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Posts mit dem Label "Novelle" werden angezeigt.

Rezension - Rezitativ von Toni Morrison

  Die Wiederentdeckung von Toni Morrisons einziger Erzählung, erstmals 1983 erschienen und nie zuvor ins Deutsche übersetzt, ist die Quintessenz ihres Schaffens. Die kurze Novelle handelt von zwei Mädchen, die sich im Kinderheim kennenlernen – die eine ist schwarz, die andere weiß. Nur so viel verrät die Autorin dazu, denn sie spielt mit unserer Wahrnehmung. Twyla und Roberta, wer ist welche? Welcher Name passt besser zur Schwarzen? Die eine Mutter tanzt die ganze Nacht, die andere ist krank… Im Kopf entwickelt sich fast etwas wie eine Exceltabelle, die sortiert – Vorurteile sortiert: x eher = weiß und y eher = schwarz. Schnell kommt man aber wieder davon ab, weil das keinen Sinn ergibt. Doch man fiebert weiter nach einem Hinweis – den uns Tony Morrison natürlich nicht gibt. Exzellent! Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Rezitativ von Toni Morrison

Rezension - Mistral von Maria Borrélys

  Ein Buch wie ein Gesang auf die Natur  Ein Klassiker der französischen Literatur, erstmals 1930 erschienen, in großartiger Neuübersetzung. Ein malerisches Dorf im Tal der Haute Provence; der unerbittliche Mistral macht den Menschen das Leben schwer. Marie lebt glücklich auf einem Bauernhof in den Bergen im Kreise ihrer Familie. Eines Tages kreuzt ihr Weg den von Olivier. Marie ist verliebt – sie küssen sich; und sie macht sich Hoffnung, schreibt ihm einen Liebesbrief. Dann hört sie, er heiratet eine andere. Gleichzeitig beschreibt Maria Borrély die wilde Schönheit der Haute Provence in allen sinnlichen Facetten – Nature Writing. Der Mistral singt, heult, peitscht und macht das Leben an manchen Tagen unerträglich, fordernd den Menschen viel ab. Eine schmale, dafür kraftvolle Novelle, der für Freunde des Nature Writings und für Provence-Fans sicher ein Leckerbissen ist.  Weiter zur Rezension:    Mistral von Maria Borrélys 

Rezension - Street Cop von Art Spiegelman und Robert Coover

  In dieser Dystopie wird die Welt von Robotern beherrscht: Robocops, Drohnen, die Waren ausliefern, fliegende Autos ... Und mittendrin zieht ein altmodischer menschlicher Streifenpolizist durch New York, der seine moderne Technik nur schwerlich bedienen kann. Unter Begleitung einer KI aus dem iPhone, in deren Stimme er sich ein bisschen verliebt hat, und einer seltsamen Untoten, macht er sich auf die Suche nach der Leiche eines Mordopfers, die verschwunden ist. Eine Novelle, die von dem berühmten Comic-Zeichner Art Spiegelman illustriert wurde. Eine durchgeknallte Groteske, abstruse und beunruhigende Erzählung in naher Zukunft. Man benötigt einen ziemlich schrägen Humor, um die Geschichte zu mögen. Mensch und Technik, wie passt das zusammen, diese Frage stellt sich der Autor, wobei er gleich dystopisch die Demokratie verschwinden lässt. Weiter zur Rezension:    Street Cop von Art Spiegelman und Robert Coover

Rezension - Krankenbesuche von Vicente Valero

  Vicente Valero erzählt kleine Geschichten aus dem Ibiza seiner Kindheit. Damals unter der Diktatur von Franco, noch ein abgelegenes Stück Land im Meer, wohin später die ersten Künstler kommen, Ausländer, erste Touristen und sich alles verändert. Als Aufhänger nimmt er die Besuche bei kranken Menschen, die damit verbundenen Rituale, die Bräuche. Denn die Kranken bleiben, wie sie sind, ob sterbenskrank oder erkältet. Abwesend, aber nicht einsam. Und es gehörte sich, dass man die Kranken mit der gesamten Familie besucht. Das alles ist sehr humorvoll geschrieben. Die Diktatur, der Umbruch, Exilanten kehren heim – längere und kürzere Erinnerungen, herrlich humorvoll aus der Sicht des Kindes erzählt. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Krankenbesuche von Vicente Valero

