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Desolation Hill von Garry Disher - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Desolation Hill 


von Garry Disher 

Ein Constable-Hirschhausen-Roman (4)


Der Anfang: 
In jener entlegenen Gegend stand man, wenn man eine Schaffarm von der Größe eines europäischen Fürstentums besaß, hocherhobenen Hauptes da. War man nur ein mietezahlender Beamter wie Hirsch, dann stand man hingegen auf dem Gipfel von Desolation Hill.

Eine Mutter, Dr. Van Sant, ist auf der Suche nach ihrem Sohn, einem Backpacker, der sich plötzlich nicht mehr bei ihr gemeldet hat. Hirsch fährt mit ihr zu seinem ehemaligen Arbeitgeber und trifft auf knorrige Farmer, die sich als Schwurbeler entpuppen, angeführt von einer schießwütigen Farmersfrau, bei der der Abzug ziemlich locker hängt. Hirsch wird sogleich zu einem Brand gerufen, ein dilettantisch angezündeter Koffer im Straßengraben. Keine große Sache - bis Hirsch eine Leiche darin entdeckt. Kann dies der vermisste junge Mann sein? Dr. Van Sant, die immer noch in seinem Auto hockt, entpuppt sich am Tatort als versierte Forensikerin.


Eine Leiche im Koffer


‹Nein! Nein, bitte nicht, Mr Muir.› Bob blieb verwirrt stehen und hielt das tropfende, schwere Strahlrohr in den Händen. 
‹Was?› 
‹Spuren›, sagte Dr. Van Sant. Sie wendete sich an Hirsch. ‹Holen Sie bitte unsere Wasserflaschen. Wir gießen einen Becher Wasser nach dem anderen darüber, um die Spuren zu erhalten. Das ist kein schneller oder gefährlicher Brand, aber er wird im Lauf der Zeit die Spuren vernichten - was ein kräftiger Wasserstrahl sofort erledigen würde.›

Diesmal gibt es nicht den einen Fall, sondern wir begleiten das tägliche Geschäft von Constable-Hirschhausen. Stundenlang patrouilliert er über Highways und ausgewaschene Schotterstraßen durchs australische Hinterland. Nervosität liegt in der Luft, die Pandemie zehrt an den Nerven und an Hirschs Toleranzlevel mit den «Covidioten». Verkehrsdelikte, ein erschossener Merinobock, Hassparolen am Kulturzentrum - bei jedem Vergehen droht die Lage zu eskalieren. Immer schön nett sein, keine eigene Meinung haben, nicht die Schwurbelertheorien kommentieren. Bei so viel Blödsinn rutscht einem schon mal ein Spruch heraus. Um das Brandopfer kümmert sich die Mordkommission, der Backpacker scheint mit seiner Freundin weitergezogen zu sein, was der Mutter nicht ganz einleuchten will, so ganz ohne Nachricht vom Sohn. Sie wird die Spur weiterverfolgen und Hirsch widmet sich dem Alltäglichen.


Hinter all dem Kleinkram etwas Großes zusammen


‹Versuchen Sie es mal damit›, sagte Hirsch und trank seinen Tee aus. ‹Ich muss weiter.› Als er wegfuhr, ging ihm mal wieder auf, dass er den Menschen nie umfänglich helfen konnte, niemals all die Probleme anpacken oder wegräumen konnte, die ihm in den Weg kamen.


Ein solider Krimi, der dieses Mal weniger aufregend ist, aber tief in die Farmerseele im australischen Outback eintaucht, im «Weizen- und Wollland» zwischen Adelaide und dem Fuß der Berge. Auch privat macht sich Hirsch Sorgen. Seine Freundin, Lehrerin Wendy Street, und ihrer Tochter Kate, werden durch einen Unbekannten im Internet gemobbt. Cyberkriminalität, Rechtsextremismus, Rassismus, Drogenküchen, Eierdiebe, Kneipenschlägereien und Betrügereien mit dem Sperrmüll bis hin zu Missachtung der Sicherheitsregeln von Coronaleugnern, Hirschhausen hat alle Hände voll zu tun. Schießwütige Farmer, Witwen, die plötzlich mit der Farm allein klarkommen müssen, Hirsch ist immer freundlich und bemüht sich zu helfen, wo er kann. Hier zeigt Disher eine gute Beobachtungsgabe für Details und gesellschaftliche Nuancen. Und so ganz langsam blättert sich hinter all dem Kleinkram etwas Großes auf, der Krimi zieht an, Seite für Seite. Der Lesende versinkt in die Story, hat das Gefühl ganz authentisch bei Hirsch auf dem Beifahrersitz mitzufahren, dabei zu sein beim Besuch auf den abgelegenen Farmen – Australia live. 


