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Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adria von Ines Cali - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adria 


von Ines Cali


Der Anfang: 
Den ganzen Tag schon war in Zagreb Regen gefallen, ein Mairegen, sanft und warm, wie die Tränen eines kranken Kindes. Gegen Abend hatte der Wind aufgefrischt, jetzt jagten dunkle Wolken über den Nachthimmel, und von fern rollte der Donner. Vor dem Restaurant Stari Zagreb in der Altstadt fielen schwere Tropfen. Das Reiterdenkmal des Ban Jelačić glänzte metallisch. Den Säbel hielt der Feldherr über den Kopf erhoben, sein Mantel wehte für immer im Wind. Der Regen klatschte auf die Kruppe seines Pferdes und lief auf das Pflaster des Platzes hinunter, wo er zu schwarzen Tümpeln gerann.

Iva Markulin, Staatsanwältin in Zagreb, lässt sich nach Pula versetzen, als ihr Mann bei einem Attentat ums Leben kommt. Wem galt die Autobombe, die an ihrem Auto befestigt wurde? Ihm oder ihr? Mit ihrem kleinen Sohn Matteo zieht sie zu ihrem Großvater, der auf dem Familiengut Terra Rossa in Istrien Olivenöl produziert. Hier ruft sie eine Sonderkommission ins Leben, als deren Leiterin sie die Mörder ihres Mannes ausfindig machen will. Sie hat den Ruf der «Mafiajägerin», lernt schnell das Who is Who an Istriens Küsten kennen, denen es nicht passt, dass ihnen jemand auf die Finger schaut. 


Iva will Gerechtigkeit, keine Rache


‹... haben wir da oben im Naturschutzgebiet zwar einen Futterplatz, wo wir Aas ablegen können›, sagte Elena gerade, anscheinend entschlossen, sich nicht vom Thema abbringen zu lassen. ‹Und da oben ist grüner Karst, das heißt, es wächst Macchia, aber der Stein darunter ist wie ein Sieb. Es gibt Poljen, große Hohlformen wie Sammelbecken, die haben eine unterirdische Entwässerung. Im Ponor, in Schlucklöchern, verschwindet das Regenwasser und fließt auch unterirdisch weiter.› Sie fuchtelte mit ihrem Messer in der Luft herum. ‹Aber es entstehen immer neue Wohnanlagen. Dabei gibt es da weder eine zentrale Wasserversorgung noch eine Kanalisation.› Sie warf das Messer auf den Teller. ‹Hier geht es nicht nur um eine bedrohte Vogelart. Die Menschen werden krank, und Alte und Kleinkinder sind in Lebensgefahr.›

Über die Unterlagen von ihrem Mann beginnt Iva sich mit dem Neubau von Luxusvillen zu beschäftigen, die ins Naturschutzgebiet gebaut werden sollen, dem Territorium der Gänsegeier, die letzten ihrer Art. Sie lernt die Bratstvo kennen, eine Bruderschaft, die die schützende Hand über jedes ihrer Mitglieder hält, egal, wie tief diese in Korruption und Betrug stecken. Und sie wird mehrfach gewarnt, nicht weiter in der Sache herumzustochern. Doch Iva lässt sich nicht einschüchtern und gräbt tief. Als sie bedroht wird, ist sie sicher, dass sie auf der richtigen Spur ist. Sie setzt alles daran, den Fall zu lösen – Iva will Gerechtigkeit, keine Rache.


Eine etwas naive Staatsanwältin


‹Ciao, Lorenzo, bist du in Pula?› 
‹Herzchen, ich bin ein vielbeschäftigter Anwalt und gerade auf dem Weg von Triest nach Venedig.› 
‹Dann will ich dich nicht weiter stören.› 
‹Du störst nie, außerdem habe ich erst in zwei Stunden ein Mittagessen mit Klienten ... Fahr weiter! ... Dabei hasse ich diesen göttlichen Tiefkühlfisch, den sie einem in Venedig als Tagesfang unterjubeln. Brauchst du Hilfe?›
 ‹Göttlicher Tiefkühlfisch?› 
‹Nur Gott allein weiß, wo der her ist.›

Aber es geht nicht nur um die Geier, es geht um die Verseuchung des löchrigen Gesteins und des Trinkwassers, die eine neue Ferienanlage bereits verursacht. Und nun sollen Luxusvillen hinzukommen – ein dickes Geschäft für ein paar Leute. Ein gut geschriebener, spannender Politkrimi – was ich nicht erwartet hatte. Bei der Hauptperson konnte ich nicht ganz folgen, mit welcher Naivität sie vorgeht. Ihr wird angeraten, Personenschutz in Anspruch zu nehmen, ihre Familie ist völlig schutzlos. Eine Autobombe hat gleich am Anfang ihren Wagen samt Ehemann in die Luft gesprengt und die Staatsanwältin fährt ungeschützt, lässt ihr Haus ungesichert, trotz Warnungen aus allen Richtungen. Und dann ist sie erstaunt, dass man an ihre Familie geht. So viel Naivität besitzt kein Staatsanwalt, der sich so heftig mit mafiösen Strukturen anlegt, insbesondere, wenn er Kinder hat. Auch die Geschichte mit der Bank ist ein wenig zu kurz erzählt worden. Man ahnt, dass die Autorin sich nicht so gut mit den Praktiken der Wirtschaftskriminalität auskennt. Wer sich nicht darüber auslässt, kann auch nichts falsch machen. 

Immer diese Sätze in fremder Sprache, die angeblich Atmosphäre schaffen 

Wenn man das herausnimmt, ist es ein solider atmosphärischer Krimi, spannende Kriminalliteratur zum Küstenbauboom Istriens und Umweltzerstörung. Ansonsten ist die Figur mit ihren inneren Widersprüchen gut gelungen.  Sie ist keine Superheldin, sondern eine aufrechte Figur, die man aber knicken kann – recht menschlich. Es gibt noch eine typisch deutsche Sache, die mich rasend macht: Wird ein Buch übersetzt, übersetzt man alles in die deutsche Sprache. In deutschen Krimis, die im Ausland handeln, bringen die Autor:innen gern Sätze aus dem Land mit unter die deutsche Sprache. Selten dämlich. Und damit es auch jeder versteht, ist der Satz doppelt geschrieben, in Landessprache und Deutsch. Der Sinn ist mir bis heute nicht aufgegangen. Denn Atmosphäre schafft man nicht durch ausländische Sätze in einem Roman. Empfehlung!


Ines Calic wuchs in Berlin, Paris und Istrien auf und studierte in Salzburg Jura. Journalistische Erfahrungen sammelte sie beim Aktuellen Dienst des ORF, ehe sie am Institut für Europäische Rechtsgeschichte zur Zeitgeschichte und zur nationalsozialistischen Gesetzgebung forschte. Brisante Themen aus Wissenschaft und Politik liefern Stoff und Hintergrund für ihre Bücher, sie schreibt Krimis und Thriller. Ines Calic ist Mitglied der International Thriller Writers und der Internationalen Liga für Menschenrechte.



Ines Cali
Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adria
Krimi, Istrien, Kroatin, Kriminalliteratur, Kriminalroman
Klappenbroschur, 398 Seiten
Rowohlt Polaris Verlag, 2025








Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

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