Direkt zum Hauptbereich

Wölfe, wahre Geschichten von Michal Figura, Aleksandra und Daniel Mizielinski - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Wölfe, wahre Geschichten 


von Michal Figura, Aleksandra und Daniel Mizielinski


Der Wolf ein Mythos aus Märchen und anderer Literatur. Böse Wölfe, menschenfressende Wölfe, der graue Isegrim. Was ist dran? Nichts – wenn man sich biologisch mit dem Wolf beschäftigt. Wölfe haben sich längst wieder in Europas Wäldern etabliert, halten das natürliche Gleichgewicht der Natur. Kein Grauer – das Fell des europäischen Wolfs ist sandfarben. Und er ist menschenscheu, schlägt um den Menschen einen großen Bogen. Schon gar nicht greift er ihn an. Dieser Sachcomic schildert acht reale Begegnungen mit einzelnen Wölfen und Wolfsrudeln aus den vergangenen Jahren. Das Kinderbuch entstand in Zusammenarbeit von Aleksandra und Daniel Mizielinski und mit dem polnischen Wolfsexperten Michal Figura.




Zunächst erfahren wir grundsätzlich etwas zum Wolf. Wie unterscheidet man Wolfsspuren von Hundespuren? Wie wächst ein Wolf auf? Wie ist ein Rudel organisiert, wie groß ist sein Revier und warum wandern Wölfe über weite Strecken? Wie spürt man sie auf, was sagt Forschern ihr Kot und wie legen sie Ihnen ein GPS-Halsband an? Was ist eine Fotofalle? Wie wertet man DNA- und Kotproben aus und wozu? 



Und dann geht es zu den Geschichten. Luna ist eine Handvoll Welpe, als sie von Wanderern für einen Hund gehalten und mitgenommen wurde. Es wird erklärt, warum die Forscher Luna nicht im Gehege aufziehen wollten, sondern hofften, ihre Familie würde sie finden und wieder aufnehmen. Harte Arbeit: Luna wird am «Wolfsweg» im Gebüsch verborgen und gefüttert. Jeden Tag. Doch die Familie holt sie nicht zurück. Was nun? – Die Geschichte von Jung, der aus Schlingfallen befreit wurde, oder Kampinos, den ein Auto angefahren hatte. Sie werden betäubt und ärztlich versorgt – und nun ergibt sich die Möglichkeit, ihnen ein Halsband anzulegen, um per GPS-Tracker ihre Wege zu verfolgen. Ein erschossener Wolf wird zum Kriminalfall! Es ist verboten, Wölfe zu erschießen. Nur wer war es? Ein Durchschuss – in akribischer Suche wird die Kugel gefunden, die Art des Gewehrs analysiert. Alle Personen, die auf solch eine Waffe registriert sind, müssen sie abgeben. Nun folgt die ballistische Prüfung und der Mörder kann überführt werden. 



Spannende Wolfsgeschichten, intensive Arbeit von ehrenamtlichen Wolfsschützer:innen, Biologen, Wolfsforschung – wie gewinnt man diese Erkenntnisse? Und das alles in Comicform! Wir lernen viel über die Verhaltensweisen der Wölfe, ihre Wege und Rudelverhalten, wie sie ihre Territorien markieren und beschützen. Die Zählungen zur Wolfspopulation sind meist falsch. Warum? Jedes Panel dieses Buches ist nach realen Wildkameraaufnahmen und anderen Fotos entstanden, nichts ist erfunden. Aleksandra und Daniel Mizielinska haben in naturrealistischen Stil gezeichnet und es gibt einige Grafiken und Karten, die die das Wissen untermauern. Eine wundervolle Aufklärung zum Thema Wolf, vor dem bis heute die Menschen in Angst leben. Nein, der Wolf ist weder böse noch ein gefährlicher Isegrim. Acht reale Begegnungen mit einzelnen Wölfen und Wolfsrudeln aus den letzten Jahren beantworten alle relevanten Fragen zu Wölfen. Der Comic wurde mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. erstellt. Vielen Dank! Ein Comic für kleine Naturbegeisterte, zur Verhaltensforschung von Wölfen, aber nicht nur für Kinder. Der Moritz Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 8 Jahren. Das passt.



Michal Figura ist Naturforscher und Mitglied des Vorstands der polnischen Association for Nature »Wilk« (»Wolf«). In seiner Magisterarbeit beschäftigte er sich mit Möglichkeiten zur Lösung von Krisen zwischen Menschen und Wölfen.