Ein Gebiet von der Größe Belgiens


Am Nachmittag kam der letzte Abschnitt der weiten Schleife, die ihn an einer Stelle eine halbe Stunde nördlich von Tiverton zurück zum Barrier Highway brachte. Er sang mit Leonard Cohen über lausige Dichter, bog nach links ab und fand sich nach kurzer Zeit in besserem Land wieder: bessere Ernten, mehr Regen, bessere Zäune - noch immer aber herrschte das Gefühl vom einsamen, verborgenen Leben unter Dächern weitab vom Highway.

Ein literarischer Krimi, authentisch mit viel Atmosphäre für Land und Leute. In diesem Band wird Disher sogar politisch und es geht quer durch alle Delikte, bis hin zu Rassismus gegen Aborigines innerhalb der Polizei und Gewalt von Pflegern gegen Bewohner. Wie überall auf der Welt gibt es auch in Australien die Querdenker, Impfgegner: «Wir weigern uns, ungesetzliche Anweisungen einer Regierung durchzusetzen, die ihr Volk mit Mikrochips versehen will.» Eine Gesellschaft zerbricht in zwei Teile. Das unübersichtliche Revier, das Hirsch kontrolliert, ist riesig, «Ich bin hier allein und kontrolliere ein Gebiet von der Größe Belgiens», und hier passiert eine Menge, es braut sich etwas zusammen, Disher legt hier ein ein Gesellschaftsportrait vom Feinsten an. Der literarische Krimi ist ein Genuss, wie alle Disher-Krimis!

Hirsch konnte nicht mit Fannings Emotionen mithalten - er hatte sich nicht ausgesucht, hier zu leben, ihm gehörte hier nichts, er hatte hier keine Familie gehabt, keine Frau begraben. Er war ein Eindringling. Aber die Fannings auch, die Drydens und alle anderen, die sich hier Land abgesteckt hatten. Das Land war ihnen nicht überlassen worden. Das behielt er alles für sich selbst und sagte nur: ‹Ich gewöhne mich langsam dran.›

Garry Disher wurde 1949 im ländlichen Südaustralien geboren und wuchs auf einer Farm auf. 1978 bekam er ein Stipendium für creative writing an der Stanford University, California. Nach weiteren Stationen in England, Italien und Afrika widmete er sich immer mehr dem Schreiben. Inzwischen gehen über dreißig Bücher auf sein Konto, darunter preisgekrönte Kinderbücher und klassische Romane, Sachbücher und Crime Fiction. Sein erster Wyatt-Roman «Gier» wurde mit dem deutschen Krimipreis 2000 ausgezeichnet. Garry Disher lebt mit seiner Familie auf der Mornington Halbinsel.




Garry Disher 
Desolation Hill
Original: Day’s End, 2022
Ein Constable-Hirschhausen-Roman (4)
Aus dem Englischen von Peter Torberg 
Krimi, Literarischer Krimi, Polizeikrimi, Kriminalroman, Kriminalliteratur, Australische Literatur
Hardcover mit Schutzumschlag, 346 Seiten
Unionsverlag, 2025

Funkloch von Garry Disher

Australien: Lovelock und Pym, sowas wie Dick und Doof, reisen aus Sydney an, sollen für den Boss auf Peninsula, Owen Valentine umlegen. Es soll aussehen, als sei er abgehauen. Die Familie verlässt das Haus und nichts wie rein in die Bude, den Typ in die Garage gezerrt, kaltgemacht und in den Kofferraum gesteckt. Es ist mächtig heiß, das Farmland hinter der Küste ist bereits im Frühjahr zu trocken. Pym schmeißt seine Kippe aus dem Wagen. Owen ist verbuddelt, aber auf dem Rückweg ist alles voller Rauch. Und wieder Funkloch. Müssen sie nun nach rechts oder nach links? – Garry Disher hat in diesem Krimi grandios viele Stränge gelegt, einen Haufen Personal aufgefahren – und erstaunlicherweise behält man als Leser stets die Übersicht in diesem Kriminalroman. Ein spannender Polizeikrimi, Whodunnit, komplex, voller Wendungen, hineingehend in die Gesellschaft. Abteilung Lieblingsbuch!

