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Ritter Glitter von Jörg Isermeyer und Ulrike Halvax - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Ritter Glitter 


von Jörg Isermeyer und Ulrike Halvax 


‹Was macht den Ritter zum Ritter?›, fragte sich Knut, als er Knappe wurde.

Knappe Knut will Ritter werden. Und er schaut Ritter Roland zu, lernt alles, was der über die ritterlichen Tugenden zu berichten hat, wie: Ein Pferd, ein Schwert und eine Rüstung, stark sein, seiner Holden einen Blumenstrauß bringen und sie verehren. Macht das den Ritter zum Ritter? Papperlapapp! Knappe Knut will lieber tanzen als kämpfen. Also wird aus Knut ein Ritter, der anders ist als die anderen Ritter – der Ritter Glitter!




‹Und? Willst du immer noch Ritter werden?› 
‹Auf jeden Fall – aber ich sehe das anders als du›, sagte der Knappe Knut.  Er hatte eine ziemlich große Klappe. Und ziemlichen Mut.
‹Auf jeden Fall - aber ich sehe das anders als du! Ein Ritter muss gar nichts müssen. Ein Ritter macht, was er will. Und das macht den Ritter zum Ritter!›


Ich bin gespaltener Meinung zu diesem Buch. Auf der einen Seite finde ich es immer gut, alles in Frage zu stellen und es neu zu gestalten, etwas anders zu machen als der Rest. Ritter gab es vom 11. bis zum 16. Jahrhundert. Die gibt es heute nicht mehr. Ergo können wir daran nichts ändern.  Somit hätte man sich ein modernes Beispiel nehmen müssen, vielleich etwas aus dem Tierreich, oder was auch immer. Ritter gehörten meist zum niederen Adel und lebten auf Burgen. Ritter (Reiter) sein, war ein Ideal: Die Minne prägte den Verhaltenskodex des Adels im Hochmittelalter; ein idealer Ritter kämpfte nicht nur tapfer (manheit), sondern war treu (triuwe), mäßig (mâze), höflich (höveschkeit) und diente einer edlen Dame durch Minnesang, beschützte die Schwachen. Der Kodex diente zur Mäßigung, zur Vermeidung von Hochmut, zur Verlässlichkeit und Charakterfestigkeit; ein Ritter war freigiebig und bescheiden. Und natürlich war er auch ein Kämpfer. Aber genau dieser charakterliche Verhaltenscodex macht den Ritter zu etwas Edlem, was in diesem Buch nicht gezeigt wird. Daher finde ich dieses Beispiel ziemlich unpassend. 




Ich will lieber tanzen als kämpfen.  Ich will lieber lachen als grimmig  gucken. Ich will auch kein Schwert  und keine Lanze und keine Streitaxt  und keinen Morgenstern und keinen  Schild und …

Was gepasst hätte: Alle Jungen spielen Ritter, bekämpfen sich mit dem Schwert, machen auf dicke Hose. Nur einer macht da nicht mit, sagt, ein Ritter muss nichts müssen, ich will tanzen, nicht kämpfen – und am Ende tanzen dann alle. Das Tanzen, Musizieren und Schreiben von Minnegesängen gehörte übrigens auch zur Ritterausbildung. Dieser kleine Ritter ist eher ein Lanzelot. Ich habe das Gefühl, dass der Autor sich nie richtig mit dem Rittertum beschäftigt hat, sonst hätte er sich ein anderes Beispiel gesucht. Wenn es letztendlich darum geht, nicht in alten Bahnen weiterzuschwimmen, sondern das Feld zu verlassen, etwas anderes auszuprobieren, dies Kindern zu vermitteln, dann wiederum gefällt mir der Inhalt des Buchs. 




Die digitalen Illustrationen und die Textlänge sind zu zwei Drittel passend für Dreijährige. Auf einigen Seiten ist das Kinderbuch für dieses Alter zu textüberladen. Die Satzlänge ist dort eine Katastrophe! 21 Wörter in einem Satz in einem Buch für Dreijährige? Puhh! Je weniger, umso besser. 1-5 Worte, maximal mal 8. Damit ist sogar ein Vierjähriger überfordert. Und weiß ein Dreijähriger, was ein Ritter ist? Aber letzteres würde ich locker durchgehen lassen. Es ist gut, dass die Illustratorin den Hintergrund in neutraler Farbe gestalten, aber das ein oder andere Bild ist für die Altersgruppe visuell zu dicht mit Einzelheiten bestückt. Summa summarum: Ich hadere mit dem Bilderbuch. Die Idee ist gut, die Umsetzung, wenn man alles zusammenzählt, doch eher nicht durchgängig passend. Der Achse Verlag, gibt eine Altersempfehlung ab 3 Jahren. Das ist für mich nur teilweise gegeben. Gehe ich aber höher, dann wiederum ist das Gesamtkonzept zu wenig. 





Jörg Isermeyer lebt als Regisseur, Schauspieler, Theaterpädagoge, Musiker und Schriftsteller in Bremen. Reiste als Straßenmusiker quer durch Europa, nach dem Studium freie Künstlerlaufbahn statt Universitäts-Karriere. Seine Bücher und Theaterstücke wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. dreimal mit dem »Lesekompass« der Leipziger Buchmesse.

Ulrike Halvax illustriert mit farbenfrohem Stil und großem Repertoire für Verlage, Firmen und Menschen, die es humorvoll und vielfältig mögen. Studium an der Kunstuniversität Linz und Kunstakademie Vilnius. Die Naturliebhaberin lebt mit ihrer Familie nahe Graz und bietet neben der Illustration auch Workshops an.




Jörg Isermeyer, Ulrike Halvax 
Ritter Glitter 
Bilderbuch, Kinderbuch, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 32 Seiten, 22.1 x 28.2 cm
Achse Verlag, 2025
Altersempfehlung: ab 3 Jahren







Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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