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Die Komplizin von Steve Cavanagh - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Die Komplizin 


von Steve Cavanagh


Der Anfang: 
Der SWAT-Leader zählte runter. Zehn Sekunden. Sobald er bei null angekommen war, lagen bis zur Hintertür hundert Meter englischer Rasen vor ihnen. Paige Delaney richtete sich im feuchten Laub auf, drückte einen dünnen Kiefernzweig herunter, um das Haus besser im Blick zu haben. Kalkweiß stand der Mond über der Silhouette des alten Anwesens in Old Westbury, New York. Delaney atmete tief ein und langsam wieder aus. Lauschte dem Countdown im Funk. Zehn ... Sie mochte Zahlen. In ihrer Zeit als FBI-Agentin in der Abteilung für Verhaltensforschung hatte sie gelernt, eher auf Zahlen als auf Menschen zu bauen. Und die Zahlen in diesem Fall waren außergewöhnlich. Neun ...

Carrie Miller ist die meistgehasste Frau Amerikas. Ihr Mann Daniel ist ein Serienkiller und hat vierzehn Menschen ermordet, bevor er verschwand. Nun steht Carrie im Verdacht, die Komplizin des «Sandmanns» zu sein. FBI, Staatsanwaltschaft und Medien sind überzeugt, dass sie von den Taten wusste und Daniel gedeckt hat und wahrscheinlich war sie sogar beteiligt. Für ihren Anwalt Eddie Flynn dürfte es schwer werden, das Gegenteil vor Gericht zu beweisen, da einige belastende Indizien vorliegen. Carrie  ahnte auch etwas, denn das hatte sie mit ihrem Anwalt besprochen. Der riet ihr auf Grund des Ehevertrags ab, zur Polizei zu gehen, solange sie keinen Beweis hat. Seine Akten werden beschlagnahmt.

In welchem Moment wird aus einem Verdacht die gesetzliche Pflicht, die Polizei darüber zu informieren, dass man glaubt, der eigene Ehemann könnte jemandem etwas angetan haben? Das ist eine Frage, die so noch nie von Geschworenen geklärt werden musste. Ihr Mann hat sie belogen. Und sie hat ihm geglaubt. Wenn das ein Verbrechen ist, kann man gleich jeden verheirateten New Yorker festnehmen lassen.

Flynn glaubt Carrie, nimmt ihr ab, dass sie von der dunklen Seite ihres Mannes nichts wusste, nur anfing, etwas zu ahnen. Sie kommt zunächst auf Kaution frei und verschwindet. Da weiß Flinn, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt hat; irgendetwas verbirgt sie. Auch der «Sandmann» ist untergetaucht, plant nun, seine Frau vor einer lebenslangen Gefängnisstrafe zu bewahren. Und jeder, der in den Fall verwickelt ist, wird zur Zielscheibe … Zeugen werden eliminiert. Eddie Flynn muss alle anwaltlichen Tricks aus der Kiste ziehen, um seine Mandantin vor einer Verurteilung zu retten, denn soeben hat der Richter entschieden, dass sie auch in Abwesenheit verurteilt werden kann. Er muss sie finden! Ist Carrie Täterin oder Opfer? Er muss den Sandmann finden.

Clarence blieb vor dem Trump Tower an der Fifth Avenue stehen und hob sein Bein, sodass sich ein strammer Urinstrahl gegen die Eingangstür ergoss. »Braver Hund«, sagte Harry, als wir weitergingen in Richtung Central Park.

Der Justizthriller reitet im hohen Tempo bis zum Ende durch, ein absoluter Pageturner, ein Spannungsbogen, der durch Cliffhanger und unvorhersehbare Twists hochgehalten wird. Gerichtsverhandlung und die Suche nach Carrie und dem Sandmann wechseln sich ab. Die wendungsreichen Ereignisse sind klasse gestaltet – und ein wenig Humor legt sich darunter. In der Gerichtsverhandlung wird ganz anschaulich gezeigt, wie Indizien und Zeugen auseinandergenommen werden, um sie weich zu machen, die Geschworenen zu verunsichern, sie dazu zu bringen, sie nicht als glaubhaft zu sehen. Zum Team von Flinn gehören seine Kanzleipartnerin Kate Brooks, sein Freund und Berater, der ehemalige Richter Harry Ford, die ehemalige Polizistin Melissa Bloch und in diesem Fall der ehemalige FBI-Agent Gabriel Lake, der bei seinem letzten Fall ein Massaker veranstaltet hatte. Heute jagt er Serienmörder. Die Charaktere sind glaubhaft und gut ausgearbeitet. Die Geschichte, na ja, nicht drüber nachdenken – für Hochspannung ist auf jeden Fall gesorgt und damit für beste Unterhaltung.

Die Idee zu Eddie Flynn entstand bei einem Kreuzverhör, als ich einen Zeugen mit einem Anwaltstrick dazu brachte, die Wahrheit zu sagen. Details kann ich leider nicht verraten, aber in dem Moment wurde mir klar, dass gute Anwälte ähnliche Methoden anwenden wie gute Trickbetrüger: Überredung, Irreführung, Manipulation, Ablenkung und so weiter. Daher sollte die Hauptfigur in meinem ersten Roman sichtbar machen, wie trickreich Anwälte im Gerichtssaal agieren. Eddie bewegt sich zwischen zwei Welten, aber meine Aufgabe ist es, dem Leser zu zeigen, dass diese Welten gar nicht so verschieden sind. (Steve Cavanagh)


Steve Cavanagh wuchs in Belfast auf, studierte Jura in Dublin und arbeitete lange als Anwalt, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Die Reihe des gebürtigen Nordiren ist mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden.



Steve Cavanagh 
Die Komplizin 
Originaltitel: The Accomplice
Aus dem Englischen übersetzt von Jörn Ingwersen
Thriller, Justizthriller, Irische Literatur
Broschiert, 480 Seiten  
Goldmann Verlag, 2025





Fifty Fifty von Steve Cavanagh

Bei der Polizei geht ein Notruf ein: Eine Frau meldet, sie habe ihren Vater in seinem Haus tot aufgefunden, alles sei voller Blut. Ihre Schwester ist eine Mörderin und sie habe Angst, dass diese sich noch im Haus befinde. Darum werde sie sich nun im Bad einschließen, bis die Polizei eintreffe. Zwei Minuten später, geht bei der Polizei ein weiterer Notruf ein: Eine Frau meldet, sie habe gerade das Haus ihres Vaters betreten, ihn im Schlafzimmer tot aufgefunden, erstochen. Es muss ihre Schwester gewesen sein! Eine von beiden war es, so viel ist klar: Eine ist unschuldig. Die andere eine eiskalte Killerin. Beide werden angeklagt. Eddie Flynn verteidigt Sofia. Aber er hat Prinzipien: Nichts als die reine Wahrheit! Ein spannender Justizthriller, bei dem es nicht nur im Gerichtssaal hart zur Sache geht. Empfehlung für den Psychothriller!

Weiter zur Rezension:   Fifty Fifty von Steve Cavanagh




Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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