Direkt zum Hauptbereich

Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit von Marc Rosenberg - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit 


von Marc Rosenberg



Mein Junge, Rache ist der denkbar schlechteste Ratgeber, um als Sieger vom Platz zu gehen. Du brauchst Herz und Kopf. Denn nur wenn beides im Einklang agiert, kannst du Dinge bewegen, die alles zum Guten wenden. Hass und Gier sind die Gründe, warum die Menschheit zu oft in den Abgrund blickt. Mach du es besser. ‹Du bist der Auserwählte›, beschwor sie ihn. Eliot wurde nachdenklich und fühlte sich unwohl.

Ein spannendes Zeitreise-Abenteuer mit magischen Kräften, einer sagenumwobenen Parallelwelt und sprechenden Tieren auf der Suche nach der Landkarte des Lichts. Als der schützende Bann seiner Mutter  über Eliot Holtby durch seinen 13. Geburtstag aufgehoben wird, werden ungeahnte magische Kräfte in ihm erweckt. Und nun ist er auch wieder sichtbar für seine Feinde – allen voran seine Tante, Euphemia LaCroix, eine mächtige Hexe. Davon ahnt er aber noch nichts. Und plötzlich überwältigen ihn die Nachrichten: Er ist der Auserwählte, der es schaffen kann, die sieben Prüfungen der «Landkarte des Lichts» zu meistern, um die Menschheit vor dem sicheren Untergang bewahren! Und böse Mächte wollen ihn vernichten, das verhindern. Er hat auch keine Zeit, etwas über seine magischen Kräfte zu lernen, das alles zu verstehen, denn die Zeit drängt. Zusammen mit seinen besten Freunden, dem blinden Florens Frogs, der sprechenden Schildkröte Mr. Touchdown und Abigail Rogers, stürzt sich Eliot in atemberaubende Zeitreisen durch die Parallelwelten der letzten Jahrhunderte. Dabei begegnet er den berühmtesten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte ― und erhält von ihnen unerwartete Unterstützung.


Ein überstürzter Aufbruch in neue Welten


Durch die Eisblumen am Fenster fiel schwach das Mondlicht auf Eliot, der warm eingemummelt unter seinem Federbett lag und tief schlief. Hilarius Winterbird strich ihm vorsichtig eine widerspenstige Haarsträhne aus dem schmalen Gesicht. Noch deutete nichts darauf hin, dass dieser Tag ihr Leben für immer verändern würde – seines und das von Eliot Holtby. Der flackernde Schein des Windlichts erhellte eine kleine Kiste, die neben dem Nachtlager stand. Eine betagte Schildkröte kletterte langsam über die Seitenwand in den Lichtkegel der Kerze. Ihr mächtiger Schatten kroch die Wand empor und legte sich wie eine schützende Decke über den Jungen. Langsam drehte sie den Kopf und es schien, als würde sie Hilarius einen beruhigenden Blick zuwerfen. Hilarius zögerte, ob er Eliot wirklich allein lassen sollte. Doch beim Blick auf die alte Standuhr aus Eichenholz wusste er, dass er keine andere Wahl hatte. Er schaute ein letztes Mal besorgt auf seinen schlafenden Jungen. Dann brach er auf.

Die Eltern von Eliot Holtby sind tot, von der Hexe vernichtet. In ihrer letzten Lebensminute hatte die Mutter es geschafft, ihren Sohn mit einem kleinen Schutzbann zu belegen, der bis zum 13. Geburtstag reichen würde. Zu mehr war keine Zeit. Hilarius Winterbird hatte das Baby mitgenommen, hatte sich mit dem Jungen in einem Wanderzirkus versteckt. Er wird ihn nun beschützen, sobald der Bann bricht. Seine Magie wird nicht gegen die von Euphemia LaCroix standhalten, doch es wird hoffentlich reichen, Eliot die Flucht zu ermöglichen, mit dem blauen Saphir durch das erste Tor hindurchzuschlüpfen. – Und er schafft es, landet in der Stadt Chilverse, in der Tote (nur die berühmten und auch nicht alle) aller Zeitalter zusammen mit Menschen wohnen. Mit ihm sind sein blinder Freund Florens und die sprechende Schildkröte Mr. Touchdown den Häschern entwischt und gemeinsam betreten sie nun eine Parallelwelt. Sie treffen auf Abigail, ein sehr bestimmender Charakter. Das Mädchen führt sie durch die Welt. Eliot muss nun in verschiedenen Welten die Lichter finden, die den siebenarmigen Leuchter in einer Kirche in Amsterdam zum Strahlen bringen.

Viel Personal


‹Man kann nur etwas bewegen, wenn man sich bewegt›, gab ihm der alte Bach mit auf den Weg und unterstrich die Wichtigkeit seines Satzes mit einem bestätigenden Nicken.

