Direkt zum Hauptbereich

Floris & Maja von Elzbieta - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Floris & Maja 


von Elzbieta


Der Krieg war unheimlich stark! Er beherrschte alle und nahm keine Rücksicht. Er machte schrecklichen Lärm. Er steckte Häuser an und schlug alles kaputt!


Ein Klassiker – ein kurzes Buch mit der Wucht einer Bombe – mit zeitloser Empathie: Plötzlich ist Krieg. Floris und Maja sind beste Freunde, spielen jeden Tag glücklich miteinander. Der Vater liest in der Zeitung, es würde Krieg geben. Am nächsten Tag geht er fort: Er zieht in den Krieg. Hatten die Kinder gestern noch gemeinsam am Bach gespielt, trennt sie heute ein Stacheldraht. Sie verstehen es nicht. Die Mutter erklärt Floris: «Psst! Wir dürfen nicht mehr von Maja sprechen!». Es ist Krieg. Er verbietet alles. Floris will dem Krieg das verbieten, doch die Mutter erklärt, der Krieg würde niemandem gehorchen. Aber zum Glück ist der Krieg irgendwann fortgezogen … 




Den Krieg kann man nicht töten, kleiner Floris. Er schläft nur hin und wieder ein.


 


1994 ist dieses ausdrucksstarke Bilderbuch von Elzbieta erstmals erschienen. So lange es Menschen gibt, werden kriegerische Auseinandersetzungen sie begleiten. Elzbieta schafft es, den ganzen Schrecken und die Fragen, die ein Kind hat, empathisch einzufangen, ohne es ängstlich zu machen. Alles, was der Krieg mit sich bringt, wird in Schlüsselereignissen offengelegt, in 2-3 Sätzen pro Seite optisch untermauert mit zarten Illustrationen in Pastellfarben. Gewalt in Wort und Bild kombiniert. Die Zartheit der Bilder mit hohem Emotionsgehalt treffen ins Herz, ohne dabei kitschig zu wirken. Sie federn das Gesagte ein wenig ab. Stacheldraht, Grenzen ziehen; der rote Hase mit erhobenem Schwert auf dem Pferd, am unteren Bildrand liegen viele Hasen … ein düsteres Bild. Zerstörung im Hintergrund, vorn ein trauriger Floris, ein heimkehrender Vater – ihm fehlt ein Bein, der Arm steckt in einem Verband. Unfassbares die Frage nach dem Warum, die keine Menschenseele beantworten kann. Dieses Buch lässt niemanden kalt. Kurze, knappe Sätze, kurze Statements – besser kann man das Thema Krieg nicht darstellen, um den Begriff zu erklären. Der Moritz Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 5 Jahren; vielleicht auch schon ab 4 Jahren von mir.



Elzbieta (1936-2018) war Bildhauerin, Fotografin, Malerin, Illustratorin, Autorin, Dichterin – und Weltbürgerin. Geboren in Polen, wuchs sie im deutschbesetzten Elsass auf und lebte später in England und Paris. Von ihr erschienen weit mehr als 40 Bilderbücher. Sie wurde 2006 und 2008 für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert.


Elzbieta
FLORIS & MAJA
Übersetzt aus dem Französischen von Barbara Haupt
Hardcover, 40 Seiten, 21,6 cm x 15,5 cm
Klassiker, Kinderbuch, Bilderbuch, Krieg, Kinder- und Jugendliteratur
Moritz Verlag, Neuauflage 2023
Altersempfehlung: ab 5 Jahren



Zum Thema:

Als der Krieg nach Rondo kam von Romana Romanyschyn, Andrij Lessiw

Das Leben ist schön in Rondo. Die Luft ist kristallklar, überall blühen Blumen, einige singen sogar! Die drei Freunde Danko, Zirka und Fabian möchten nirgendwo anders sein. Doch plötzlich geschieht Schreckliches: Der Krieg kommt in ihre kleine Stadt. Dunkel und bedrohlich, groß und überwältigend. Er bringt nichts als Zerstörung, und nichts und niemand kann ihn aufhalten. Bis die drei Freunde eine geniale Entdeckung machen. Und die Dunkelheit dem Licht weicht. Für Kinder ab 5 Jahren empathisch Krieg erklärt. Empfehlung!

