Rezension
von Sabine Ibing
Desolation Hill
von Garry Disher
Ein Constable-Hirschhausen-Roman (4)
In jener entlegenen Gegend stand man, wenn man eine Schaffarm von der Größe eines europäischen Fürstentums besaß, hocherhobenen Hauptes da. War man nur ein mietezahlender Beamter wie Hirsch, dann stand man hingegen auf dem Gipfel von Desolation Hill.
Eine Leiche im Koffer
‹Nein! Nein, bitte nicht, Mr Muir.› Bob blieb verwirrt stehen und hielt das tropfende, schwere Strahlrohr in den Händen.‹Was?› ‹Spuren›, sagte Dr. Van Sant. Sie wendete sich an Hirsch. ‹Holen Sie bitte unsere Wasserflaschen. Wir gießen einen Becher Wasser nach dem anderen darüber, um die Spuren zu erhalten. Das ist kein schneller oder gefährlicher Brand, aber er wird im Lauf der Zeit die Spuren vernichten - was ein kräftiger Wasserstrahl sofort erledigen würde.›
Hinter all dem Kleinkram etwas Großes zusammen
‹Versuchen Sie es mal damit›, sagte Hirsch und trank seinen Tee aus. ‹Ich muss weiter.› Als er wegfuhr, ging ihm mal wieder auf, dass er den Menschen nie umfänglich helfen konnte, niemals all die Probleme anpacken oder wegräumen konnte, die ihm in den Weg kamen.
Ein Gebiet von der Größe Belgiens
Am Nachmittag kam der letzte Abschnitt der weiten Schleife, die ihn an einer Stelle eine halbe Stunde nördlich von Tiverton zurück zum Barrier Highway brachte. Er sang mit Leonard Cohen über lausige Dichter, bog nach links ab und fand sich nach kurzer Zeit in besserem Land wieder: bessere Ernten, mehr Regen, bessere Zäune - noch immer aber herrschte das Gefühl vom einsamen, verborgenen Leben unter Dächern weitab vom Highway.
Hirsch konnte nicht mit Fannings Emotionen mithalten - er hatte sich nicht ausgesucht, hier zu leben, ihm gehörte hier nichts, er hatte hier keine Familie gehabt, keine Frau begraben. Er war ein Eindringling. Aber die Fannings auch, die Drydens und alle anderen, die sich hier Land abgesteckt hatten. Das Land war ihnen nicht überlassen worden. Das behielt er alles für sich selbst und sagte nur: ‹Ich gewöhne mich langsam dran.›
Garry Disher Desolation Hill
Original: Day’s End, 2022
Ein Constable-Hirschhausen-Roman (4)
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Krimi, Literarischer Krimi, Polizeikrimi, Kriminalroman, Kriminalliteratur, Australische Literatur
Hardcover mit Schutzumschlag, 346 Seiten
Unionsverlag, 2025
Funkloch von Garry Disher
Australien: Lovelock und Pym, sowas wie Dick und Doof, reisen aus Sydney an, sollen für den Boss auf Peninsula, Owen Valentine umlegen. Es soll aussehen, als sei er abgehauen. Die Familie verlässt das Haus und nichts wie rein in die Bude, den Typ in die Garage gezerrt, kaltgemacht und in den Kofferraum gesteckt. Es ist mächtig heiß, das Farmland hinter der Küste ist bereits im Frühjahr zu trocken. Pym schmeißt seine Kippe aus dem Wagen. Owen ist verbuddelt, aber auf dem Rückweg ist alles voller Rauch. Und wieder Funkloch. Müssen sie nun nach rechts oder nach links? – Garry Disher hat in diesem Krimi grandios viele Stränge gelegt, einen Haufen Personal aufgefahren – und erstaunlicherweise behält man als Leser stets die Übersicht in diesem Kriminalroman. Ein spannender Polizeikrimi, Whodunnit, komplex, voller Wendungen, hineingehend in die Gesellschaft. Abteilung Lieblingsbuch!
