Rezension
von Sabine Ibing
Meine Geschichten von Mutter und Tochter
von Katharina Greve
Woran ich zuerst bei der ersten Geschichte denken musste, war «Vater und Sohn» von Erich Ohser, der Comicstrip-Klassiker – und richtig, Mutter und Tochter lesen eins dieser Bücher, amüsieren sich köstlich. Ich habe diese Comics von 1934 bis 1937 als Kind verschlungen – sie waren bereits in meiner Kindheit alt, aber zeitlos. Und dies ist jetzt die moderne Version mit Mutter und Tochter, eine sympathische Hommage an Ohser. Kleine witzige Alltagsgeschichten als Comic, Bilder ganz ohne Worte. Das Geld ist knapp und ein Restaurantbesuch ein Fest. Blöd, wenn der arrogante Kellner einen dann beharrlich ignoriert. Mutter und Tochter geben nicht klein bei, sondern lassen sich kurzerhand von einem Boten Pizzen ins Restaurant liefern. Der Abend ist gerettet – und der Kellner ziemlich sauer.
Ein Inlineskating-Unfall, bei der die Tochter eine geniale Idee hat, der Mama zu helfen, Empowerment im Kampf der Geschlechter, die Kampfansage gegen Hakenkreuze – das sind die Herausforderungen des modernen Alltags, die Mutter und Tochter in den Comic-Kurzgeschichten meistern. Die Mutter weiß, wie sie die Tochter dazu überreden kann, den Mülleimer zu leeren. Und die Tochter weiß, wie sie der Mutter eine Freude machen kann. Die Waschmaschine hat eine große Bedeutung und ein riesiger TV-Bildschirm. Endlich ist das Kind fort auf Klassenfahrt und Mutter hat Zeit für sich … oder? Wie ihre klassischen Vorbilder lösen die beiden Probleme mit Herz, Kreativität und einer Prise Anarchie. Die Kurz-Comics kommen komplett ohne Worte aus und funktionieren so auch über Sprachbarrieren hinweg. Selbst die Titel sind kleine Piktogramme für ein barrierefreies Lesevergnügen.Man sollte wissen, dass Ohser sich durch Karikaturen von Hitler und und seinen Mannen verhasst gemacht hatte, so dass er nicht in die Reichspressekammer aufgenommen wurde, somit Berufsverbot erhielt – dann in der Berliner Illustrirte Zeitung eben diese «Vater und Sohn»-Geschichten zeichnete, die später als Comics verlegt wurden – die bis heute populär sind. Ohser hat aber weiter auf die Nazis gewettert, wurde verraten und deshalb inhaftiert. 1944 verübte er im Gefängnis Suizid. So haben die kleinen Hakenkreuz-Geschichten eine tiefgreifende Bedeutung. Man kann sie abnehmen und etwas anderes draus machen … Im Gegensatz zu Ohser ist Katharina Greve politisch in ihren kleinen Graphic Novels. Feminismus und sich gegen Rechts wehren sind Themen, die den heutigen Alltag ausmachen – und noch herrscht Meinungsfreiheit – Greve hat nichts zu fürchten. Eine alleinerziehende Mutter hat es nicht leicht, weil sie nicht viel Geld hat. Aber dieses Team hat trotzdem viel Spaß, dank ihrer Kreativität – und mit ihnen der Lesende. Ich hatte jedenfalls genauso viel Freude wie damals bei den Jungs. Der Comic ist Allage – aber bereits ab 12 Jahren sich ein Vergnügen!
Katharina Greve, 1972 in Hamburg geboren, studierte an der TU Berlin Architektur. Heute lebt sie dort als Cartoonistin, Autorin und Künstlerin. Katharina Greve erhielt den Deutschen Cartoonpreis 2010.
Meine Geschichten von Mutter und Tochter
Comic, Graphic Novel
Hardcover, 104 Seiten, 24.8 x 17.4 cm
avant-verlag, 2025
Altersempfehlung von mir: Allage, ab 12 Jahren
Graphic Novel, Comic, Grafisches
Für die Fans von Comis / Graphic Novels und sonstigem Gezeichneten, wie Satire. Hier auf dieser Seite zusammengefasst. Alle Altersgruppen. Graphic Novel, Comic, Grafisches





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