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Die Kathedrale der Vögel von Wieland Freund - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Die Kathedrale der Vögel 


von Wieland Freund


Er hat das Haar eines Raben und die Augen eines Uhus: Munk. Und in seinen Träumen sieht er die Toten. Munk lebt mit seiner Schwester Enna auf der kleinen Insel Nyt. Eines Tages holen ihn die Schergen des tyrannischen Greifen von Amser ab, bringen ihn auf die Burg, wo er als Falkner arbeiten muss. Die Greifenkriegerin Magwit ist sehr interessiert an dem Jungen. Munk besitzt besondere Fähigkeiten, er ist einer der wenigen, die die Vogel- und Menschenwelt vereinigt. Während seine Schwester sich trotz Warnung von Magwit auf die Suche nach ihm macht, entdeckt Munk tief im Burgberg ein grauenvolles Geheimnis ...


‹Verzeih, Schwester, die Frage ist, was Fliegen heißt.›
‹Fliegen heißt, sich in die Luft zu schwingen, ohne zu fallen›, sagte Magwit. ‹Du kannst es meinetwegen auch anders ausdrücken. Aber im Grunde weiß es jedes Kind. Man braucht Flügel dazu, Bruder. Wie die Vögel.› Sie wies auf den bleichen Habicht. 
‹Und wenn man keine hat, bedeutet es vielleicht etwas anderes›, sagte der Mönch. ‹Schau: Eine Rose ist eine Rose, aber die Liebe ist sie auch. Und ein Fluss ist ein Fluss, aber ist er nicht ebenso die Zeit? Verstehst du jetzt, dass Fliegen vielleicht noch etwas anderes heißt? Reicht dir das als Erklärung?›

Auch im Kegelberg formiert sich Widerstand


Munk findet sich in der Kathedrale des Kegelberges wieder, wo der tyrannische Greif von Amser ihn zu grausamen Beutezügen ins Schattenreich des Todes schickt. Enna hat einen weiten Weg vor sich und sie bleibt nicht unbemerkt. Die greifen sind hinter ihr her, doch sie findet Helfer und erfährt, dass es noch andere Menschen gibt, die das uralte Erbe der Vögel in sich tragen, man nennt sie sogenannten Andervögel. Gegen die Herrschaft des Greifen regt sich Widerstand und Munk könnte derjenige sein, der ihn bricht. Denn auch im Kegelberg formiert sich Widerstand.

Man hätte wesentlich mehr daraus machen können

Ein Fantasyroman mit einer düsteren, mystischen Grundstimmung für ruhige Stunden, durchaus spannend! Die Geschichte ist voller Atmosphäre und benötigt keine gewaltigen Kampfszenen. Mal etwas anderes, die Vögel verbinden den Tod mit der Wiederauferstehung der Seelen – und der Greif ernährt sich von den Seelen, zieht daraus seine Kraft. Gute Unterhaltungsliteratur, wobei ich mir mehr Tiefe bei den Charakteren gewünscht hätte und ein paar Wendungen, die Spannung zu steigern. Die Geschichte rollt gemütlich vor sich hin, das Ende ist vorprogrammiert, die Barrieren dorthin geringfügig – alles läuft nach Plan. Die die Antagonisten kommen fast gar nicht zur Geltung, wir lernen nichts von ihrer Geschichte kennen, sie sind einfach nur existent – ein Schwachpunkt in diesem Fantasyroman. Eine emotionale Story, bei der sämtliche Protagonisten im Weitwinkelblick beobachtet werden, was für mich nicht zusammenpasst. Wie gesagt, der High Fantasy- Roman ist in Ordnung, aber man hätte wesentlich mehr daraus machen können, so bleibt es nur Mittelmaß. Allage – ab 14 Jahren durchaus gut lesbar.


Wieland Freund, geboren 1969, wurde für seine fantastischen Romane, darunter Krakonos und Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe hat er ein Fragment Michael Endes vollendet. Zuletzt erschien in der Hobbit Presse sein Roman Dreizehnfurcht, der auf der Shortlist des Wetzlarer Phantastikpreises stand. Der Autor lebt in Berlin.



Wieland Freund 
Die Kathedrale der Vögel 
Fantasy, High Fantasy, Vögel
Hardcover mit Schutzumschlag, 400 Seiten 
Hobbit Presse Klett-Cotta, 2025

Fantasy, Fantastic, Dystopien

Hier bin ich leider in letzter Zeit etwas ratlos. In dieser Rubrik wird wenig auftauchen. Leider habe ich das Gefühl, dass hier keine neuen Ideen kommen. Ich mag nicht immer wieder das gleiche Buch in Abwandlung lesen ... Aber auch hier lasse ich mich gern überraschen. Meist findet man unter den Dystopien doch mal was Neues.
Fantasy





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