Rezension
von Sabine Ibing
Kalle will nicht knuddeln
von Jule Wellerdiek
Kalle ist ein kleiner wuscheliger Hund. Er freut sich immer, wenn er im Park seine Freunde trifft. Doch weil er so flauschig, wuschlig und kuschlig ist, überfallen ihn seine Freunde ständig mit einer Knuddelattacke. Und das ist Kalle unangenehm – das nervt! Doch was soll er tun? Da fällt sein Blick auf einen Kaktus und er hat die zündende Idee!
Kalle verkleidet sich als Kaktus! Und als er in den Park kommt, stürzen sich wie immer alle auf ihn: Knuddelattacke! Noch, ups! Den mag heute niemand knuddeln! Die Freunde beschweren sich, es sei doch gar kein Fasching. Als die anderen Hunde hören, was es mit dem Kostüm auf sich hat, erzählen auch die anderen, was ihnen nicht gefällt. Maja sagt, sie macht nur beim Beschnuppern mit, um nicht als Spielverderberin dazustehen, und der große, kräftige Bo mag nicht, dass die anderen ständig auf seinen Rücken springen. Mal drüber reden und deutlich Nein sagen! Respekt gegenüber den anderen zeigen, es ist gar nicht so schwer! So einigen sie sich die Hunde auf eine neue Begrüßung, mit der alle glücklich sind und werden in der Zukunft einfach Nein sagen, wenn die anderen es zu toll mit einem treiben.
Ein Bilderbuch das sich mit der körperlichen Selbstbestimmung befasst. Wir kennen das alle, wenn wir an unsere Kindheit denken: Ganz viele Erwachsene kommen zu Besuch und alle wollen dich durchknuddeln, küssen. Bäh! Man mag nicht immer angefasst und geküsst werden, und schon gar nicht von jedem. Wie geht man damit um? Nein sagen! Es geht nicht nur ums Knuddeln, sondern letztendlich ums Neinsagen – den anderen Grenzen setzen. Das Neinsagen durchzieht das gesamte Leben. Etwas, was man als Kind lernen muss. Bis hierher und nicht weiter! Basta! Und Kalle sieht, auch andere haben im Miteinander Probleme. Man muss darüber reden, den anderen klar machen, was einem nicht gefällt. Mund auf und dann funktioniert es.
Ein einfühlsames Bilderbuch über Gefühle und Kommunikation auf Augenhöhe. Ein Buch zum Diskutieren. Was magst du denn nicht? Wie können wir das ändern? Kinder stark machen und das Selbstbewusstsein fördern, indem wir das Neinsagen lernen. Das Ganze ist aber nicht oberlehrhaft gestaltet, sondern in eine witzige Geschichte eingebettet, so dass die Message ganz nebenbei herläuft und die Kinder ganz natürlich animiert werden, über ihre eignen Gefühle zu sprechen. Die großflächigen Illustrationen sind in Mehrfachtechnik gestaltet, Tempera und Aquarell – und ich denke, digital nachbearbeitet – aber mit Letzterem habe ich schon ein paarmal danebengelegen. Für das Auge angenehm sind die zarten Naturfarben. Die Bilder strahlen Fröhlichkeit aus und stellen die Gefühle gut in den Vordergrund. Zu dieser Geschichte mag wirklich niemand Nein sagen! Der Annette Betz Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 4 Jahren. Dem schließe ich mich an. Empfehlung!
Jule Wellerdiek zeichnet, seit sie einen Stift halten kann. Nach ihrem Designstudium an der FH Münster widmet sie sich als freiberufliche Illustratorin nun dem, was sie am liebsten tut: Sich Geschichten ausdenken und diese in Bilder verwandeln, am liebsten mit vielen schrägen Figuren und Details.
Jule WellerdiekKalle will nicht knuddeln
Bilderbuch, Kinderbuch, Neinsagen, Gefühle, körperliche Selbstbestimmung
Hardcover, 32 Seiten, 21.7 x 27.5 cm
Annette Betz im Ueberreuter Verlag, 2025
Altersempfehlung: ab 4 Jahren
Holgers Haus von Jule Wellerdiek
Der Fuchs Holger ist wütend auf seinen Freund Stein, der wirklich ein Stein ist, ein etwas ungeschickter Kerl. Holger freut sich nach dem Wäscheaufhängen auf ein Buch. Während er entspannt auf seinem Sessel durch die Seiten fliegt, gibt es einen Knall, hat Stein ein riesiges Chaos angerichtet. Jetzt reicht es!, denkt sich Fuchs. Und als Stein verärgert nach draußen rennt, packt Holger die Gelegenheit beim Schopf, hievt das Haus auf seinen Fahrradanhänger und schleicht sich von dannen ... Eine Geschichte über Streit und Freundschaft, über das schreckliche Alleinsein. Bilderbuch ab 3 Jahren.
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Bilderbücher bis 5 Jahre
Kinder- und Jugendliteratur
Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.



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