Direkt zum Hauptbereich

Pasta von Alfabeto bis Ziti von Rachel Roddy - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Pasta von Alfabeto bis Ziti 


von Rachel Roddy

Formen. Geschichten. Rezepte



Dies ist eine kleine Kulturgeschichte der Pasta und eine Hymne auf unser aller Lieblingsessen. Ein Pasta-Alphabet, ein erzählendes Kochbuch mit 120 authentischen Rezepten für alle Jahreszeiten und Anlässe. Rachel Roddy, preisgekrönte britische Food-Autorin und begeisterte Köchin, lebt seit fast zwei Jahrzehnten in Rom. Entlang der vielfältigen Pastaformen verwebt Roddy Geschichtliches, Kulturelles und Alltägliches vom Norden bis in den tiefsten Süden. und entdeckt dabei die Welt der Pasta in all ihren Erscheinungsformen.



Canneloni alla piemontese


Die Rezepte reichen von wohlbekannten und beliebten Pastagerichten – wie Carbonara, Pesto oder Ragù – bis zu ungewöhnlichen, aber um so interessanteren wie Capelli d’Angelo mit Lauch und Safran oder Stracci mit Erbsen und Artischocken.
Rachel Roddy lebt seit bald zwei Jahrzehnten in Italien und schreibt von dort aus ihre Kolumne «a kitchen in rome» für den Guardian. Darin zelebriert sie die wundervolle, bodenständige italienische Pasta-Küche.
In ihrem Nudel-Kochbuch zeigt sie die wichtigsten Pasta-Sorten, von A-Z, erklärt ihre Herstellung und zeigt die passenden Saucen dazu. 120 Rezepte, vielseitig, mal frisch, mal deftig, mal cremig, mal leicht. Vom Klassiker bis zum neuen Rezept.



Cappellacci


Pasta – woran denkt man, wenn man kein Italiener ist? Wahrscheinlich Spaghetti, Makkaroni, Fettucine, Lasagne, Gnocchi, vielleicht noch an kleine Fadennudeln für die Suppe. Dabei gibt so viele verschiedene Pastaformen und Sorten, die regional variieren. Frisch hergestellt, getrocknet, kurz, lang, gezwirbelt, dick, dünnn, rund, breit, in Platten, als Wagenräder geformt, einem Reiskorn ähnelnd. Nur mit Mehl und Wasser oder mit Eiern hergestellt Pasta, die per Hand in Form gebracht, und solcher, die mit der Maschine ausgerollt wird. Gefüllt oder mit köstlichen Saucen, die mit Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchten oder schlicht mit Kräutern und Gemüse serviert wird. Und es wird erklärt, wie man Nudeln selber macht, bzw. eine gute Warenkunde zu fertigen, getrockneten Nudeln. Die Rezepte sind für 4 Personen angelegt, für 400 Gramm getrocknete Pasta, bzw. 480 Gramm frische oder 600 Gramm gefüllte Pasta.



Paccheri con crema di melanzane, pomodori e mozzarella
(Paccheri mit Auberginen, Kirschtomaten und Mozzarella)


