Rezension
von Sabine Ibing
| Intro mit KI erstellt |
Gris, Varb und die Rettung des Nordlichts
von Hinne Helmson und Lisa Wisse
Wenn einer eine Reise macht, kann er was erzählen. Gris hat Sehnsucht nach der weiten Welt. Der junge Wildschwein-Eber lebt in einer Rotte, in einem Wald, genau dort, wo Land und Meer aufeinandertreffen. Er langweilt sich, träumt davon, draußen in der Welt etwas Bedeutendes zu tun. Nur was, das weiß er noch nicht. Bei einer wilden Pilzsuche landet plötzlich ein Maulwurf vor seiner Nase. Varp heißt der Kerl, und er hat exakt dieselbe Sehnsucht. Also beschließen die beiden, gemeinsam loszuziehen. Doch als es tatsächlich so weit ist, kommt die Angst. Beiden wird warm und kalt gleichzeitig. Erst die alte Eule Fizka bringt sie dazu, den Schritt doch zu wagen, denn sie sammelt Geschichten, will die von Gris und Varp aufschreiben, wenn sie zurückkommen. Und ausgerechnet Fizka führt die beiden dann weiter – rückwärts! – auf eine wunderliche Waldlichtung, ins Reich der Elfern, Zwölfern, Gnoldgome und Schabernakker. Da wird aus dem Ausflug plötzlich Ernst: Das Nordlicht schwindet, und Gris und Varp sind diejenigen, die es retten sollen. Das Silber, das den Lichtschein schafft, wird geklaut. Ein Wildschwein und ein Maulwurf, die unterschiedlicher kaum sein könnten, sollen das Silber retten. Und genau hier zeigt sich die Stärke: Unterschiede machen eine Freundschaft nicht kaputt, sie machen sie stark.
Die Geschichte ist in Reimen geschrieben. Das Reimmaß wackelt an der ein oder anderen Stelle, doch man verzeiht es sofort, denn was Helmsson an Sprachwitz und Wortneuschöpfungen aus dem Ärmel schüttelt, ist einfach köstlich. «Gnoldgome» «Schabernakker» und andere lustige Wortschöpfungen mach Spaß. Die Geschichte ist eine Mischung aus Spannunung und Humor, etwas, das Kinder anspricht.
Lisa Wisse hat das Buch von Hand gezeichnet, fängt die nordische Landschaft atmosphärisch ein und ebenfalls die düstere Stimmung im Trolland, wo man verzweift nach dem Licht sucht. Die Grafiken sind detailliert gehalten, so dass es viel zu entdecken gibt. Der Verlag Freies Geistesleben gibt eine Altersempfehlung ab 6 Jahren, was ich teile. Das Bilderbuch hat 60 Seiten mit einer Menge Text, und mit den Worterfindungen gestaltet sich das Buch anspruchsvoll. Freundschaft, Abenteuerlust und der Schutz der Natur stehen im Vordergrund – das Nordlicht steht als Metapher für alles, was wir nicht verlieren dürfen. Empfehlung!
Hinne Helmsson, geboren 1950, lebt und arbeitet an der Ostsee. Er liebt die See und das Segeln, den Norden, Märchen, Mythen und das Geschichtenerzählen. Als Lehrer an einer freien Schule hat er seine besten Kritiker ständig um sich: Kinder merken sofort, wenn eine Geschichte nicht trägt. Außerdem gibt er kulturelle Seminare über nordische Mythologie und arbeitet in Kunstprojekten mit anderen Künstlerinnen und Künstlern.
Lisa Wisse, geboren 1991, studierte Kunst an der Bergischen Universität Wuppertal und an der Alanus Hochschule in Alfter. Nach Ausstellungen und Lehrtätigkeit kehrte sie zu ihren Wurzeln zurück: der Illustration. Sie zeichnet analog, mit einer guten Prise Humor. Seit 2022 vertreibt sie mit ihrer Schwester in Aachen unter dem Label «Tausendflausenkraut» eigene Designs.
Gris, Varp und die Rettung des Nordlichts
Bilderbuch, Fantasie, Freundschaft, Kinderbuch, Kinder- und Jugendliteraturab
Hardcover, 60 Seiten, 23 x 23 cm
Verlag Freies Geistesleben, 2026
Altersempfehlung: 6 Jahren
Kinder- und Jugendliteratur
Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.





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