Weiter zur Rezension:   Funkloch von Garry Disher


Stunde der Flut von Garry Disher

Charlie Deravins ist vom Dienst bei der Kriminalpolizei im trostlosen Menlo Beach in Australien suspendiert, so lange, bis die Sache geklärt ist. Nun hat er Zeit, sich intensiv um seine private Ermittlung kümmern: Was ist vor zwanzig Jahren mit seiner Mutter geschehen? Es war ein ereignisreicher Tag: Charlies erster Einsatz als Polizist, sein erster Fall: Der neunjährige Billy wurde vermisst. Am gleichen Tag verschwand auch Charlies Mutter spurlos – beide tauchten nie wieder auf. Als Hauptverdächtiger zum Fall seiner Mutter galt damals Rhys Deravins, der Ehemann, ein Detective Sergeant. Doch er wurde vom Tatverdacht freigesprochen. Charlie glaubte dem Vater, sein Bruder hält ihn für einen Mörder. Und so ging ein Riss durch die Familie. 

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Barrier Highway von Garry Disher

Tiverton, Südaustralien, es gibt heiße Sommer – aber dieses Mal befinden wir uns im bitterkalten Winter mit Minusgraden, eisigem Wind, frostbedeckendem Gras, Eiszapfen hängen an tropfenden Gartenwasserhähnen. Constable Paul Hirschhausen fährt über die Bitter Wasch Road, den Barrier Highway, biegt ab in einsame Landstraßen und holprige Seitenstraßen, um in seinem Revier nach dem Rechten zu sehen. Disher ist ein fabelhafter Erzähler, und vortrefflicher Stilist, der seine Geschichten fein aufblättert, ein klares Gesellschaftsbild seines Milieus beschreibt. Polizeiarbeit wie sie sie wirklich ist – und dabei zieht die Story an, verdichtet sich, die verketteten Ereignisse überschlagen sich, und es gibt überraschende Wendungen. Garry Disher beherrscht die Kunst den unaufgeregten Krimi aufregend zu präsentieren. 

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Hope Hill Drive von Garry Disher

Die Dezemberhitze brennt auf die trockenen Felder im australischen Tiverton. Constable Paul Hirschhausen fährt durchs staubige Outback von Australien Streife, kümmert sich um Bagatelldiebstähle, Kupferdiebstahl, Gewalt, Trunkenheit am Steuer und soziale Schwierigkeiten. Er muss an Weihnachten Dienst schieben – auch noch den Kleinstadtweihnachtsmann geben – Vorsicht ist geboten, an solchen Tagen steigt der Alkoholkonsum und somit eskalieren Gewaltausbrüche. Der Leser begleitet Hirschausen, der auf seinen weiten Touren über abgelegene Farmen, jeden Tag eine andere Tour fährt. Doch dann gibt es ein Pony-Massaker und später einen Doppelmord. Disher serviert wie immer einen Noir-Krimi der Extraklasse, Empfehlung für alle, die literarische Krimis lieben.

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Kaltes Licht von Garry Disher

Der Australier Garry Disher ist einer der besten Krimiautoren. Das hat er mir diesem Noir-Krimi wieder bestätigt. Im Garten einer Farm gleitet eine Schlange über den verdorrten Rasen. Der Schlangenfänger buddelt unter der Betonplatte ein Skelett aus. Ein Fall für Sergeant Alan Auhl, der verstaubte cold Cases bearbeitet. Wer mag der «Plattenmann» sein, der mehr als 10 Jahre hier verbuddelt liegt? Das Haus, das hier einmal stand, existiert nicht mehr, die Farmer hatten neu gebaut, das Land von einer Immobilienfirma gekauft. Die Ermittlung erweist sich als kompliziert und weitläufig. Zusammen mit Detectives Claire Pascal und Josh Bugg geht er auf Spurensuche – eine Puzzlearbeit. Eine eine obskure Religionsgemeinschaft gerät in den Kreis der Verdächtigen. Aber auch eine private Geschichte hält Auhl auf Trab.

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