Rezension - Kleine Dinge wie diese von Claire Keegan

  Irland, 1985, Kohlen- und Holzhändler Billy Furlong hat es geschafft. Er gehört zur Mittelschicht, ist glücklich verheiratet und er hat fünf wundervolle Töchter. Die Ältesten besuchen die katholische Schule des örtlichen Klosters. Vor Weihnachten hat Furlong viel zu tun, jeder möchte an den Feiertagen eine warme Stube haben. Das Kloster vor Ort ist ein guter Kunde, begleicht sofort die Rechnungen, darum fährt er sogar früh am Sonntagmorgen hinaus. Niemand ist zu sehen. Durch Zufall findet er in einem Kohleschuppen eine eingesperrte junge Frau: barfuß, spärlich gekleidet, durchfroren und verängstigt. Könnte an den Gerüchten etwas dran sein? Atmosphärisch dicht, das Konzentrat einer Geschichte. Diese Novelle ist eine literarische Kostbarkeit! Weiter zur Rezension:   Kleine Dinge wie diese von Claire Keegan

Rezension - Eine Liebe von Sara Mesa

  Dies ist keine Liebesgeschichte – oder etwa doch? Wenn ja, zu wem oder was? Eine junge Übersetzerin, in den Dreißigern, mietet ein klappriges Haus in einem Dorf im Landesinneren, wo sie die nötige Ruhe finden will, um ihren ersten literarischen Übersetzungsauftrag zu schreiben. Die Sprache von Sara Mesa ist schnörkellos, reduziert. Drei Kapitel – ein Dreiakter, eine griechische Tragödie. Nat gerät in eine Abhängigkeitsschleife zu einem Mann, der sie behandelt wie eine Plastikpuppe. Übergriffige Männer, Kommunikationsfehler – nicht Nein sagen können; ein Roman mit Leerstellen, der einige gesellschaftlich-moralische Fragen stellt; eine Frau auf der Suche nach sich selbst, nach dem Seil, die Glocke über sich selbst abzuzielen. Sara Mesa schafft eine dichte, klebrige, verstörende Atmosphäre. Eine feine spanische Novelle. Weiter zur Rezension:    Eine Liebe von Sara Mesa

Rezension - Sturmvögel von Einar Kárason

  Im Februar 1959 kreuzt der isländische Trawler Mávur vor Neufundland auf Rotbarbenfang. Zweiunddreißig Männer holen den letzten Fang ein, der Schiffsbauch ist gefüllt mit 400 Tonnen Fisch und es herrscht gute Stimmung. Doch plötzlich zieht ein gewaltiger Sturm auf. Das schwere Schiff ist innerhalb von Stunden mit einer dicken Eisschicht überzogen, daumendicke Seile haben nun die Größe von Abflussrohren. Haushohe Wellen krachen gegen den Bug, das Schiff droht zu versinken. Notrufe anderer Schiffe laufen ins Nichts, auch andere Schiffe ringen im Sturm ums Kentern. Es ist ein erbitterter Kampf um Leben und Tod. Seefahrt und Fischfang, ein harter Job, Teamarbeit. Ein spannender Roman, eine Novelle, für Meeresfreunde und Fans vom Nature Writing. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sturmvögel von Einar Kárason

Rezension - Verwandlung von Lara Swiontek

  Nach der Novelle von Mary Shelley Was fällt einem zu Mary Shelley ein? Wahrscheinlich «Frankenstein» oder vielleicht noch «Der moderne Prometheus». Die Verwandlung – Kafka, na klar. Aber auch Mary Shelley hat sich mit diesem Thema befasst: Verwandlung. Lara Swionteks hat diese Geschichte als Graphic Novel umgesetzt, eine Literaturadaption. Sie ist schnell erzählt: Reicher, gewissenloser Sohn verschleudert sein Erbe, stößt alle Menschen an den Kopf, die noch zu ihm halten und landet bildlich in der Gosse – hier ist es das Meer. Ein Schiff zerschellt vor seinen Augen – nur ein Zwerg mit einem Schatz überlebt und macht ihm ein Angebot ... Weiter zur Rezension:    Verwandlung von Lara Swiontek

