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Wer hat hier das Sagen? von Caroline Stevan und Elīna Brasliņa - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Wer hat hier das Sagen? 


von Caroline Stevan und Elīna Brasliņa

Tauche ein in die Welt der Diktatoren, Präsidentinnen, Könige und Co


Der Anfang: 

Nun, es gibt alle möglichen Sorten von Macht und einen Haufen Leute, die welche haben: Firmen-Chef*innen, Bahnhofsvorsteher*innen, Büro- oder Baustellenleiter*innen, Küchenchef*innen, Familienoberhäupter, Lehrer*innen ...

 

Dieses Buch ist der politischen Macht gewidmet, also denen, die die Welt regieren. Wahrscheinlich hast du schon von Donald Trump gehört. Oder von der Königin von England oder Ludwig XIV. Aber kennst du auch Pontiac, Nzinga oder Jean-Bédel Bokassa? Und was meinst du: Hatten die Menschen schon immer Anführer*innen?»



Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Herrschern. Es gibt viele Formen der Regierung, Diktatoren, Präsidentinnen, Königen, Päpsten und andere. Wie sind diese verschiedenen Arten von Macht und Machausübung entstanden? Wie haben sie sich entwickelt und wer hat sie verkörpert? Und: Brauchen Menschen eigentlich immer einen Anführer? Diesen und anderen Fragen zu Macht im politischen Rahmen geht dieses Buch nach. Weit entfernt von einem Lehrbuch zu politischer Geschichte begibt sich Wer hat hier das Sagen? auf eine Reise durch die menschliche Geschichte, ihre Gesellschaften und Regierungsformen. 



Die heutigen Demokratien wirken fragiler denn je. Immer öfter ist von autoritären
Tendenzen, Populismus oder gar ,sanften Diktaturen› die Rede – da scheint es mir sehr
wichtig, dass du weißt, was diese Begriffe bedeuten und womit sie zusammenhängen. Wenn du dieses Buch in deinen Händen hältst, lebst du bestimmt in einer Demokratie. Ich hoffe, es kann dir dabei helfen, sie zu hegen und zu pflegen, so gut du kannst


Das Kinderbuch beginnt mit der Erklärung, wie Macht entsteht, von ersten prähistorischen Entdeckungen von Anführern. Der Mensch wurde sesshaft, er baute sich Behausungen, übte Landwirtschaft aus, und baute Waffen. Er musste seinen Besitz verteidigen, das Zusammenleben organisieren. Welche Formen der Herrschaft gibt es? Demokratie im alten Griechenland, Lehnsherren des Mittelalters, die Mumie der Inkas, der irokesische Konsens, die korsische Republik, das Japan der Samurai, die Diktatur von Bokassa, Oberhäupter der Kuya-Dörfer, Inuit-Familien, russische Oligarchie, weltweite Könige. Eine interessante Auswahl der Vielfältigkeit.



Er gilt als gutaussehend, groß, stark, mit heller Haut und gelockten braunen Haaren.
Statuen stellen ihn als einen schönen Mann dar, spiegeln jedoch vor allem das damalige
Schönheitsideal wider – ungefähr so, wie Instagram-Filter dazu führen, dass alle irgendwie
gleich aussehen. Heutige Mediziner*innen, die diese Alexander-Darstellungen untersucht
haben, diagnostizieren einen vermutlich durch einen Schock oder eine Sehstörung
verursachten muskulären Schiefhals.


Und dann geht es los mit einzelnen Personen. Beginnend mit Alexander dem Großen, Cleopatra, Topilzzin Quetzalcoatl (Mexico), Dinges Khan, Nzinga (Königin von Ndongo und Matamba), Ludwig XIV., vom letzten Kaiser Chinas bis zu Ludwig XIV., von Diktaturen bis zu Utopien neuer Organisationsformen, von Afrika bis Nordamerika und von denjenigen, die nie nach ihrer Meinung gefragt werden. Die Autorin stellt die Herrscher kindgerecht dar, mit teilweise herrlichem Humor, sie serviert auch Anekdoten, und sie stellt Vergleich mit dem heutigen Leben, was sehr anschaulich ist. Ist Auswahl könnte noch länger sein, mir fehlen ein paar interessante Leute, aber ein Buch darf nicht zu überladen sein. Dafür gibt es ein paar interessante Herrscher, die ich gar nicht kannte. 


Dann werden verschiedene Formen der Regierung erklärt, die Diktatur, die Demokratie, wie Wahlen funktionieren; und es werden kurz Utopien vorgestellt, sowie Macht im Tierreich dargestellt. Dieses Buch geht über geografische und geschichtliche Kontexte hinaus. Caroline Stevan und Elīna Brasliņa zeichnen das Porträt einer Menschheit, die sich immer wieder fragt, wie die Macht unter den Menschen aufzuteilen ist. Mit einer Zeitleiste, Porträts von Führungspersönlichkeiten und Diktatorenbarometer, thematischen Kapiteln, einem Quiz und Spielen: Wer hat hier das Sagen? ist ein originelles, vielschichtiges Sachkinderbuch, das zum Diskutieren anregt. Gerade in der heutigen Zeit sollte man sich mit den verschiedenen Regierungsformen auseinandersetzen, in einer Welt, die droht, in noch mehr Diktaturen abzukippen. Ein wichtiges Buch! Es eignet sich auch wunderbar als Unterrichtsmaterial. Die Autorin spricht den Lesenden mit du an, was hier passt, nämlich die Kinder hineinzuziehen in den Lesestoff, zum Nachdenken zu animieren. Die Illustrationen sind kräftig farblich gestaltet, die einzelnen Charaktere sind gut dargestellt. Der Helvetiq Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 10 Jahren. dem schließe ich mich an.



Caroline Stevan wurde in Bern geboren, der Stadt, in der die Schweizer Bundesregierung ihren Sitz hat. In Frankreich hat sie Politikwissenschaften und Journalismus studiert. Sie ist Mitbegründerin des Podcasts Le Point J im Schweizer Radio und Autorin mehrerer Bücher, darunter das Kindersachbuch Die Stimme der Frauen (Helvetiq, 2021).


Elīna Brasliņa ist Illustratorin aus Lettland. Sie hat bereits mehr als zwanzig Bücher illustriert, hauptsächlich Kinder- und Jugendbücher und kreiert außerdem Kulissen für Animationsfilme. Ihr Engagement für soziale und politische Themen spiegelt sich im aktuellen Werk wieder. Durch ihre Arbeit vermittelt sie einen starken und zugänglichen visuellen Ansatz, der es jungen Lesern und Leserinnen ermöglicht, die Herausforderungen von Macht und Repräsentation besser zu verstehen. Mit Caroline Stevan hat sie bei Helvetiq bereits Die Stimme der Frauen herausgegeben (2021).



Caroline Stevan, Elīna Brasliņa
Wer hat hier das Sagen? 
Tauche ein in die Welt der Diktatoren, Präsidentinnen, Könige und Co
Aus dem Französische übersetzt von Silv Bannenberg
Kindersachbuch, Regierungsformen, Machtstrukturen, Politik
Hardcover, 184 Seiten, 17.1 x 24.2 cm
Helvetiq Verlag, 2025
Altersempfehlung: ab 10 Jahre





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Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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