Aleksandra Mizielinska, geb. Machowiak, gründete schon während ihres Grafikdesignstudiums mit Daniel Mizielinski, beide 1982 geboren, das Hipopotam Studio, in dem sie sich mit Buchgestaltung, Webdesign und Typographie beschäftigen. Sie lebt mit ihrer Familie in Warschau (Polen).

Daniel Mizielinski gründete mit Aleksandra Mizielinka, beide 1982 geboren, schon während ihres Grafikdesignstudiums das Hipopotam Studio, in dem sie sich mit Buchgestaltung, Webdesign und Typographie beschäftigen. Er lebt mit seiner Familie in Warschau (Polen).



Michal Figura, Aleksandra Mizielinska, Daniel Mizielinski
Wölfe, wahre Geschichten
Aus dem Polnischen übersetzt von Thomas Weiler und Marlena Breuer
Hardcover, 268 Seiten, 25,6 cm x 20,9 cm
Sachkinderbuch, Sachbilderbuch, Comic, Natur, Tiere, Wölfe, Kinder- und Jugendliteratur, Polnische Literatur
Moritz Verlag, 2023
Altersempfehlung: ab 8 Jahren





Kinder- und Jugendbücher zum Thema Natur

Die Natur fasziniert uns jeden Tag auf Neue. Es gibt so viel zu lernen. Pflanzen, Tiere, Landschaften. Viele Orte, Pflanzen oder Tiere werden wir nie kennenlernen. Aber zum Glück gibt es Bücher, die uns die Schönheiten und Besonderheiten unserer Welt erklären und zeigen. Hier meine Tipps zu Kinder- und Jugendbüchern, die sich mit der Natur beschäftigen:   Kinder- und Jugendbücher zum Thema Natur




Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Young Agents: Operation «Boss» von Andreas Schlüter

Offiziell gibt es sie gar nicht. Jeder Insider würde ihre Existenz leugnen. Und doch leben sie unter uns: Die Young Agents, europäische, jugendliche Geheimagenten, ausgebildet an einer EU-Agentenschule, fast unsichtbar, denn wer achtet schon auf Kinder? Sie sind im Alter zwischen 11 und 14 Jahren, leben bei ihren Familien und gehen ganz normal zur Schule. Der zwölfjährige Billy, ein Agent aus Deutschland, ist der Icherzähler dieser Geschichte. Gleich am Anfang erklärt er, man soll sich das nicht so vorstellen wie bei 007, James Bond, denn wir befinden uns ja in der Realität. Aber genau das ist es letztendlich! Ein Plotaufbau nach James Bond, eine Heldenreise in drei Akten, beginnend mit einem nervenzerreißenden Intro, in dem der Agent hoher Gefahr ausgesetzt wird – sehr spannend geschrieben  – und mit Action pur geht es weiter, Seite für Seite. Ein Pagemaker zum Entspannen für Jugendliche ab 11 Jahren. Mir fehlte ein wenig Ruhe und Atmosphäre. Wer auf American-Hero-Storys steht...

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Wunderwelt der Insekten von Ross Piper und Carim Nahaboo

70 besondere Arten, brillant illustriert Nach einer kurzen Einführung zu Insekten im Allgemeinen und der Liebe des Autors zu den Tieren, geht es gleich los. Das Buch ist in vier Kapitel geteilt: Farbenfroh – Großartig – Mustergültig – Formvollendet. Dieses Buch stellt 70 der schillerndsten, außergewöhnlichsten und manchmal auch beunruhigendsten Insekten der Welt vor. In diesem reich bebilderten Sachbuch werden die bemerkenswerten Anpassungen der Insekten vorgestellt, ihre verborgenen Welten und wie sie auf überraschende Weise das menschliche Leben beeinflussen. Klasse Illustrationen und ein sehr interessantes Sachbuch. Empfehlung! Weiter zur Rezension:     Wunderwelt der Insekten von Ross Piper und Carim Nahaboo  

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Der beste Zufall der Welt von Rafik Schami und Annette Swoboda