Weiter zur Rezension:   Als der Krieg nach Rondo kam von Romana Romanyschyn, Andrij Lessiw


Was ist Krieg? von Eduard Altarriba

Der erste Satz: 

Vati, wie lösen Soldaten, die sich gegenseitig umbringen, die Probleme der Welt

Dies Sachbilderbuch richtet sich an ältere Kinder. Das Thema Krieg beschäftigt uns derzeit sehr, da auch wir von den Auswirkungen betroffen sind. Aber was genau ist Krieg und wie erklären wir das Thema Kindern? Es gibt ja nicht DEN Krieg, denn es existieren verschiedene Arten, wie bewaffneter Krieg, kalter Krieg, landinterne Kriege durch Staatsstreich, Revolution, ein Bürgerkrieg. Am Anfang steht der Konflikt. Wer sind die Akteure und wie kann Krieg von außen beeinflusst werden (internationale Organisationen und Eingreiftruppen, NGO’s, Medien)? Krieg ist ein Geschäft. Wer sind die Militärmächte? Krieg in der Geschichte, Folgen des Kriegs und am Ende gibt es aktuelle Erklärungen zu laufenden Kriegen. Das Buch ist ein Rundumpaket auf alle wichtigen Fragen für Kinder ab 10 Jahren – Empfehlung!

Weiter zur Rezension:   Was ist Krieg? von Eduard Altarriba





Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur












Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Drainting: Die Kunst, malen und zeichnen zu verbinden von Felix Scheinberger

  Als Drainting bezeichnet Felix Scheinberger die intuitive Kombination von Malen und Zeichnen. Damit hebt er die jahrhundertealte heute vollkommen unnötige Trennung zwischen Flächen malen und Linien zeichnen auf und verbindet das Beste aus beiden Welten. Früher machten wir einen Unterschied zwischen Zeichnen und Malen und damit fingen die Schwierigkeiten an. Wo es nämlich gar keine Umrisslinien gibt, gilt es, diese abstrakt zu (er)finden. Die intuitive Kombination aus Zeichnen (Drawing) und Malen (Painting) garantiert gute Ergebnisse und unendlichen Spaß! Eine gute Einführung erklärt das Knowhow und Grundsätzliches zum Malen und Zeichnen – gute Ideen, die man selbst umsetzen kann. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Die Kunst, malen und zeichnen zu verbinden von Felix Scheinberger 

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Der Kaffeedieb von Tom Hillenbrand

  Gesprochen von Hans Jürgen Stockerl Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 12 Std. und 7 Min. Wir schreiben das Jahr 1683. Der junge Engländer Obediah Chalon, Spekulant, Händler und Filou, hat sich in London gerade mit der Investition von Nelken verspekuliert und eine Menge Leute um ihr Geld gebracht, das mit gefälschten Wechseln. Conrad de Grebber, Direktoriumsmitglied der Vereinigten Ostindischen Compagnie bietet Obediah  die Möglichkeit, der Todesstrafe zu entgehen: Er wird auf eine geheime Reise geschickt, um etwas zu stehlen: Kaffeepflanzen. Spannender Abenteuerroman rund um den Kaffee. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Der Kaffeedieb von Tom Hillenbrand

Rezension - Lügen, die wir uns erzählen von Anne Freytag

  Helene hätte ihren Mann, Georg, verlassen können – damals – für Alex. Aber sie hat es nicht getan. Und jetzt hat ihr Mann sie verlassen – weil er sich in eine andere verliebt hat. ‹Es ist einfach passiert.›, sagt er, zieht bei Mariam ein. Aber vielleicht ist das Ende gar kein Ende? Vielleicht ist es ein Anfang für die Mittvierzigerin. Vielleicht ist sie gekränkt weil Georg einfach ging – eifersüchtig, eben auch, weil die Kinder diese junge Yogalehrerin mögen. Doch gleichzeitig ist sie jetzt frei – vielleicht für Alex, denn die beiden haben sich seit ihrer Studienzeit in Paris nie aus den Augen verloren. Eine verdammt gut geschriebene Familiengeschichte. Empfehlung!  Weiter zur Rezension:     Lügen, die wir uns erzählen von Anne Freytag