Der Buchstabe A im Alphabeth – wie Anelli (auch Anelletti, Anellini oder Anelloni d`Afrika genannt); hier erfahren wir etwas Grundsätzliches, die Grundlage der Pasta, dazu ein das Rezept «Timballo di anelli siciliano», ein Feiertagsrezept, wie sollte es anders sein in Sizilien, mit Tomate, Aubergine, Parmesan (oder Caciocavallo) und Mozzarella (oder Scamorza). Zu jedem Gericht sind immer Alternativen der Nudelform, hier Ditalini oder Tubetti, oder anderen Zutaten aufgezählt. Anelli, Nudeln in kleine Ringe geformt, landen auch gern in Suppen, hier in einer Pilz-Kartollfel-Brühe. Es geht weiter mit Bigoli aus dem Veneto, Vollkornpasta mit «einer rauhen saucenaffinen Oberfläche», die mit «zu einer Art Creme eingekochten Zwiebeln und Sardellen» serviert wird. Brichetti in Minestrone, die man meist nur um Genua herum findet, Bucatini (was gebort heißt) aus den Abruzzen all`amatriciana und so fort in den Nudelsorten. Zu jeder Nudel gibt es eine Geschichte zur Herkunft, Zusammensetzung, Geschichtliches oder auch eine Anekdote. Neben den Soßen werden Zutaten erklärt, wie Hintergrundwissen zu Sardellen, Käsesorten, Guanciale und Pancetta usw., passend zum Rezept. Meine Lieblingspasta sind Ruote, die wie Wagenräder aussehen. Drei wundervolle Soßen werden dazu geliefert: Gorgonzola mit Salbei und Walnüssen; mit Mascarpone und Walnüssen oder mit Ricotta und Pinienkernen. Wir enden bei den Ziti aus Sizilien. «Der Name kommt von maccheroni della zita», Zita heißt übersetzt Braut. Es sind die längsten Nudeln der Welt, bis zu einem Meter lang. Hier als Ziti Genovese mit Zwiebel-Rindfleisch-Sauce und ein weiteres Rezept als Timbalo mit gerösteter Paprika, Provola und Parmesan.



Pizzoccheri con patate, verza e formaggio
(Pizzoccheri mit Kartoffeln und Wirsing)


Wir finden Klassiker wie Cannelloni, Carbonara, Lasagne, Bohnensuppe mit Pasta, Farfalle mit Lachs und Mascarpone: Ravioli mit Ricotta und Spinat, aber auch einige spannende, kreative Neuschöpfungen wie Cavatelli mit Salsiccia, Minze und Tomaten; Stracci mit Erbsen und Artischocken; Paccheri mit Auberginen; Kirschtomaten und Mozzarella; Mafalde mit Tomatensauce und Ricotta; Spinat-Gnocchi mit Sahne Parmesan und Basilikum; Linguine mit Zucchini, Ei und Parmesan; Minestrone mit Kichererbsen und Maroni. Ja, es gibt ein paar Rezepte mit Sahnesoße! In diesem erzählenden Kochbuch gibt es eben nicht nur Rezepte, sondern auch eine Menge Geschichtliches, Warenkunde und alles angereichert mit Geschichten und Anekdoten. Alle Rezepte sind einfach nachzukochen und auch für Anfänger geeignet. Ein klasse Buch, das Pastafans gefallen wird! Genau einfach und bodenständig wie die Rezepte sind die Fotos von Jonathan Lovekin, der auch Nigel Slaters Bücher begleitet. Und weil Pastarezepte zum großen Teil mit Gemüse serviert werden, eignet sich das Buch auch gut für Vegetarier. 


Rachel Roddy, 1972 geboren, ist 2005 nach Italien gezogen, wo sie heute mit ihrem sizilianischen Mann und ihrem Sohn lebt. Im Guardian erscheint ihre Kolumne »A Kitchen in Rome«; außerdem publiziert sie u.a. in National Geographic, Financial Times und Food 52. Sie ist Autorin dreier preisgekrönter Kochbücher, dies ist das erste in deutscher Übersetzung.



Rachel Roddy
Pasta von Alfabeto bis Ziti 
Formen. Geschichten. Rezepte
Fotos: Jonathan Lovekin
Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Becker
Kochbuch, Kulinarisches, Pasta, Kulturgeschichte, Italienische Küche, erzählendes Sachbuch
Antje Kunstmann Verlag, 2023





Kulinarische Bücher 

Kochbücher, Backbücher und alles rund um Lebensmittel findet sich kompakt auf dieser Seite. Auch Genussromane, soweit ich welche lese. Schleckermäulchen also hierher klicken:

Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Ethnobotanik von Sarah Edwards

  Intro mit KI entwickelt Eine Pflanze ist niemals nur eine Pflanze! Hamamelis , die Zaubernuss, wird beispielsweise bei Hautreizungen und Entzündungen eingesetzt. Ihre Wirkstoffe finden sich heute weltweit in Salben und anderen Arzneimitteln. Das Wissen darüber ist allerdings sehr viel älter als die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Pflanze. Oder die Alraune , die in fast jedem Fantasy-Schmöker eingesetzt wird.  Und damit kommt Edwards zu einem Aspekt, den ich besonders interessant finde: Wem gehört dieses Wissen? Weiter zur Rezension:    Ethnobotanik von Sarah Edwards