Rezension - Kramp von María José Ferradas

  Mit Entschlusskraft und dem richtigen Anzug ist alles möglich - selbst als Vertreter für Eisenwaren der Marke Kramp in Chile Anfang der 80er Jahre. Der Papa, D., ist Handelsvertreter für Eisenwaren und weil Kinderaugen auch Eisenwarenhändlerherzen schmelzen lassen, nimmt der Vater kurzerhand seine siebenjährige Tochter M. mit auf Verkaufstour, ernennt sie zur Reisevertretergehilfin. M., die Erzählerin, genießt ihren Job. Der Vater schraubt seiner Tochter eine schöne Illusion der Welt in den Kopf. Doch dann nimmt die Reise ein jähes Ende. Wir befinden uns in Chiles schlimmsten Zeiten der Militärdiktatur von Diktatur Augusto Pinochet. Eine feine subtile Novelle. Weiter zur Rezension:    Kramp von  María José Ferradas

Rezension - Das Jahr das Dugong von John Ironmonger

  Toby Markham, erwacht in einem unbekannten Raum, kann sich kaum bewegen. Ein Krankenhaus? Er erinnert sich an einen Unfall. Die Pfleger haben merkwürdige Namen und sie sagen, man wolle ihn vor Gericht stellen. Alles scheint so irreal. Was ist geschehen? Eine Anwältin wird ihm zur Seite gestellt. Aber was soll er verbrochen haben? Terracid lautet die Anklage. Diese Novelle widmet sich der Frage, wie viel Mitverantwortung jedes einzelne Individuum an der Vernichtung der Arten trägt, an der Umweltkatastrophe. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Das Jahr das Dugong von John Ironmonger 

Rezension - Dunkelnacht von Kirsten Boie

  Kirsten Boie hat hier ein großartiges Jugendbuch vorgelegt, das sich mit einem wenig erwähnten Thema beschäftigt, nämlich mit den Morden, die kurz vor Beendigung des Zweiten Weltkriegs stattfanden: Endphasenverbrechen nennt man sie. Eine wahre Geschichte, die in Prenzberg stattfand. Bürger, die in der Nacht vor dem Einmarsch der Amerikaner durch die Nazis getötet wurden, erschossen durch die Wehrmacht, erhängt durch den Wehrwolf. In einer Nacht verlor die Stadt 16 unbescholtene Bürger, Kriegsverbrechen Nazideutschland. Eine bewegende Novelle ab 14/15 Jahren. Weiter zur Rezension:  Dunkelnacht von Kirsten Boie 

Rezension - Der Schiffskoch von Mathijs Deen

  Ein bemanntes Feuerschiff, auf engsten Raum zusammengedrängt, doch jeder ist hier für sich allein, jeder hat seine Gründe, hier gelandet zu sein. Zu den Mahlzeiten kommt man zusammen, genießt die Geselligkeit, doch dann zieht es die Einzelgänger in ihre persönlichen Rückzugsorte. Ein Böckchen, das alles durcheinanderwirbelt, ein Unwetter, das alles verschluckt, ein Koch im langen Delirium der Malariaanfälle. Eine nette Novelle, humorig, aber gleichzeitig mit Tiefgang. Eine feine Lektüre für Meeresfreunde, Schiffsliebe, gegen Meersucht. Weiter zur Rezension:  Der Schiffskoch von Mathijs Deen

