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Behalte das für dich! von Tom Ryan - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Behalte das für dich! 

von Tom Ryan


Früher, als ich noch klein war, hat meine Mutter immer gesagt: »Wenn du etwas Unangenehmes beichten musst, tu’s lieber gleich. Dann hast du’s hinter dir und musst nicht mehr den ganzen Tag daran denken.« Mit sieben oder acht Jahren hab ich ihr das auch echt noch geglaubt und alles sofort erzählt, aber mittlerweile weiß ich, dass der Spruch ziemlicher Blödsinn ist, weil man ja immer die Chance hat, dass sich das Unangenehme von selbst erledigt. Wenn man nur lange genug wartet damit.

In dem Örtchen Camera Cove sind im letzten Sommer vier Menschen durch einen Serienmörder ermordete worden. Plötzlich hörte die Serie auf. Wie jeder andere versucht auch Mac das Geschehene zu überwinden, denn Connor, sein bester Freund, war das letzte Opfer. Er findet er eine Notiz von Connor aus der Nacht, in der er starb. Wusste Connor, wer der Mörder war? Hätte Mac den Mord verhindern können? Irgendetwas hat die Polizei übersehen, glaubt Mac, und er fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln.


Was hatte Conner herausgefunden? 


Was gerade passiert ist, war einfach perfekt, und am liebsten will ich umkehren und Quill einholen, um mich zu vergewissern, dass seine Abschiedsworte ernst gemeint waren. Zum ersten Mal seit Connors Tod kreisen meine Gedanken um etwas anderes als ihn und während der gesamten Rückfahrt in die Stadt denke ich kein einziges Mal an den Katalogkiller.

Connor gehörte zu einer Clique, die mit seinem Tod auseinanderbrach. Er war Mac’s bester Freund, und er hatte an dem Tag, als er starb für Mac eine Nachricht hinterlassen, die Mac erst nach einem Jahr findet: «Mac, ich brauche deine Hilfe. Können wir uns heute Nacht treffen? Ich hab was rausgefunden — was Wichtiges. Komm um Mitternacht zum Strand. Und behalte das für dich!» Connor war ein sehr beliebter Junge mit viel Charisma und ein talentierter Zeichner – die Mädchen standen auf ihn. Mac ist aber nicht der Einzige, den die Geschichte nicht loslässt. Quills Cousine ist auch von dem «Katalogkiller» getötet worden. So gehen die beiden Jungs im Team auf Mördersuche. Mac jobbt in den Ferien in der Bücherei, in der Connor ein Wandbild angefangen hatte. Mac möchte, dass es von einer Künstlerin zu Ende gestellt wird. Er geht herum, sammelt Spenden für den Flohmarkt der Bücherei, deren Erlös für die Künstlerin gedacht ist. So schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe, kommt mit den Angehörigen der Opfer und anderen Leuten ins Gespräch. Was hatte Conner herausgefunden? Wusste er, wer der «Katalogkiller» ist? 


Insgesamt ist der Plot ziemlich weit hergeholt


Was, wenn es zwei Täter gibt? Einmal den Katalogkiller, auf dessen Konto die ersten drei Morde gehen – und dann noch jemanden, der Connor auf dem Gewissen hat? Mit einem Mal rücken in meinem Kopf zahllose Puzzleteilchen an ihren Platz. Hat jemand tatsächlich einen ernsthaften Groll gegen Connor gehegt? So ernst, dass er ihn in die Höhle gelockt, getötet und eine Katalogseite bei ihm platziert hat, um es aussehen zu lassen, als hätte der Killer seinen Plan, eine ganze »Familie« umzubringen, vollendet? Je mehr ich über die Theorie nachdenke, desto einleuchtender erscheint sie mir. Und desto eisiger werden die Schauder, die mir über den Rücken laufen. Hat es etwa von Anfang an zwei Mörder gegeben? Und ist einer von ihnen mir heute gefolgt?

Für meine Begriffe ist das Jugendbuch ziemlich ausgewalzt. Mit ordentlicher Straffung hätte es spannend sein können – so zieht sich das Ganze dahin. Die Story wird aus Mac’s Perspektive erzählt, was auch nicht spannungsfördernd ist. Der großartige Conner, den alle liebten wird Stück für Stück demontiert, Mac gibt sich selbst zu, dass er ziemlich überheblich anderen gegenüber war und einige berichten, dass Conner nicht der Typ war, den er vorgab zu sein. Dafür baut sich eine Liebesgeschichte zwischen Mac und Quill auf. Insgesamt ist der Plot ziemlich weit hergeholt, nicht wirklich glaubhaft. Für mich gab es eine Menge Augenrollen. Die Protagonist:innen sind nicht besonders gut ausgearbeitet, bleiben an der Oberfläche.  Was ist die Message für dieses Buch? Keine Ahnung. Irgendein Killer mordet, warum auch immer. Am Ende geht es Schlag auf Schlag mit einer Überraschung. Als Lesender bleibt man zurück, fragt sich, welchen Sinn dieser Roman wohl haben mag. So einfach wie das Buch sprachlich gestrickt ist, ging es mir auch inhaltlich. Der Jugendthriller konnte mich nicht abholen. Der Magellan Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 14 Jahren. Das passt für mich.


Tom Ryan ist Autor zahlreicher Kinder- und Jugendbücher, für die er schon viele Auszeichnungen erhalten hat. Die Lebenswelten queerer Teenager spielen in seinen Büchern eine wichtige Rolle. Sein Jugendroman Radio Silent – Melde dich, wenn du das hörst wurde mit dem Lambda Award for Best LGBTQ Mystery ausgezeichnet. Er lebt mit Mann und Hund in Nova Scotia, Kanada.




Tom Ryan
Behalte das für dich! 
Aus dem kanadischen Englisch übersetzt von Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Jugendthriller, LGBTQ, Jugendbuch, Thriller, Kriminalroman, Kriminalliteratur, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 320 Seiten
Magellan Verlag, 2024
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Radio Silent - Melde dich, wenn du das hörst von Tom Ryan

Die Sucherin – sie betreibt einen erfolgreichen Podcast – niemand weiß, wer sich hinter Radio Silent verbirgt. Dee hilft Menschen, vermisste Personen aufzuspüren. Die 17-Jährige hat ein Trauma. Vor 10 Jahren wurde ihre Freundin Sibby entführt. Dort im Wald, am Baumhaus. Dee musste alles mit ansehen und konnte nicht helfen, fühlt sich mitschuldig – so will sie heute andere unterstützen, um plötzlich Verschwundene wieder aufzufinden. Und nun wiederholt sich alles in ihrem kleinen Ort ... spannender Jugend-Thriller ab 13 Jahren. Meine Empfehlung für das Jundbuch!

Weiter zur Rezension:   Radio Silent - Melde dich, wenn du das hörst von Tom Ryan


Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.

Kinder- und Jugendliteratur





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