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Wie ich ein grauer Hund wurde von Katharina Kulenkampff - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Wie ich ein grauer Hund wurde 


von Katharina Kulenkampff


Alles was ich bin und was ich werde beginnt mit den Triggern meiner Kindheit. Das Kind ist «fast perfekt», sagen hier die Eltern. Und immer wieder negative Motivation, wie «Das machen Mädchen nicht!» Weiter geht es im Kindergarten und in der Schule. Die Protagonistin wird ständig kleingemacht, erlebt ständig negative Reaktion auf sich. Und so steht der Selbstzweifel ständig neben ihr als bester Freund, macht sie nieder. «Falsch», «ich glaube, deine Leistungsgrenze ist erreicht», «du gehörst nicht dazu», «du schämst dich», «so wird das nie was». Der negative Trigger aus dem Elternhaus hat sich in das Selbstvertrauen der Protagonistin gelegt – und so zeigt sie sich nach außen, ängstlich, ohne Selbstwertschätzung – sie wird gemobbt, bekommt nichts auf die Reihe.



In Katharina Kulenkampffs Buchdebüt begegnen wir dem grauen Hund, der auf Schritt und Tritt von einer garstigen Stimme verfolgt wird, das rote Selbst. Sogar kleinste Momente der Freude werden vermiest, Ratschläge mit spitzer Zunge zerpflückt, Zweifel gesät: «Gut gemacht, aber das hält eh nicht lange.» «Hunde, die zweifeln, versagen oft.» Egal was diese graue, zaghafte Maus, äh ..., der graue Hund versucht, er wird zermürbt. Seine Ausgeglichenheit wird zersetzt und das fiese Flüstern vom Roten wird lauter. «... Sie lachte. Ich weinte. Mein Pech.» 



Die depressiven Momente werden immer länger. Die innere Stimme kommentiert alles fürchterlich, zerstört damit die innere Kraft und verstärkt den Zweifel an sich selbst – bis hin zu einem psychischen Zusammenbruch. Der Leidensweg einer Person, die in der Kindheit gebrochen wurde und sich nicht mehr aufrichten kann. Katharina Kulenkampff arbeitet mit abstrahierten Tierfiguren und absolut klaren Panelstrukturen, fast immer mit sechs gleichgroßen Panels. Es gibt so etwas wie eine Kapitelstruktur – die jeweils mit einer ganzseitigen Illustration mit Überschrift beginnen. 



Die Zeichnungen sind extrem reduziert, konzentrieren sich auf die handelnden Figuren. Hintergründe und Protagonisten sind nicht ausgearbeitet, sondern einfarbig. Die Konzentration liegt auf den Emotionen, die jedem Panel unterlegt sind. Die Farbgestaltung ist poppig, in Komplementärfarben gehalten – Tomatenrot, Blasslachs, Veilchen, Flieder, Lindgrün – was die Bedeutung der inneren Krise untermalt. Es ist eine anspruchsvolle Graphic Novel, die eindringlich erklärt, wie man zum grauen Hund wird. Die künstlerische Form erklärt verständlich, was es aus einem macht, wenn man als Kind negativ getriggert wird. Klasse gemacht dieser Comic! 



Katharina Kulenkampff hat an der Kunsthochschule Berlin Weißensee visuelle Kommunikation studiert. Zu ihren Auftraggebern zählen The New Yorker, The New York Times, Süddeutsche Zeitung, ZeitLeo, Maro Verlag und der Ventil Verlag. Einige ihrer Comics sind bereits in der Form von Zines in Kleinstauflagen erschienen. Katharina Kulenkampff ist Teil des Künstlerinnenkollektiv SPRING und ihre Comics erscheinen regelmäßig in der gleichnamigen Anthologie im Mairisch Verlag. Sie lebt und arbeitet als Zeichnerin und Illustratorin in Berlin.



Katharina Kulenkampff
Wie ich ein grauer Hund wurde
Comic, Graphic Novel, Depression
Hardcover, 112 Seiten, 22.3 x 28.7 cm
Rotopol Verlag, 2025




Graphic Novel, Comic, Grafisches  

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