Eliot trifft auf Johann Sebastian Bach, Shakespeare, Galileo Galilei, Jules Verne und Henri de Toulouse-Lautrec usw. Für einen Erwachsenen sind die ganzen Bezüge zu Musik, Literatur, Astronomie, Physik usw. kein Problem. Nur, dieses Kinderbuch ist ab 10 Jahren, die meisten Bezüge werden Kinder nicht verstehen, was ich ein wenig schade finde. Ich frage mich, was der Autor sich dabei gedacht hat, als er sich entschied, für Kinder zu schreiben. Andererseits kann es dazu animieren, sich Informationen über diese Personen im Internet zu suchen. Ganz davon ab ist das Buch spannend und ereignisreich und man lernt eine Menge Allgemeinbildung. Gleichzeitig ist auch das wieder eine Schwäche von diesem Kinderbuch. Es ist ausschweifend, nicht immer zielführend auf das Problem – es muss ein magisches Glühwürmchen gefunden werden, das aber im Paris des Jahres 1900 lebt. Am Ende ist eine von sieben Aufgaben gelöst, was bedeutet, hier kommen wohl noch 7 weitere Bände. 

Insgesamt ein spannendes, einfallsreiches Buch

Am Beginn findet sich ein Personenverzeichnis, was es bei der Vielzahl an Personal auch braucht. Marc Rosenberg hat eine blühende Fantasie, das steht fest. Es gibt klasse Ideen in diesem Kinderroman. Leider ist zu Beginn nicht klar, dass es sich bei 520 Seiten um einen Mehrbänder handelt – da wird noch einiges auf den Lesenden zukommen. Das sollte im Vorfeld kommuniziert werden, denn nicht jeder Lesende mag Mehrbänder. Insgesamt ein spannendes, einfallsreiches Buch, Ein Kinderbuch mit Niveau. Der Vermes-Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 10 Jahren, dem schließe ich mich an als unterste Alterseinstufung. Empfehlung für alle Leser von dicken Mehrbändern.


Marc Rosenberg wuchs in Berlin auf und studierte Schauspiel an der staatlichen Schauspielschule in Stuttgart. Er lebt mit seiner Familie und seinem Hund in München, arbeitet als Drehbuchautor und Synchronsprecher (»The Blacklist«; »Good Girls«; »Midnight Texas«; »Bel Air«; »Mystery Lane«; »Pokémon« u.v.m.) und vertritt seit 1999 Künstler in seiner eigenen Schauspieleragentur MR Management.




Marc Rosenberg
Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit
Fantasy, Abenteuer, Zeitreisen und Parallelwelten, Kinderbuch, Kinder- und Jugendliteratur 
Hardvover mit Lesebändchen, 520 Seiten
Vermes-Verlag, 2025
Altersempfehlung ab: 10 Jahren





Kinder- und Jugendbücher - 10 bis13 Jahre







Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Marie Käferchen von Kai Lüftner und Wiebke Rauers

  Lieblich mit dem Po wackeln, Augenaufschlag, niemals wild und laut – so sollte sie sein. Aber Marie Käferchen hat darauf keine Lust! Ein wildes Käferchen, das auf Punk und Rock abfährt. Und als das Mädel zur Gitarre greift, ist der ganze Wald nur noch genervt. Ein herrliches Bilderbuch zur Stärkung des Selbstbewusstseins. My way! Das rockt: Gedichtform und bezaubernde Grafik! Empfehlung ab 4 Jahren. Weiter zur Rezension:    Marie Käferchen von Kai Lüftner und Wiebke Rauers

Rezension - Doppeltes Spiel von K.L. Slater

Intro mit KI erstellt   Ein luxuriöser Wolkenkratzer mit dem Namen Orbit, in dem die Reichsten der Reichen zusammenkommen: hier arbeitet die attraktive Alicia als Kellnerin. Als der charismatische Eigentümer des Orbit ihr das Angebot macht seine Freundin zu spielen und dafür ein großzügiges Gehalt zu erhalten, in seinem riesigen Apartment im Orbit zu wohnen, nimmt sie an. Immerhin ist es nur ein Spiel, denn er braucht eine Begleitung, will sich vor den vielen Frauen schützen … bis das Spiel plötzlich mehr zu sein scheint. Langweilig, uninteressant, voller Klischees, sprachlich kraftlos – mehr muss ich nicht sagen.  Weiter zur Rezension:   Doppeltes Spiel von K.L. Slater 

Rezension - WAS IST WAS Kraken. Acht Arme und drei Herzen von Dr. Stephanie Helber

  Perlboot , Sepia , Kalmar , Krake, Oktopus alles kompakt über das Leben der intelligenten Oktopusse , ihre Tarnung , Aufzucht und clevere Jagdtechniken . Sie sind wahre Verwandlungskünstler, blitzschnelle Jäger und ziemlich wendig: Kraken gehören zu den faszinierendsten Lebewesen der Ozeane. Sie haben acht Armen voller Saugnäpfe und eine Haut, die ihre Farbe im Bruchteil einer Sekunde ändern kann . Mit ihrer erstaunlichen Lernfähigkeit sind sie uns viel ähnlicher, als wir denken. Klasse Sachkinderbuch ab 8 Jahren über Tintenfische . Weiter zur Rezension:  WAS IST WAS Kraken. Acht Arme und drei Herzen von Dr. Stephanie Helber  

