Rezension
von Sabine Ibing
Auch große Geschwister sind noch klein
von Molly Mead und Antonia Woodward
Früher war das erzählende Mädchen einmal klein, teilt sie uns mit. Sie musste so viel lernen ... Und nun ist ein neues Baby angekommen. Plötzlich ist sie nicht mehr das kleinste Familienmitglied, was eine ganze Menge mit sich bringt: Neue Erwartungen, neue Aufgaben – und neue Gefühle, die manchmal ganz schön schwer zu verstehen sind, denn «Auch große Geschwister sind noch klein».
Das Bilderbuch erzählt davon, was es bedeutet, ein «großes Kind» zu sein. Stolz darauf zu sein, was man bereits alles kann, mutig, hilfsbereit, stark zu sein auf der anderen Seite – aber immer noch klein auf der anderen… Und auch die ganz Großen, die Eltern, haben es nicht immer leicht.
Mit sehr viel Feingefühl nimmt das Bilderbuch die Situation auf, plötzlich nicht mehr das einzige Kind zu sein, denn ein neues Geschwisterchen verändert nicht nur den Alltag, sondern auch das Selbstbild. Dieses Buch hilft Kindern, ihren Platz in der Familie neu zu finden – ohne Druck, dafür mit viel Verständnis. Es zeigt: Groß zu sein heißt nicht, keine Bedürfnisse mehr zu haben und alles richtig zu machen. Nicht immer klappt alles; und manchmal wird es einem schlicht zu viel.
Es ist gleichzeitig ein Anstoß an die Eltern, das größere Kind nicht zu überfordern, daran zu denken, dass auch die Großen immer noch Kinder sind. Das Kinderbuch zeigt, dass es in Ordnung ist, verunsichert zu sein, dass die ambivalenten Gefühle von Stolz und Unsicherheit, Eifersucht, Freude, Überforderung normal sind und dass man sie zulassen darf; stärkt Selbstempathie und innere Balance. Beim gemeinsamen Lesen entsteht ein liebevoller Raum, um über Rollen, Erwartungen und Gefühle zu sprechen.
Das Buch unterstützt Eltern darin, die emotionale Welt ihrer Kinder besser zu verstehen – und gemeinsam in das neue Familienleben hineinzuwachsen. Es gibt auch den Kindern Verständnis, dass sie nicht allein sind, dass auch die Erwachsenen ähnliche Gefühle haben und für sie die Kinder nicht immer einfach sind. Dies ist ein sehr empathisches Kinderbuch, dass die gesamte Familie mitnimmt. Die Illustrationen von Antonia Woodward runden das Thema ab, weil sie wundervoll gestaltet sind, emotionsvoll, atmosphärisch, mitfühlend. In bunten, gedämpften Farben zeigen die Zeichnungen alle Situationen aus dem Kinderalltag. Auf manchen Seiten fast im Comicstil mit Panels. Besonders nehmen die Bilder den Lesenden mit, auf denen das traurige Mädchen zu sehen ist. Man mag es in den Arm nehmen und knuddeln. Ein klasse Bilderbuch; von mir gibt es eine Altersempfehlung ab 4 Jahren.
Molly Mead ist eine Kinderbuchautorin und -lektorin aus Großbritannien. Nach ihren Universitätsabschlüssen in Geisteswissenschaften stieg sie in die wunderbare Welt der Kinderbücher ein. Diese Geschichte ist von ihrer Erfahrung inspiriert, die große Schwester zu sein.Antonia Woodward ist im englischen Suffolk geboren und aufgewachsen. Seit ihrem Abschluss in Illustration, illustriert sie verschiedene Kinderpublikationen, darunter Bilderbücher, Kinderreime, Gute-Nacht-Gebete und Bibelgeschichten. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Töchtern an der Südküste Englands am Meer.
Molly Mead, Antonia Woodward
Auch große Geschwister sind noch klein
Originaltitel: Being the biggest
Übersetzt aus dem Englischen von Kathrin Köller
Kinderbuch, Bilderbuch, Geschwister, Familie, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 32 Seiten, 25.6 x 25.8 cm
Zuckersüß Verlag, 2026
Altersempfehlung: ab 4 Jahren (von mir)
Kinder- und Jugendliteratur
Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.




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