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Stunde der Flut von Garry Disher
Charlie Deravins ist vom Dienst bei der Kriminalpolizei im trostlosen Menlo Beach in Australien suspendiert, so lange, bis die Sache geklärt ist. Nun hat er Zeit, sich intensiv um seine private Ermittlung kümmern: Was ist vor zwanzig Jahren mit seiner Mutter geschehen? Es war ein ereignisreicher Tag: Charlies erster Einsatz als Polizist, sein erster Fall: Der neunjährige Billy wurde vermisst. Am gleichen Tag verschwand auch Charlies Mutter spurlos – beide tauchten nie wieder auf. Als Hauptverdächtiger zum Fall seiner Mutter galt damals Rhys Deravins, der Ehemann, ein Detective Sergeant. Doch er wurde vom Tatverdacht freigesprochen. Charlie glaubte dem Vater, sein Bruder hält ihn für einen Mörder. Und so ging ein Riss durch die Familie.
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Barrier Highway von Garry Disher
Tiverton, Südaustralien, es gibt heiße Sommer – aber dieses Mal befinden wir uns im bitterkalten Winter mit Minusgraden, eisigem Wind, frostbedeckendem Gras, Eiszapfen hängen an tropfenden Gartenwasserhähnen. Constable Paul Hirschhausen fährt über die Bitter Wasch Road, den Barrier Highway, biegt ab in einsame Landstraßen und holprige Seitenstraßen, um in seinem Revier nach dem Rechten zu sehen. Disher ist ein fabelhafter Erzähler, und vortrefflicher Stilist, der seine Geschichten fein aufblättert, ein klares Gesellschaftsbild seines Milieus beschreibt. Polizeiarbeit wie sie sie wirklich ist – und dabei zieht die Story an, verdichtet sich, die verketteten Ereignisse überschlagen sich, und es gibt überraschende Wendungen. Garry Disher beherrscht die Kunst den unaufgeregten Krimi aufregend zu präsentieren.
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Hope Hill Drive von Garry Disher
Die Dezemberhitze brennt auf die trockenen Felder im australischen Tiverton. Constable Paul Hirschhausen fährt durchs staubige Outback von Australien Streife, kümmert sich um Bagatelldiebstähle, Kupferdiebstahl, Gewalt, Trunkenheit am Steuer und soziale Schwierigkeiten. Er muss an Weihnachten Dienst schieben – auch noch den Kleinstadtweihnachtsmann geben – Vorsicht ist geboten, an solchen Tagen steigt der Alkoholkonsum und somit eskalieren Gewaltausbrüche. Der Leser begleitet Hirschausen, der auf seinen weiten Touren über abgelegene Farmen, jeden Tag eine andere Tour fährt. Doch dann gibt es ein Pony-Massaker und später einen Doppelmord. Disher serviert wie immer einen Noir-Krimi der Extraklasse, Empfehlung für alle, die literarische Krimis lieben.Weiter zur Rezension: Hope Hill Drive von Garry Disher
Kaltes Licht von Garry Disher
Der Australier Garry Disher ist einer der besten Krimiautoren. Das hat er mir diesem Noir-Krimi wieder bestätigt. Im Garten einer Farm gleitet eine Schlange über den verdorrten Rasen. Der Schlangenfänger buddelt unter der Betonplatte ein Skelett aus. Ein Fall für Sergeant Alan Auhl, der verstaubte cold Cases bearbeitet. Wer mag der «Plattenmann» sein, der mehr als 10 Jahre hier verbuddelt liegt? Das Haus, das hier einmal stand, existiert nicht mehr, die Farmer hatten neu gebaut, das Land von einer Immobilienfirma gekauft. Die Ermittlung erweist sich als kompliziert und weitläufig. Zusammen mit Detectives Claire Pascal und Josh Bugg geht er auf Spurensuche – eine Puzzlearbeit. Eine eine obskure Religionsgemeinschaft gerät in den Kreis der Verdächtigen. Aber auch eine private Geschichte hält Auhl auf Trab.Krimis und Thriller - eigentlich ein kunterbuntes Genre
Krimis und Thriller
Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.Krinis und Thriller


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