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Asa von Zoran Drvenkar - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Asa 


von Zoran Drvenkar

Gesprochen von Uve Teschner
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 18 Std. und 18 Min.



Aber du bist nicht jemand, der den Leuten in den Rücken schießt. Ich bin eher jemand, der ihnen den Kopf wegballert, denkst du. Der Schuss hallt donnernd von den Hausfassaden wider.

Entweder du bist der Jäger, oder du bist die Beute! Du hast es in der Hand. Sechs Jahre hat Asa im Gefängnis gesessen, sechs Jahre konnten sie nachts ruhiger schlafen. Sechs Jahre mussten sie nicht nervös über ihre Schultern blicken. Aber jetzt ist sie frei und sie wird Rache nehmen. Asa will die Tradition der Dörfer zerstören, die das Leben einer Gemeinschaft seit hundert Jahren beherrscht und zum Tod unzähliger Unschuldiger geführt hat. Eine Tradition, die aus Menschen Monster macht. Bei ihrem Kampf findet Asa loyale Verbündete, erfährt niederträchtigen Verrat, trifft auf mächtige Gegner und stellt sich schließlich ihrem größten Feind - ihrer eigenen Familie.


Du wirst wissen, wie du dich wehren kannst! 


Du befindest dich in einem zugefrorenen See, vier Meter unter dem Eis, und du hast keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht. Du weißt nur, dass du nicht mit ihrer Gnade rechnen kannst. Nur wer Gnade erfahren hat, kann Gnade walten lassen. Das sind nicht deine Worte, das hat dein Vater zu Beginn deiner Ausbildung zu dir gesagt. Und da du noch nie mit Gnade in Berührung gekommen bist, erwartest du auch nicht, dass sich heute etwas daran ändert. Und so löst du dich vom Seegrund und steigst auf.

Ein sehr spannender Noir-Thriller, eine sehr schräge Familiengeschichte, der man Stück für Stück auf die Spur kommt. Wie kann man das einordnen? Sektenähnliche völkische Erziehung in der Uckermark, gepaart mit Hungergames – irgendwas dazwischen – auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Zurückführend auf die Kriegsereignisse zweier Weltkriege beginnen die Bewohner in dem Dorf Thule ein Training zur Selbstverteidigung für ihre Kinder, und es verbreitet sich auf die gesamte Region: Wenn der Feind eines Tages ins Dorf tritt, dann wirst du kein Opfer sein. Du wirst wissen, wie du dich wehren kannst! Die Kinder werden abgehärtet und ab einem gewissen Alter müssen sie in die Prüfung. Nicht jeder wird sie überleben …

Der Hauptschauplatz ist Thule in der Uckermark

Interessant ist die Perspektive, ein auktorialer Erzähler, der überwiegend in der zweiten Person Asa anspricht und ein Wir für das Kollektiv benutzt – was selten verwendet wird. Ein Ich-Erzähler ist zunächst verdeckt, gibt sich am Ende der Mitte zu erkennen. Andere Teile sind in der dritten Person gehalten, auch wird darauf verwiesen, was in der Zukunft passieren wird. In der Uckermark gibt es viel Wald – korrekt, die Namen der großen Städte stimmen, die der Dörfer sind erfunden. Fiktiv hat Zoran Drvenkar ein Gebirge hineingesetzt. Das kann man mögen oder auch nicht. In der Zeitebene springt der Autor kreuz und quer von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit, was die Spannung erhöht, Stück für Stück Informationen einfließen lässt. Asa Kolbert wächst in dem Glauben auf, dass jeder Mensch entweder Jäger oder Beute ist – man hat die Wahl. Als die vierzehnjährige Asa in ihrer Prüfung – die ich hier nicht weiter beschreibe – gegen die Regeln verstößt und ihr Vater ihr zur Seite steht, landen sie auf der Abschussliste. Und als auf die beiden geschossen wird, kann es Asa so aussehen lassen, als seien beide tot. Ein Leben, das fortan in verschiedenen Kontinenten spielt, auch im Gefängnis endet. Doch dann kehrt sie zurück! Der Hauptschauplatz ist Thule in der Uckermark. Hierhin kommt Asa zurück, um sich zu rächen und um diese Prüfung zu beenden. 

Was richtet Gewalt im Menschen an?

Das Ganze ist ziemlich brutal und teilweise surreal. Nehmen wir theoretisch an, so eine Gemeinschaft gibt es. Wie verstecken die Dorfbewohner die Leichen? Und wie wird das Verschwinden von Personen erklärt. Der Polizei fällt nicht auf, dass in der Region jede Menge Kinder entführt werden? Ein spannender Noir-Thriller, sehr gut konstruiert – aber man darf nicht anfangen, darüber nachzudenken. Inhaltlich geht es um die Frage von Gewalt und Gegengewalt. Hältst du die Backe hin, bist du ein Opfer – oder bist du eiskalter als der Gewalttäter und schaltest ihn aus? Gehst du über Leichen, um dich selbst zu retten? Oder hilfst du anderen, um gemeinsam aus der Sache herauszukommen. Was ist Moral? Und die wichtigste Frage: Was macht es mit dir selbst, wenn du rücksichtslos gewalttätig wirst. Insofern ein interessanter Noir-Thriller mit Potential. Empfehlung!


Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit über zwanzig Jahren arbeitet er als freier Schriftsteller. Zoran schreibt Romane, Gedichte, Theaterstücke und Kurzgeschichten über Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Er wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, und lebt heute in der Nähe von Berlin.




Zoran Drvenkar
Asa 
Gesprochen von Uve Teschner
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 18 Std. und 18 Min.
Thriller, Noir-Thriller, Noir
Der Audio Verlag, 2025
Suhrkamp Verlag, 2025, 700 Seiten








Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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