Rezension - Schranken gehen auf von Eva Opitz

  Intro mit KI erstellt Bei diesem historischen Roman hatte ich nach dem Klappentext eine ziemlich klare Vorstellung davon, was mich erwartet: Die Geschichte einer Jüdin , die unter dem NS-Regime ihre Heimat verlassen muss – da denkt man unweigerlich an Verfolgung, Angst, eine gefährliche Flucht und an ein Leben, das von einem Tag auf den anderen aus den Fugen gerät. Genau diese Geschichte habe ich nicht erhalten. Natürlich hatte Elisabeth kein leichtes Leben, aber im Ausland war sie nicht den Repressalien ausgesetzt, die ich erwartet hatte. Zudem fehlt sie erzählerische Kraft der Geschichte.  Weiter zur Rezension:    Schranken gehen auf von Eva Opitz

Rezension - Reservoir Bitches von Dahlia de la Cerda

Intro erstellt mit KI Wütend, laut, brutal – und verdammt gut. Schon der Titel macht klar, dass dies kein Buch ist, das es sich nicht um einen romantischen Liebesroman handelt. Dahlia de la Cerda schreibt über Frauen in Mexiko , über Gewalt, Armut, Klasse, Abtreibung, Drogen und Femizide – und über eine Gesellschaft, in der es einen gewaltigen Unterschied macht, auf welcher Seite der Gesellschaft man geboren wird. Kurzgeschichten, die ein Geflecht bilden. Ein Noir , Kriminalliteratur , Gesellschaftsroman , nichts für schwache Nerven. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Reservoir Bitches von Dahlia de la Cerda

Rezension - Viper‘s Dream von Jake Lamar

Intro erstellt mit KI New York , 1961. Clyde Morton , genannt Viper, hat gerade seinen dritten Mord begangen, den ersten, den er bereut. Doch anstatt zu fliehen – sein Kontaktmann bei der Polizei hat ihm drei Stunden gegeben –, besucht er im Cathouse  Nica, die Baroness Pannonica de Koenigswarter . Hier denkt er über sein Leben nach, seine drei Wünsche, die Schutzpatronin der New Yorker Jazzszene ihm aufgetragen, aufzuschreiben, wie allen Jazzmusikern, die bei ihr ein- und ausgehen. ein Noir Kriminalroman , ein Gangsterroman , Kriminalliteratur, im Rhythmus des Jazz und im Rauch von Marihuana - ein Harlem , das mit dem Heroin abstürzt. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Viper‘s Dream von Jake Lamar

Rezension - Guten Morgen - Gute Nacht von Johanna Schaible

Intro erstellt mit KI   Die Reise von Sonne und Mond – 24 Stunden, die alle Menschen verbinden. Ein Wendebuch mit atmosphärischer Gestaltung. Eine Geschichte über das, was uns alle auf der Welt verbindet – die Dämmerung am Morgen die am Abend; die Veränderung des Lebens im Tageszyklus . Dieses Bilderbuch zeigt uns, was in 24 Stunden überall auf der Welt passiert: Die Sonne geht auf, ein neuer Tag beginnt, und wir stehen auf. Am Abend beginnt es zu dämmern und wir bereiten uns für die Nacht vor. Ein wundervolles atmösphärisches Bilderbuch ab 4 Jahren zum Schauen, fühlen und sprechen. Empfehlung – ein Kinderbuch zum Entspannen! Weiter zur Rezension:    Guten Morgen - Gute Nacht von Johanna Schaible

Rezension - Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos

  Intro mit KI erstellt Christelle Dabos entwirft in in diesem Jugendroman eine Gesellschaft, in der nicht das Ich, sondern das Wir zählt. Jeder Mensch besitzt einen Instinkt, eine angeborene Bestimmung, mit der er der Gemeinschaft dient. Es gibt Beschützer, Vertraute, Reparierer und zahlreiche weitere Funktionen. Persönliche Wünsche haben sich diesem System unterzuordnen, Individualität ist nicht vorgesehen. Ich habe mich durch den Wälzer hindurchgequält, der in Komplexität, Sprache und und Auswälzug sehr anstrengend ist. Daher von mir für das Jugendbuch, eine Dystopie, die Empfehlung: ab 16 Jahren, vom Verlag ab 14 Jahren. Weiter zur Rezension:    Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos 

