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Maggie Müller ermittelt - Ein gans furchterregender Fall von Rieke Patwardhan und Ina Hattenhauer - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Maggie Müller ermittelt - Ein gans furchterregender Fall 


von Rieke Patwardhan und Ina Hattenhauer

Buch 1 von 1: Maggie Müller ermittelt


«‹Gänse sind tolle Tiere›, hatte Violetta gesagt. ‹Schlau, unerschrocken und unglaublich stark.› Leider hatte sie vergessen zu erwähnen, dass Gänse einen entscheidenden Nachteil haben: Sie wehren sich aus Leibeskräften, sobald man versucht, ihnen den Schnabel zuzuhalten. Das aber mussten Samuel und ich an einem sehr nasskalten Oktober abend tun, und zwar, um unser Leben zu retten! Und das der Gänse! Ich sage euch: Einen Kriminalfall aufzuklären, ist kein Zuckerschlecken. Aber vielleicht erzähle ich lieber von Anfang an?»

​​Maggie Müller ist mutig, schlau und spielt gerne Dudelsack – die perfekte Kombination, um später mal Detektivin in Schottland zu werden. Als die beiden Gänse ihrer schrulligen Nachbarin Violetta entführt werden, wittert sie ihren ersten Fall. Die überängstliche Kinderbuchautorin ist ihr suspekt (die schreibt langeweiliges Zeug, leider keine Krimis), eine Hilfe ist sie garantiert nicht. Maggies bester Freund Samuel ist als Watson besser zu gebrauchen. Schon bald verfolgen die drei eine heiße Spur, doch dann entwickelt sich der Fall gänslich anders, als Maggie gedacht hätte …




«‹Ich fürchte mich schrecklich beim Aufschreiben meiner eigenen Ideen.› Violetta senkte den Kopf. ‹Sobald es spannend wird, ist mein Kopf wie leer gefegt vor lauter Angst. Ich schaffe es einfach nicht.› 
‹Schreib doch tagsüber›, schlug ich vor. ‹Bei schönstem Sonnenschein fürchtet sich ja wohl kein Mensch.›»

Violetta ist eine entsetzlich ängstliche Frau, die eine Menge Schlösser an der Tür installiert hat. Im Garten halten ihre Gänse Alfredo und Spätzle Wache. Sie und die zehnjährige Maggie hatten sich auf einer Lesung kennengelernt. Und weil sich Maggie sich als Detektivin vorgestellt hatte, bittet Violetta sie nun um Hilfe. Ihre Gänse wurden entführt! Die Polizei kann sie nicht rufen, weil Gänsehaltung in ihrem Wohngebiet nicht erlaubt ist. Maggie und Samuel dürfen in den Herbstferien bei der Schriftstellerin übernachten. Die beiden verbindet die Liebe zu Schottland, und so gibt es eine Menge schottisches Zeug, auch Kulinarisches ... Wer klaut Gänse?, fragt sich Maggie. Da kämen einige Leute in Frage! In der Nähe wohnt ein Paar, das gerne Gänsebraten isst, denen die Gänse im Garten nicht passen; die Veganer könnten ein Problem mit artgerechter Haltung haben; die Agentin möchte, dass Violetta nicht abgelenkt ist ... Und so gibt es einige Personen auszuspionieren, die in Frage kommen könnten. Und plötzlich ist auch noch der Sack mit dem Gänsefutter gestohlen! Spuren sichern, Verdächtige verhören, beobachten und ein Profiling machen. Maggie ist ganz professionell.




«Aber eine Ermittlerin von Police Scotland ist natürlich immer im Dienst, und ich konnte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, noch einmal einen Blick durch die Terrassentür auf den nächtlichen Garten zu werfen. Wie hatte der Täter (oder war es eine Täterin?) die Gänse mitgenommen? Konnte eine Person allein das überhaupt schaffen? Waren Alfredo und Spätzle betäubt worden? Oder weggelockt? Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf, während meine Augen sich langsam an das Dunkel gewöhnten. Ich starrte auf die schemenhaften Umrisse des Gänsestalls, als könnte allein das Starren mir eine Antwort darauf geben, wie zwei so wehrhafte Zeitgenossen wie Alfredo und Spätzle hatten entführt werden können.»


Der Kinderkrimi ist mit viel Humor geschrieben. Ziemlich schrullige Typen, Erwachsene wie auch Kinder: eine selbstbewusste, naseweise Maggie und eine hyperängstliche Violetta – und auch die Nebenfiguren haben etwas zu bieten. Die Geschichte ist spannend geschrieben, und es ist ein klassischer Whodunit, Detektivroman, ein echter Cosikrimi mit viel Humor unterlegt. Hier haben wir eine echte Kinder-Miss Marple. Der Text ist kindgerecht für die Altersgruppe und erzählerisch gut gelungen. Krimifreunde werden ihren Spaß haben. Zwischendurch gibt es ein paar Illustrationen von Rieke Patwardhan, die den Text ein wenig auflockern. Der Carlsen Verlag gibt eine Altersempfehlung: ab‎ 8 Jahren – dem schließe ich mich an. Empfehlung!


 

«‹Ups!› Ich warf einen Blick aus dem Fenster, und was ich sah, bestätigte meine Vermutung. ‹Die Alarmanlage ist ausgelöst worden. Wir hätten den Schalter wohl doch gleich bauen sollen.›
‹Ist es der Gänsedieb?› Jetzt sah Violetta doch wieder kalkweiß und panisch aus. 
‹Schön wär’s. In mehrfacher Hinsicht. Nein, es ist Samuel.› Ich gebe zu, dass es lästig sein kann, wenn man urplötzlich mit Wasser bespritzt wird, sich ein lila Farbeimer über einem entleert und man sich in einem Netz verheddert. Trotzdem finde ich, Samuel hätte sich einige der Flüche sparen können, die er uns entgegenschleuderte, als wir zu seiner Rettung eilten. Ich möchte sie hier jedenfalls nicht wiederholen.»


Rieke Patwardhan ist aufgewachsen in Schleswig-Holstein und verbrachte ihre Kindheit damit, auf Bäume zu klettern und dort alle Bücher zu lesen, die sie ihren großen Schwestern entwenden konnte. Auf der Suche nach einem Beruf, der ihr auch weiterhin gute Geschichten bieten würde, wurde sie erst Buchhändlerin, dann Psychologin - nur um festzustellen, dass es wohl doch am schönsten ist, selbst Geschichten zu schreiben, die Kinder auf Bäumen lesen können.


Ina Hattenhauer ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach ihrem Studium an der Bauhaus-Universität Weimar und am Minneapolis College of Art and Design in den USA arbeitet sie seit 2009 als Diplom-Designerin und selbstständige Illustratorin in Weimar.




Rieke Patwardhan, Ina Hattenhauer
Maggie Müller ermittelt - Ein gans furchterregender Fall 
 Maggie Müller ermittelt, Buch 1
Kinderbuch, Kinderkrimi, Whodunit, Detektivroman, Cosikrimi, Kinder- und jugendliteratur
Hardcover, 176 Seiten, 14.8 x 21 cm
Carlsen Verlag, 2025
Altersempfehlung: ab‎ 8 Jahre









Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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