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Sumpffieber von James Lee Burke - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Sumpffieber 


von James Lee Burke

Ein Dave-Robicheaux-Krimi


Der erste Satz: Nur zweimal in meinem Leben hatte ich eine solche Morgendämmerung erlebt: einmal in Vietnam, als auf einer Nachtpatrouille eine Mine vor mir detoniert war und ihre Leuchttentakel um meine Oberschenkel geschlungen hatte, und das andere Mal, Jahre davor, draußen vor Franklin, Louisiana, als mein Vater und ich die Leiche eines Gewerkschaftlers entdeckt hatten, den man mit 16-Penny-Nägeln an Fuß- und Handgelenken an eine Scheunentür genagelt hatte.

Für mich ist amerikanische Schriftsteller James Lee Burke der beste Krimiautor. Niemand schafft es so atmosphärisch zu schreiben und seine Protagonisten so grandios aufzustellen. Man sieht jede Figur vor sich, und jede ist ein Unikum für sich. Männer und Frauen aus dem Süden der USA, Schwarze, Weiße, Cajun – Bitterarme und Superreiche prallen aufeinander. Weiße regieren noch immer Land, die Farbigen haben wenig Chancen, ihr Leben zu verbessern. Rednecks, Rassisten, Geld regiert die Welt, und viele scheren sich einen Dreck um die Gesetze. Im Reich der Mangroven halten sich auch viele Galgenvögel auf, illegale Geschäfte und Drogen bestimmen die Region, Alkohol regiert die Welt. Das tägliche Brot für Dave Robicheaux von der Mordkommission. Doch als Megan Flynn zurück nach New Iberia kommt, riecht das für den Polizisten nach Ärger. Er hatte Jahrzehnte zuvor ihren Vater Jack Flynn gefunden, einen Gewerkschaftsführer, der auf übelste Weise wurde. Kurz danach werden zwei weiße Männer ermordet, die eine Farbige vergewaltigt hatten, die Täter sein Polizisten gewesen. Es hat für Robicheaux den Anschein, Alex Guidry sei in beide Verbrechen verwickelt.

Bei Morgengrauen kam der Wind aus Süden, feucht und warm und durchsetzt mit Regen. Ich lenkte das Kabinenboot über eine langgestreckte, flache Lagune, die zu beiden Seiten von Sumpfzypressen gesäumt war, die mit dem Fuß im Wasser standen und deren Laub sich im Wind wie ein grüner Spitzenvorhang bewegte. Kraniche erhoben sich aus den Bäumen in den rosagetönten Himmel, und im Süden türmten sich Gewitterwolken über dem Golf auf, und die Luft roch nach Salzwasser und Metall, das in der Sonne trocknete.

Malerisch auf der einen Seite, düster und brutal auf der anderen 

Puzzleteil für Puzzleteil sucht sich Robicheaux seine Informationen zusammen und die ein oder andere Vermutung endet in einer Sackgasse. Verschrobene Typen, Menschen, die nicht gern den Mund aufmachen, im Subtext Hinweise geben, Menschen, die niemandem über den Weg trauen. James Lee Burke besticht mit seiner Sprache. Wortgewaltig beschreibt er die Mangrovensümpfe, den Parish Seat des Iberia Parish im Süden von Louisiana, den dort ansässigen Menschenschlag, soziale Ungerechtigkeiten. Es ist ein Genuss seine Krimis zu lesen malerisch auf der einen Seite, düster und brutal auf der anderen.

Burke ist einer der wenigen Autoren, die zweimal mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis für den besten Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet wurden (1989 für »Black Cherry Blues«, 1997 für »Cimarron Rose«), 1995 erhielt er den Deutschen Krimi Preis - International für »Weißes Leuchten« und 2015 für »Regengötter«. Für »Sumpffieber« erhielt er den »CWA/Macallan Gold Dagger for Fiction« 1998 und 2009 den »Grand Master Award«, die höchste Auszeichnung der Mystery Writers of America (MWA) für besondere Leistungen im Krimi-Genre und gleichbleibend hohe Qualität seiner Werke (gemeinsam mit Sue Grafton).

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