! 




Ein Buch voll spannender Fragen aus dem Alltag der Kinder, voll lustiger Comicillustrationen und voll von Matheaufgaben, die es Spaß macht zu lösen. Für mich ist dies ein fantasievolles Buch, weil es zeigt, wie man den Unterricht an Schüler:innen ausrichten kann. Abstraiertes Denken out of the box wird aktiviert. Meine Frage im Matheunterricht, ob Pythagoras oder Differenzialrechnung: Wozu braucht man das?, wurde immer gleich beantwortet. «Jeden Tag.» Die Antwort hat mich zum Abschalten gebracht. Ich habe weder den Pythagoras noch die Differenzialrechnung je wieder benötigt – als Schüler aber zumindest merkt man, wie wenig es die Lehrer interessiert, dir die Mathematik ernsthaft beizubringen. Theoretisch abgehoben, völlig bezuglos wird irgendwas eingebimst. Das ist hier völlig anders. Mathematik wird benötigt, um die täglichen und seltenen Fragen des Lebens zu beantworten. Genau das an Beispielen zu verstehen, sollte Ziel des Unterrichts sein, nicht das Einbimsen.



 Angenommen, alle geschiedenen Eltern in unserem Land ziehen wieder zusammen, wie viele Wohnungen haben wir dann für Flüchtlinge übrig?, fragt Jens. Vertrackt, was statistisch gesehen einfach klingt – denn manche Geschiedene wohnen wieder mit neuen Partnern zusammen. Statistik ist nicht so einfach, wie man meint. Später in Gesellschaftskunde geht am Thema weiter. Dieses erzählende Sachbuch zeigt, wie es geht. Aber es ist noch mehr, denn mit den Fragen werden die jeweiligen Kinder vorgestellt und es gibt empathische Geschichten zu den Schüler:innen. Teils im Comicstil gestaltet macht das Buch Spaß! Und es ist so typisch niederländisch, von der Idee und der Gestaltung, es ist locker, witzig, weit entfernt von starren Regeln. Wenn man den Unterricht in dieser Form angeht, landen wir letztendlich im naturwissenschaftlichen Bereich, Randgebiete der Biologie, Physik, Chemie, Geologie – sogar die Soziologie werden bedient; denn Mathe ist überall. Der Carlsen Verlag gibt eine Altersempfehlung von 10 – 13 Jahren. Passt. Wäre schön, wenn es für die anderen Altersstufen Ähnliches gäbe. Empfehlung!



1964 im niederländischen Leerdam geboren, arbeitete als Lehrer, bevor er anfing zu schreiben. Seine Kinder- und Jugendbücher, Bilderbuchtexte und Gedichte sind inzwischen vielfach ausgezeichnet und u.a. ins Französische und Deutsche übertragen worden. Van de Vendel lebt heute in Amersfoort.

1979 in Delft, Holland, geboren, ist promovierte Mathematikerin und Professorin für Wissenschaftsvermittlung an der Universität von Leiden. Außerdem arbeitet sie als Print- und Fernsehjournalistin und tauchte schon als Figur in einem Donald Duck-Comic auf.  

1980 in Amsterdam, Holland, geboren, arbeitet als Comiczeichner und Illustrator. Seit 2004 veröffentlicht er auf seiner homepage täglich einen Comic, hat 2013 seine erste Graphic Novel geschrieben und zeichnet für Zeitschriften, Magazine sowie Websites



Edward van de Vendel, Ionica Smeets, Floor De Goede 
Mathe fürs Leben 
Oder: Wie lange brauche ich zu Fuß zum Mond? 
Originaltitel: ‎Rekenen voor je leven 
Übersetzt aus dem Niederländischen von Sylke Hachmeister
Mathematik, Kinderbuch, Sachkinderbuch, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, ‎ 288 Seiten, 17.6 x 23.5 cm
Carlsen Verlag; 2024
Altersempfehlung: 10–13 Jahre






Kinder- und Jugendbücher - 10 bis13 Jahre







Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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