  Emilia lernt im Supermarkt Samia aus Syrien kennen, die an einer Erdnussschokolade schnuppert. Ihre Lieblingsschokolade, die ihre Mutter ihr jedoch nicht kaufen kann, weil sie nicht genug Geld hat. Emilia ist betroffen, besucht Samia, bringt eine Schokolade mit. Die beiden haben viel gemeinsam: Sie lieben Malen und Tanzen, sind neugierig auf das Leben der anderen, und sie sind sofort zur Stelle, wenn jemand Hilfe braucht. So werden sie Freundinnen, eine Dritte kommt dazu. Ein Kinderbuch ab 5 Jahren über Freundschaft und Solidarität. Empfehlung!  Weiter zur Rezension:    Der beste Zufall der Welt von Rafik Schami und Annette Swoboda

Rezension - Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

  Gesprochen von Marc-Uwe Kling Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 6 Std. und 27 Min. Die Känguru-Werke, Band 5  Neues vom Känguru! Der Kinderbuchautor (Kleinkünstler Richtung Comedy im Zweitberuf ;-) ), Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren: bissig, politisch und brandaktuell. Scharfzüngiger Humor, pointierte Gesellschaftskritik und jede Menge Lacher mit dem Aufruf zur Rebellion. Scharf auf die aktuelle Politik geschaut und analysiert – Comedy mit Niveau und mit Haltung. Empfehlung! Weiter zum Verlag:    Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling 

Rezension - Der Fluch des Hasen von Bora Chung

  Bora Chungs «Der Fluch des Hasen» entzieht sich jeder literarischen Schublade und verwischt die Grenzen zwischen den Genres, ob magischer Realismus, literarischer Horror, Phantastik oder Speculative Fiction. Diese Kurzgeschichten sind klasse! Skurrile, unheimliche, intelligente Geschichten, die uns mit Gänsehaut überziehen. Die Titelgeschichte fand ich genial! Ein einfacher geliebter Haushaltsgegenstand ist mit einem Fluch belegt und bringt nun Unglück in eine Familie. Oder eine heftige Mensch-Android-Liebesgeschichte.  Oder «Narben», ein düsteres, gemeines Märchen. Klasse! Weiter zur Rezension:    Der Fluch des Hasen von Bora Chung 

Rezension - Die Reise der Wale: Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten von Leigh Calvez

  Leigh Calvez erforscht als Wissenschaftlerin seit vielen Jahren das Leben der Wale. Hier erzählt sie sehr persönlich von ihren Begegnungen mit den Giganten der Tiefsee, darunter familiäre Orcas, weit wandernde Buckelwale oder uralte, tief tauchende Blauwale, die größten Tiere des Planeten.  Nebenbei erfährt man in diesem Buch viel über das Leben und Verhalten von sechs Walarten: Orcas, Buckelwale, Pottwale, Blauwale, Grauwale und Blainville-Schnabelwal, bzw. den Kleinen Schwertwal. Weiter zur Rezension:    Die Reise der Wale: Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten von Leigh Calvez 

Rezension - Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

  Die Politiker reden im Fernsehen über die faulen Armen, während Sonjas Ehemann als Leiharbeiter am Bau seinen Rücken verschleißt. Sie verkauft im Bio-Laden teure Tees. Und trotzdem reicht es mit zwei Kindern am Ende des Monats vorn und hinten nicht. Als sie dann ihre Arbeit verliert, weil sie unbezahlten Urlaub nimmt, um im Krankenhaus bei ihrem Sohn zu sein, bricht alles zusammen. Bald hat sie eine neue Arbeit: Mit dem Profil einer schönen, jungen Studentin soll sie nichtsahnende Männern auf einer Datingplattform lange in der Leitung halten. Weiter zur Rezension:    Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

Rezension - Verwandlung von Lara Swiontek

  Nach der Novelle von Mary Shelley Was fällt einem zu Mary Shelley ein? Wahrscheinlich «Frankenstein» oder vielleicht noch «Der moderne Prometheus». Die Verwandlung – Kafka, na klar. Aber auch Mary Shelley hat sich mit diesem Thema befasst: Verwandlung. Lara Swionteks hat diese Geschichte als Graphic Novel umgesetzt, eine Literaturadaption. Sie ist schnell erzählt: Reicher, gewissenloser Sohn verschleudert sein Erbe, stößt alle Menschen an den Kopf, die noch zu ihm halten und landet bildlich in der Gosse – hier ist es das Meer. Ein Schiff zerschellt vor seinen Augen – nur ein Zwerg mit einem Schatz überlebt und macht ihm ein Angebot ... Weiter zur Rezension:    Verwandlung von Lara Swiontek