Rezension - Einmal in Sizilien von Leonardo Sciascia

  Wer Sizilien kennenlernen möchte, wer seinen Zauber ebenso wie seine dunkle Geschichte verstehen will, muss Leonardo Sciascia lesen, den man das literarische Gewissen Siziliens nennt. Zum 100. Geburtstag des bekanntesten und wichtigsten Autors der Insel muss man an ihn erinnern, denn er verbindet seine Liebe, wie ebenso die kritische Betrachtung von Land und Leuten in seinen Romanen, die auf Sizilien spielen: brutale Gutsherren, Standespersonen, die sich immer wieder neue Abgaben einfallen lassen, um die Bauern auszupressen, ausgebeutete Arbeiter in den Schwefel- und Salzminen, der habgierige Adel, die Armut von Kindern, die um die Schulspeisung betteln, über Faschismus und den Einfluss der Mafia. Weiter zur Rezension:    Einmal in Sizilien von Leonardo Sciascia

Rezension - Antonia von Gabriella Zalapì

  Tagebuch 1965–1966 Gabriella Zalapì ist mit dieser Novelle in Tagebuchform ein kleines Meisterwerk gelungen. Ein keines Buch mit gewaltiger Kraft. Kurze Einträge, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, reduziert auf den Punkt gebracht. Antonia hat früh geheiratet, dachte damals, sie wäre verliebt gewesen – doch sie landet in einem goldenen Käfig. Tagebucheinträge von Februar 1965 bis November 1966, kurze Einträge, die sprachlich brillant alles auf den Punkt bringen, kurz, prägnant, geschliffen. Ein Frauenbild der besseren Gesellschaft aus dieser Zeit, erschütternd – ein Aufbruch. Absolute Leseempfehlung! Weiter zur Rezension:    Antonia von Gabriella Zalapì

Rezension - Federn lassen von Regina Dürig

Dieses Buch ist ungewöhnlich – es ist eine Novelle – aber die Form ist außergewöhnlich. Ein stark reduzierter Text, aufs Wesentliche verdichtet, zwischen die Zeilen in Leerstellen das Unsagbare versteckt oder ganz unverhohlen offeriert. Eine Menge Übergriffigkeit – auch seitens der Eltern gegenüber Kindern, Übergriffigkeit von Männern bis hin zu maßlosen Grenzüberschreitungen. Schon die Buchform ist ungewöhnlich: ein langes, schlankes Format. Auch ungewöhnlich gut! Weiter zur Rezension:    Federn lassen von Regina Dürig

Rezension - Die Schmuggler von Josep Pla

  Als die die «Mestral» im Hafen von Cadaqués, im spanischen Teil von Katalonien, anleget, erkennt der Icherzähler, ein Schriftsteller, sein Boot sofort wieder. Er hatte es damals in Auftrag gegeben, war damit gereist. Die Fischer Baldiri Cremat und Pau Saldet laden ihn ein, ihnen auf ihrer Fahrt nach Cap Leucate im französischen Teil Kataloniens Gesellschaft zu leisten. Und natürlich ist dem Mann gleich klar, dass es sich weder um Fischfang, noch um eine Vergnügungsfahrt handelt. Loslassen und ins Nichtstun versinken. Eine Empfehlung für Freunde der guten Literatur und Reiseliteratur. Weiter zur Rezension:  Die Schmuggler von Josep Pla

Rezension - Federico Temperini von Theres Essmann

  Eines Tages wird der Kölner Taxifahrer Jürgen Krause von Federico Temperini angerufen, er benötige einen Chauffeur. Der Preis ist in Ordnung, also begibt sich Krause zum vereinbarten Treffpunkt, gespannt, wer dieser Gast sein mag. Der alte Herr scheint einer anderen Zeit entstiegen zu sein: Feiner Anzug, Hemd Krawatte, Mantel und Hut – er erwartet, dass der Chauffeur aussteigt, ihm die Tür öffnet. Bitte zur Konzerthalle und warten … Werke von Niccolò Paganini werden gespielt. Wer auch immer das sein mag, denkt Krause, der auf Eric Clapton steht. Der wortfaule Federico Temperini bucht Krause immer wieder und langsam entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden. Stilistisch, erzählerisch fein zu lesende Novelle. Weiter zur Rezension:    Federico Temperini von Theres Essmann