Rezension - So weit der Fluss uns trägt von Shelley Read

  Am Fuße der Elk Mountains in Colorados strömt der Gunnison River an einer alten Pfirsichfarm vorbei. Hier lebt in fünfter Generation in den 1940ern die 17-jährige Victoria mit ihrem Vater, dem Onkel und ihrem Bruder Seth. In der Stadt begegnet sie Wilson Moon, und beide fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Dramatische Ereignisse zwingen Victoria, selbst das Leben in die Hand zu nehmen. Ein wenig schwülstig, doch gut lesbar, atmosphärisch, ein Familienroman, ein Coming-of-age – gute Unterhaltung … eine Hollywood-Geschichte. Die Pilcher-Fraktion wird begeistert sein!  Weiter zur Rezension:    So weit der Fluss uns trägt von Shelley Read

Rezension - Lindis und der verschwundene Honigtopf von Viola Eigenbrodt

Bendix, der Häuptling des Keltendorfs Taigh, ist außer sich: Jemand hat seinen Honigtopf gestohlen! Lindis, der Ziehsohn der Dorfdruidin Kundra und dessen Freunde Finn und Veda wollen der Sache auf den Grund gehen. War der Dieb hinter der wertvollen Amphore her oder hinter deren speziellem Inhalt? War es einer der fahrenden Händler? Und dann ist auch noch die kleine Tochter der Sklavin verschwunden! Unter dem Vorwand, fischen gehen zu wollen, machen sich die drei Jugendlichen heimlich auf die Suche nach den Händlern und kommen dabei einem Geheimnis auf die Spur … Weiter zur Rezension:    Lindis und der verschwundene Honigtopf von Viola Eigenbrodt 

Helisee - Der Ruf der Feenkönigin von Andreas Sommer

  Im 10. Jahrhundert gehört der westliche Teil der heutigen Schweiz zum Königreich Birgunt, erzählt uns diese Geschichte. Es ist eine wilde Gegend voller Wälder und Sümpfe, wo viele Menschen noch im Glauben an die alten Götter und Geister leben. Die Mauren greifen das Land an. Die Königin Bertha schützt das Land tapfer gegen räuberische Einfälle der mediterranen Mauren. Als der Hirtenjunge Ernestus, den die Leute im Dorf Erni nennen, einer ausgerissenen Ziege in den Wald folgt, überschreitet er unabsichtlich die Grenze des verrufenen Landstriches Nuithônia, dem Land der Feen. Seit Menschengedenken ist es verboten, dieses Gebiet am Fuß der Alpen zu betreten. Und er findet dort einen besonderen weißen Kiesel … Ein epischer Roman der High Fantasy, ein wenig Schweizer Sagenwelt, gut zu lesen. Weiter zur Rezension:    Der Ruf der Feenkönigin von Andreas Sommer

Rezension - Der Gott des Waldes von Liz Moore

Im August 1975 findet wie jedes Jahr ein Sommercamp in den Adirondack Mountains für Kinder und Jugendliche statt. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje liegt, beginnt eine großangelegte Suche nach der 13-Jährigen. Barbara ist keine gewöhnliche Teilnehmerin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Viele Jahre zuvor verschwand hier der achtjährige Bear, ihr Bruder, der seit 14 Jahren vermisst wird. Hängen die Vermisstenfälle zusammen? Liz Moore zeigt mit ihrem literarischen Krimi ein Gesellschaftsbild, bei dem Frauen nichts zu sagen haben. Spannender Gesellschaftsroman, ein komplexer Kriminalroman. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Der Gott des Waldes von Liz Moore