Rezension
von Sabine Ibing
Ein Rätsel für den König
von Mark Forsyth
Es geschieht nicht alle Tage, dass eine kleine Gestalt aus einer alten Standuhr späht und einen fragt, ob man der König sei. Tatsächlich geschieht so was nur an sehr wenigen Tagen. Genau genommen weiß ich nur von diesem einen Tag, an dem genau das passiert ist. Philo war so überrascht, dass er nicht wusste, was er sagen sollte.
Philos Onkel und seine Tante haben eine stattliche Uhrensammlung. Alle Uhren ticken auf die Sekunde gleich. Einzig die große Pendeluhr tanzt aus der Reihe und schlägt ab und an auch mal 13. Eines Tages purzelt aus der Pendeluhr ein kleiner Kobold, der auf der Suche nach dem König ausgerechnet in Philos Flur landet. Philo folgt diesem Mr. Spronkel in ein merkwürdiges Land voller kniffliger Rätsel und Paradoxen, ein Ort, an dem wirklich nichts einen Sinn ergibt. Gleich treffen sie auf merkwürdige Schilder – auf einem steht: «Es ist verboten, dieses Schild zu lesen». Nur einer kann Ordnung in das Chaos bringen: der König! Doch der ist vor einer Ewigkeit mit seinem fliegenden Schloss abgehauen.
Denn die Welt dreht sich weiter, auch wenn Sie wegschauen. Es ist doch besser, etwas, irgendwas zu tun und einen Fehler zu machen, als gar nichts zu tun.
Es existiert ein Tor zum fliegenden Schloss, doch dort kommt man nur hindurch, wenn man nicht an Pinguine denkt. Bisher hat es noch niemand geschafft, dort durchzugehen – alle denken an Pinguine. Philo trifft auf die clevere Verity, und sie müssen durch gefährliches Gebiet gehen, um zum Tor zu gelangen. Fallende Bären, eine Hexe, die Kinder in Teekannen verwandelt und fiese Regeln machen ihnen zu schaffen. Schnell begeht man Straftaten, wird steckbrieflich gesucht. Wird es den dreien gelingen, alle Hindernisse zu überwinden und den König zu erreichen?Wieder brach er in Gelächter aus. ‹Kapieren Sie es? Hauptgänge? Nur Nachspeisen? Verstanden? Ein kleiner Scherz von mir. Ich nehme die Dinge immer gern auf die leichte Schulter. Und ich sage immer, wenn du nicht mehr lachen kannst, was kannst du dann überhaupt noch? Das ist eine sehr wichtige Lektion im Leben. Meine Berufsberaterin hat mir das als Erste gesagt, und ich habe es nie mehr vergessen: Wenn du nicht mehr lachen kannst, was kannst du dann überhaupt noch?›
Selten habe ich ein so tiefgründiges Kinderbuch gelesen. In dieser Welt läuft alles ein wenig anders. Schuld sind die Dekrete des Königs – und nur er kann das alles zurücknehmen. Die Helden müssen einige Rätsel lösen und sie kommen in gefährliche Situationen. Nachdenken und argumentieren ist hier gefragt, denn es geht um Paradoxien und tiefgründige Logikfragen, logische Denkwege. Philo, der Philosoph und Verity, die Wahrheit (lügen kann sie nicht ausstehen) erkennen schnell, dieses Volk sitzt im Dilemma – der König muss her. Und vieles ist nur die Frage der Perspektive. Ein spannendes, lustiges Buch für kleine Debattierkönige. Der Knesebeck Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 10 Jahren für das Kinderbuch – da schließe ich mich an. Es ist ein ganz besonderer Kinderroman auf hohem Niveau! Empfehlung!
Mark Forsyth bekam zur Taufe ein Exemplar des Oxford English Dictionary und dieser prägte sein ganzes bisheriges Leben. Er hat zahlreiche Bücher über Sprache geschrieben, über Weihnachtstraditionen und Buchhandlungen. Sein besonderes Interesse gilt Worten, die in der Alltagssprache nicht mehr verwendet werden. Er studierte Literatur und Linguistik an der University of Oxford und lebt in London.
Matthew Land wuchs auf einem Milchbauernhof in Wales auf, wo er fast zwanghaft las und zeichnete. Inzwischen lebt er nicht mehr auf einem Milchbauernhof, liest und zeichnet aber immer noch und hat nach seinem Studienabschluss 2012 am Falmouth College of Art zahlreiche Kinderbücher illustriert. Er lebt in Edinburg.
Originaltitel: A Riddle for a King
Matthew Land (Illustrator)
Aus dem Englischen übersetzt von Henriette Zeltner-Shane
Kinderbuch, Kinderroman, Fantasy, Englische Literatur
Hardcover, 304 Seiten
Knesebeck Verlag, 2025
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Kinder- und Jugendliteratur
Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.




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