Rezension - Tödliches Angebot von Marisa Kashino

  Margo sucht für ihre hoffentlich bald wachsende Familie eine größere Wohnung, doch die Angebote sind rar. Nach monatelanger frustrierender Suche wird sie in der Nachbarschaft fündig. Sie hört, man wolle in der Nähe demnächst ein Haus verkaufen ... Und so versucht sie sich in die Familie einzuschleichen, das Haus abzusahnen, bevor es überhaupt auf den Markt kommt. Der Klappentext geht bis kurz vor Ende des Buchs, was es nicht besser macht. Die Geschichte schleicht langsam dahin – es fehlt jede Spannung und psychologische Raffinesse . Weiter zur Rezension:    Tödliches Angebot von Marisa Kashino

Rezension - Alte Feinde von Petra Ivanov

Um es gleich vorwegzusagen, mit diesem Thriller küre ich Petra Ivanov zur Queen of Crime der Schweiz. Schon das erste Kapitel ist atemberaubend. Cavalli ist wieder da! Wo hat er nur gesteckt? Der Leser wird es erfahren, Regina Flint noch lange nicht. – dies ist der achte Fall für Cavalli und Flint, wer die anderen sieben nicht kennt, der kann hier problemlos einsteigen. Regina Flint ermittelt derzeit in einem ungewöhnlichen Todesfall, ein Mann wurde mit einer historischen Waffe mit Pulvermunition erschossen. Der Tote ist ein Nachfahr von Heinrich Wirz, eine umstrittene Figur aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Und damit wären wir beim dritten Strang, der in die Zeit des Sezessionskrieges zurückführt. Weiter zur Rezension:    Alte Feinde von Petra Ivanov Petra Ivanov - Lesung Schloss Rapperswil Petra Ivanov, Sabine Ibing - Lesung Schloss Rapperswil

Rezension - Leere Häuser von Brenda Navarro

Intro mit KI erstellt Nur für einen kurzen Moment war seine Mutter in die Nachrichten auf ihrem Mobiltelefon vertieft gewesen, als der dreijährige Daniel vom Spielplatz verschwindet. Eine Unbekannte hat den Jungen mitgenommen und sich so den ersehnten Kinderwunsch erfüllt. Sie nennt ihn Leonel. Beide Frauen erzählen von ihrem Schmerz, ihrer Verzweiflung und ihren Schuldgefühlen. Beide reflektieren ihre Liebesbeziehungen und Lebensträume. Psychologisch gut aufgebaut, hervorragender Roman, lateinamerikanische, feministische Literatur . Weiter zur Rezension:    Leere Häuser von Brenda Navarro

Rezension - Curry: Die besten Rezepte von Indien bis Japan von Jimmy Guo

  Intro mit KI erstellt Kaum ein Gericht ist internationaler als ein «Curry». Wobei es das eine Curry natürlich nicht gibt. Denn in jedem asiatischen Land gibt es andere Varianten, die so unterschiedlich wie die Länder selbst sind – in jeder Familie die eignen Rezepte. Was als indischer Eintopf begann, hat sich weltweit als beliebte Speise verbreitet. Currys haben eine jahrtausendealte Reise hinter sich gebracht, die durch koloniale Machtstrukturen globalisiert wurde und sich heute als kulinarisches Chamäleon in fast jeder Kultur wiederfindet. In diesem Kochbuch finden wir aus Indien, Thailand , Sri Lanka , Singapur , Japan und Weltküche – dazu Kulinarisches, Wissenswertes und Tipps. Klasse Rezepte zu Currys, Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Curry: Die besten Rezepte von Indien bis Japan von Jimmy Guo

Rezension - Die schwarze Lilie von Dirk Schümer

  Intro mit KI erstellt 1348: In der Finanzmetropole Florenz wütet die Pest in den letzten Zügen, während die Söhne des mächtigen Bankiers Pacino Peruzzi nacheinander ermordet werden. Wittekind Tentronk, den es als Agent des Patriarchen aus Avignon an den Arno verschlagen hat, soll recherchieren, die Familie beschützen. Nebenbei erzählt der Autor von der größten Bankenpleite dieser Zeit, von Pest, aber auch von Wittekinds Liebe zu der schönen Marktfrau Cioccia und einem illustren Freundeskreis um den erfolglosen Poeten Boccaccio und Dantes versoffenen Sohn Jacopo . Ein außergewöhnlich guter historischer Krimi. Weiter zur Rezension:   Die schwarze Lilie von Dirk Schümer 

Rezension - Impossible Creatures von Kathrine Rundel Der vergiftete König

Intro mit KI erstellt   Dieses Mal steht neben Christopher das Mädchen Anya im Vordergrund. Ihr Großvater, der König, wird heimtückisch ermordet. Ihr Vater wird des Mordes beschuldigt und als Anya selbst in Gefahr gerät, muss sie fliehen. Gemeinsam mit Christopher, dem Hüter der Fabelwesen, muss sie nun ihren Vater retten und das magische Reich vor dem Untergang bewahren. Spannende Fantasie ab 10 Jahren! Weiter zur Rezension:   Impossible Creatures von Kathrine Rundel Der vergiftete König