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Posts mit dem Label "Klaus Wagenbach Verlag" werden angezeigt.

Rezension - Übung in Gehorsam von Sarah Bernstein

  Eine junge Frau aus einer Anwaltskanzlei aus der Stadt und zieht auf die Bitte von ihrem Bruder, der von Frau und Kindern verlassen wurde, zu ihm in ein Land im hohen Norden; sie kann von dort ihren Job weiter erledigen. In dem abgelegenen Dorf in einem nördlichen Land lebten bereits die jüdischen Vorfahren der Familie; es ist ihnen dort nicht gut ergangen. Als jüngstes von zahlreichen Geschwistern scheint es der jungen Frau nichts auszumachen, sich als Haushälterin des Bruders aufzuopfern. Eine komplexe Geschichte, Sarah Bernstein ist eine feine Beobachterin, alles ist offen; ist diese Erzählerin zuverlässig? Das Gehirn des Lesenden ist in Arbeit, viel Interpretation ist an vielen Stellen offen. Klasse! Weiter zur Rezension:    Übung in Gehorsam von Sarah Bernstein

Rezension - Die Mutter von Nicolien von J. J. Voskuil

  Nicoliens Mutter vergisst, sie ist Voskuils Schwiegermutter. Kleine Vergesslichkeiten, ganz normal in dem Alter. Doch dann geht es über die üblichen Gedächtnislücken hinaus. Erst vertauscht sie die Tage, dann kann sie ihre Lieblingslieder nicht mehr mitsingen, zuletzt verirrt sie sich in der Wohnung. J. J. Voskuil hat protokollarisch knapp drei Jahrzehnte (1957 – 1985) die schleichenden Veränderungen von Nicoliens Mutter beschrieben. Eine alltägliche, bedrückende Geschichte, szenisch in Dialogform aufs Papier gebracht. Weiter zur Rezension:    Die Mutter von Nicolien von J. J. Voskuil

Rezension - Con gusto von Dieter Richter

  Die kulinarische Geschichte der Italiensehnsucht Von wegen Italiensucht! Lange Zeit schmähten deutsche Reisende die italienische Küche. Stinkendes Olivenöl und Makkaronifraß, ein ekles Wurmgewinde! Das war nicht des Deutschen Gusto. Heute preist man die italienische Küche als besonders gesund an; früher galt sie als ungenießbar und gesundheitsschädlich. Schon Goethe kehrte in Gasthäuser und Hotels ein, die sich auf deutsche Gäste spezialisiert hatten. Der Deutsche und der Engländer verlangen ein deftiges Frühstück. Und Fleisch! Das gab es in Italien nicht. Bereits Goethe schrieb, dass man kein Fleisch serviert bekäme, und wenn, dann sei es ein halbverhungerter, zäher Gockel, Innereien oder fettes Schweinefleisch. Die Früchte wusste man zu schätzen. Eine humorvolle historische Wanderung mit Anekdoten, Auszügen aus Reiseberichten, die Entwicklung der Liebe des Deutschen zur italienischen Küche. Weiter zur Rezension:    Con gusto von Dieter Richter

Rezension - Paradais von Fernanda Melchor

  Zwei junge Deppen agieren hier als Protagonisten in einer abgeriegelten Urbanisation nahe Veracruz in Mexiko, einer bewachten Wohnanlage – arm gegen reich prallt hart aufeinander, Existenzminimum gegen extreme Dekadenz. Polo ist Gärtner. Seine Freizeit verbringt er mit Franco Andrade, einem Bewohner der Anlage, den er nur deshalb erträgt, weil er Geld hat, um Alkohol zu kaufen. Oberschichtssprössling Franco ist ein psychisch gestörter Jugendlicher, fettleibig, einsam und pornografiesüchtig, gibt sich obsessiven Vergewaltigungsfantasien hin: Die unerreichbare Nachbarin Señora Marián will er sich vornehmen. Seine perversen, gewalttätigen Gedanken teilt der masturbationssüchtige Widerling mit dem frustrierten Polo. Mit der ziemlich fäkalen Sprache und den Gewaltobsessionen dieses Kriminalromans konnte ich mich sprachlich nicht anfreunden.  Weiter zur Rezension:   Paradais von Fernanda Melchor

Rezension - Heim schwimmen von Deborah Levy

  Sie sind aus London angereist, um wie jedes Jahr in diesem Haus bei Nizza ihre Ferien zu verbringen: Jozef und Isabel Jacobs, Schriftsteller und Kriegsberichterstatterin, begleitet von ihrer pubertierenden Tochter Nina und einem befreundeten Ehepaar. Schweißnass angekommen, dann der Schreck: Im Pool treibt ein nackter Frauenkörper! Doch dieses wunderhübsche junge Ding namens Kitty Finch lebt. Angeblich hat sie die Buchungszeiten für das Haus verwechselt. Da kein Hotel mehr aufzutreiben ist, bittet Isabel sie, zu bleiben, denn ein Zimmer der Villa steht noch zur Verfügung. Britischer Humor am türkisfarbenen Swimmingpool in Nizza bei sirrender Hite mit dem Geruch von Pinien und Lavendel zwischen den Blättern. Ein süffiger Sommerroman, der Spaß macht, doppeldeutig und tiefsinnig.  Weiter zur Rezension:    Heim schwimmen von Deborah Levy