Rezension - Das Glück liegt hinter der Hecke von Sara Pennypacker

Intro erstellt mit KI   Leeva  lebt in einem Haus mit ihren profitüchtigen Eltern zusammen, für die nur Geld und Ruhm etwas bedeuten. Sie darf das Haus, bzw. den Garten nicht verlassen, wächst völlig vernachlässigt auf. Ihre Neugier und ihr Wunsch auf den Blick hinter die Gartenhecke lässt sie die Verbote vergessen und sie büchst aus, schleicht ins nächstgelegene Haus: die Stadtbibliothek . Welch wundersame Welt sie draußen findet! Menschen, die sie mögen, mit denen sie Freundschaft schließt. Davon handelt dieses herrliche Kinderbuch, begleitet vom Duft von Ingwerkeksen – eine Befreiung aus der Zwangswelt. Ein charmantes Buch, witzig, eine zärtliche Hommage an die Kraft von Beharrlichkeit, Gemeinschaft und Freundschaft. Weiter zur Rezension:    Das Glück liegt hinter der Hecke von Sara Pennypacker

Rezension - Die Frau als Mensch von Ulli Lust

  Intro mit KI erstellt Wie viel können wir über Menschen wissen, die vor 30.000 Jahren gelebt haben? Wir finden ihre Werkzeuge, ihre Gräber, ihre Kunst und einige wenige Spuren ihres Alltags. Aber wir wissen nicht, was sie glaubten, welche Geschichten sie sich erzählten und welche Bedeutung sie den Dingen gaben, die sie hinterlassen haben. Genau in diesen Zwischenraum zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und dem, was wir nur vermuten können, begibt sich Ulli Lust in Sachcomic . Weiter zur Rezension:    Die Frau als Mensch von Ulli Lust

Rezension - I Don’t Know How to Draw a Tree von Carmen José

  Intro mit KI erstellt Wie zeichnet man eigentlich einen Baum? Ein Stamm, ein paar Äste, eine grüne Krone – fertig ist der Baum. So ungefähr haben vermutlich die meisten von uns als Kinder angefangen. Später lernen wir Perspektive , Proportionen , Licht und Schatten . Wir lernen, genauer hinzusehen und möglichst genau zu zeichnen. Aber was passiert dabei mit dem eigenen Blick? Carmen José stellt in diesem Buch eine wunderbar einfache Frage, die sich letztendlich als nicht so einfach erweist: Das Bilderbuch ist gleichzeitig ein Gedichtband, ein Künstlerbuch und kleines philosophisches Experiment . Ein ungewöhnliches, wunderschön gestaltetes kleines Buch, das sich mit Kreativität , Wahrnehmung und die Freiheit, etwas nicht zu wissen beschäftigt. Empfehlung - Allage! Weiter zur Rezension:      I Don’t Know How to Draw a Tree  von Carmen José

Rezension - Endzeit von Frauke Buchholz

  Intro erstellt mit KI Ein grausamer Mord erschüttert die kanadische Kleinstadt Moose Jaw . Eine Mutter und ihre beiden Töchter wurden mit einer Axt erschlagen, der Vater und sein dreijähriger Sohn sind verschwunden. Am Tatort findet die Polizei eine Adlerfeder . Was hat sie zu bedeuten? Der ehemalige Profiler Ted Garner soll bei den Ermittlungen helfen und glaubt schon bald, den Täter ausfindig gemacht zu haben. Ein junger Indigener , der bereits wegen eines ähnlichen Verbrechens verurteilt wurde, gerät in seinen Fokus. Doch Garner verrennt sich in seine eigenen Vermutungen. Ein wirklich guter Krimi: Kanada, Indigene Stämme , Prepper , Verschwörungstheorien – Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Endzeit von Frauke Buchholz