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Lange gut leben von Petra Bracht, Roland Liebscher-Bracht und Christoph Glaser - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing


Intro mit KI erstellt

Lange gut leben 


von Petra Bracht, Roland Liebscher-Bracht und Christoph Glaser


Im Alter möglichst beweglich bleiben und den Alltag selbstständig gestalten. Genau diesen Wunsch greifen Petra Bracht, Roland Liebscher-Bracht und Christoph Glaser in ihrem Sachbuch auf. Das Buch verspricht einiges. Bewegung, Ernährung und Achtsamkeit sollen dabei helfen, möglichst lange gesund und zufrieden zu leben. Dafür stellen die Autoren jeweils sieben Übungen, Ernährungsstrategien sowie Atem- und Mentaltechniken vor. Ein schrittweiser Plan soll dafür sorgen, dass es nicht bei guten Vorsätzen bleibt.

Atemübungen, Gymnastik, bei denen man sich aktiv beteiligen kann

Und vieles daran gefällt mir. Vor allem die praktische Ausrichtung spricht mich an. Die Autoren belassen es nicht bei der Aufforderung, gesünder zu leben, sondern geben ihren Leserinnen und Lesern etwas an die Hand. Übungen, Anregungen und konkrete Abläufe machen aus einem großen Vorhaben einzelne Schritte. Wer gern mit einem Plan arbeitet, findet hier reichlich Material. Mir gefällt auch der Gedanke, das Älterwerden nicht ausschließlich als Verlust zu betrachten. Natürlich verändert sich der Körper. Trotzdem möchte ich nicht jede Einschränkung vorschnell als unvermeidlich hinnehmen. Das Buch setzt auf Handlungsmöglichkeiten statt auf Resignation. Darin liegt für mich seine Stärke. Auch gefällt mir, dass QR-Cods eingefügt sind zu Videos für Atemübungen, Gymnastik, bei denen man sich aktiv beteiligen kann.

Bis hierhin gehe ich gern mit

Schwieriger wird es dort, wo aus praktischen Empfehlungen weitreichende medizinische Erklärungen und Versprechen werden. Die Methode von Liebscher und Bracht steht seit Jahren in der Kritik. Dabei geht es nicht einfach um die Frage, ob Dehnen und Bewegung guttun können, sondern darum, wie Schmerzen erklärt werden und welche Wirkungen der eigenen Methode zugeschrieben werden. Für zentrale Erklärungsmodelle fehlt nach Einschätzung der von Quarks befragten Fachleute eine belastbare wissenschaftliche Grundlage. Diesen Unterschied finde ich wichtig: Wenn jemand nach einer Übung weniger Schmerzen hat, bestätigt das nicht automatisch die Theorie dahinter. Besonders deutlich wird das bei Aussagen über Arthrose und die Regeneration von Knorpel. Gerade solche Versprechen werden von Fachleuten ausdrücklich kritisiert.

Wissenswertes, Praktisches, und Dinge, die zu hinterfragen sind

Auch die Studien, auf die sich Liebscher und Bracht berufen, sollte man genauer betrachten. An einer häufig angeführten Untersuchung zu Kniebeschwerden wurden unter anderem die fehlende Kontrollgruppe und mögliche Interessenkonflikte bemängelt. Das ist etwas anderes als ein unabhängiger, belastbarer Nachweis der Wirksamkeit. Hinzu kommen Auseinandersetzungen mit der Verbraucherzentrale wegen irreführender Werbung. Dabei ging es unter anderem um Nahrungsergänzungsmittel und weitere Angebote des Unternehmens. Für mich gehört dieser Hintergrund dennoch zur kritischen Einordnung der Gesundheitsversprechen. Das macht die Übungen im Buch nicht automatisch schlecht. Ich muss einen Ratgeber weder vollständig ablehnen noch jede Erklärung darin übernehmen. Die praktischen Anregungen können mich ansprechen, während ich die medizinischen Aussagen hinterfrage.



Aus einem Ratgeber sollte kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung werden

480 Seiten sind eine Menge für ein Buch, das bei der Umsetzung helfen möchte. Bewegung, Ernährung, Atmung, mentale Routinen und die dazugehörigen Hintergrundinformationen: Das bietet viele Einstiegsmöglichkeiten, kann aber auch erschlagen. Beim Lesen entsteht leicht der Eindruck, an mehreren Stellen des eigenen Lebens zugleich arbeiten zu sollen. Mir wäre an manchen Stellen weniger lieber gewesen – weniger Wiederholung, weniger Versprechen und eine deutlichere Trennung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen, eigenen Erfahrungen und den Theorien der Autoren.

Große Versprechen hätte es nicht gebraucht

Mich überzeugt die Einladung, auch im Älterwerden neugierig auf die eigenen Möglichkeiten zu bleiben. Dafür muss nicht jede Übung mit einer umfassenden Erklärung über die Ursachen von Schmerzen verbunden werden. Konkrete, verständliche Anregungen wären mir genug. So bleibt ddas Sachbuch für mich ein praxisorientierter Ratgeber mit einer Schwäche: Er möchte mehr erklären und versprechen, was mich eben nicht überzeugt. Als Anstoß, mich bewusster mit meinen Gewohnheiten zu beschäftigen, finde ich ihn durchaus interessant. Bei seinen medizinischen Deutungen für Senioren bleibe ich auf Abstand.


Die Ernährungsmedizinerin und Bestsellerautorin Dr. med. Petra Bracht begründete gemeinsam mit ihrem Mann Roland Liebscher-Bracht die erfolgreiche Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht, mit einem Netzwerk von über 15.000 Therapeuten im deutschsprachigen Raum. Christoph Glaser ist Geschäftsführer des TLEX-Institutes, das mit 200 Trainern weltweit agiert und bereits mehr als 500.000 Führungskräfte und Mitarbeiter:innen trainiert hat. Der Management-Coach und Achtsamkeitsexperte hat mit dem TLEX-Institute eine Methode entwickelt, mit der sich Stress deutlich reduzieren und zudem die Leistungsfähigkeit steigern lässt.



Petra Bracht, Roland Liebscher-Bracht und Christoph Glaser Lange
Lange gut leben gut leben 
Ratgeber, Sachbuch, Senioren, Bewegung, Ernährung, Atmung, mentale Routinen
Taschenbuch, 480 Seiten
Mosaik Verlag, 2025





Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
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