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Guten Morgen - Gute Nacht von Johanna Schaible - Rezension

Rezension
von Sabine Ibing




Guten Morgen - Gute Nacht von Johanna Schaible

Die Reise von Sonne und Mond – 24 Stunden, die alle Menschen verbinden. Ein Wendebuch mit atmosphärischer Gestaltung. Eine Geschichte über das, was uns alle auf der Welt verbindet – die Dämmerung am Morgen die am Abend; die Veränderung des Lebens im Tageszyklus. Dieses Bilderbuch zeigt uns, was in 24 Stunden überall auf der Welt passiert: Die Sonne geht auf, ein neuer Tag beginnt, und wir stehen auf. Am Abend beginnt es zu dämmern und wir bereiten uns für die Nacht vor.




Woher kommst du? Wohin gehst du, wenn der Himmel dunkel wird und der Mond aufgeht? Wovon träumst du, bis der Morgen dämmert? In diesem Wendebuch verfolgen wir die Reise der Sonne von ihrem Aufgang bis zu ihrem Untergang, und erleben die Wanderung des Mondes über den Nachthimmel. Johanna Schaible braucht nicht viele Worte, um durch die Welt zu schweifen. Es ist ein stilles Bilderbuch, eines, das nicht erklärt und nicht erzählt, was wir sehen sollen, es lässt uns spüren. Es lässt ins auf die Welt blicken, als würden wir uns in Szenen von ganz weit weg hineinzoomen, gibt den Weg für eigene Gedanken und Gefühle frei.




Der Mond, geht über einer nüchternen Landschaft auf. «Der Mond scheint, der Himmel wird dunkel», ein Satz, der alles sagt. Auf der Gefühlsebene fährt der Körper herunter beim Anschauen der Bilder – das Kinderbuch strahlt unendliche Ruhe aus. Auf jeder Seite nur ein kurzer Satz, manchmal kaum mehr als eine Feststellung. Den eigentlichen Raum nehmen die Illustrationen ein. Wir reisen durch die Dämmerung und die Nacht einmal um die Welt. Rinder traben gemächlich ins Dorf zurück. Zwei Kinder spielen im sanften Licht einer Lampe miteinander. In der Nacht fühlen wir uns zu Hause wohl. Doch während die einen längst angekommen sind, sind andere noch unterwegs. Menschen gehen aus, andere arbeiten in der Nacht. Zur gleichen Zeit leben Menschen, Tiere, an sehr unterschiedlichen Orten, gehen nach Hause, arbeiten, spielen, sind unterwegs oder schlafen. Im Morgengrauen streifen Kinder durch eine Wiese – wo gehen sie hin? Rushhour in der City, der Tag beginnt. Kinder spielen im Schnee, Ziegen suchen den Schatten unter einem Baum – Gegensätze.




Gerade diese Gleichzeitigkeit macht den Reiz des Buches aus. Während es für uns Abend wird, geschieht an einem anderen Ort etwas vollkommen anderes – wo es kalt ist, ist es woanders sehr heiß. Atmosphärisch zeigt die Autorin verschiedene Szenen auf der Welt, Menschen, Tiere oder schlicht eine Landschaft. Bild für Bild fügt sich der Blick auf die Erde, bis schließlich Nordlichter über den Himmel ziehen und Eisbären in ihrem Schein stehen. Besonders intensiv erfasst Johanna Schaible die Dämmerung, die den Tag mit der Nacht verbindet. Nicht den hellen Tag und nicht die vollkommen dunkle Nacht, sondern jene Momente, in denen das Licht sich verändert. Die Zeichnungen wirken meditativ. Man kann das Buch schnell durchblättern – doch im Verweilen liegt hier die Kraft; schauen und die Gedanken schweifen lassen. Durch die reduzierten Bilder werden die Kinder aufgefordert, die Geschichten dahinter zu erzählen. Gerade deshalb funktioniert für mich das Buch ab etwa drei Jahren, bis hoch ins Grundschulalter. Die Kinder müssen keiner komplizierten Handlung folgen, der Text überfordert sie nicht. Ein Satz, ein Bild, ein Gedanke. Dort wo der Text reduziert, konzentriert das Bild, spielt mit Licht, Landschaft und wenigen Figuren, dichter Atmosphäre, lässt Platz für die eigene Fantasie. Ein Buch zum Schauen, Erzählen und gemeinsamen Weiterdenken. Der Hanser Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 4 Jahren; passt für mich – ab drei Jahren möglich. Ein Bilderbuch, das ganz nebenbei das Bewusstsein für die Vielfältigkeit der Welt erweitert und auf jeden Fall die sprachliche Ausdruckskraft der Kinder erweitert.




Johanna Schaible, 1984 in der Schweiz geboren, studierte Design & Kunst an der Kunsthochschule in Luzern. Seit ihrem Abschluss mit dem Bachelor of Arts 2013 arbeitet sie als Künstlerin und Illustratorin in Bern. Ihre Werke, die sich an der Schnittstelle von Illustration, Kunst und Design bewegen, wurden vielfach ausgestellt. Johanna Schaible war künstlerische Leiterin von Kidswest, einem offenen Kunstatelier, das Kinder und Jugendliche in die Welt der Kunst und Kultur einführt und ihr künstlerisches Experimentieren fördert. Schaibles Bilderbuchdebüt Es war einmal und wird noch lange sein (Hanser 2021) war der Sieger der dPictus-Präsentation, die 2019 auf der Frankfurter Buchmesse 350 unveröffentlichte Bilderbuch-Projekte ausstellte. Für ihr Buch wurde Johanna Schaible auch mit dem Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis 2022 ausgezeichnet. Es war ebenfalls für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 nominiert.



Johanna Schaible 
Guten Morgen - Gute Nacht
Bilderbuch, Tag und Nacht
Hardcover, 56 Seiten
Hanser Verlag
Altersempfehlung: ab 4 Jahren






Es war einmal und wird noch lange sein von Johanna Schaible

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Johanna Schaibles versucht mit diesem außergewöhnlichen Bilderbuch Zeit direkt begreifbar zu machen. Eine Reise durch die Zeit. Alles beginnt mit dem Anfang der Erde, jede Doppelseite rückt ein Stück nach vorn, wird ein Stück kleiner. Es geht weniger um Geschichtliches, es ist ein philosophischer Ansatz. Je weiter wir zur Mitte kommen, umso enger werden die Zeitfenster: vor einem Jahr, einem Monat, einer Woche, gestern, vor einer Minute. In der Mitte darf man sich etwas wünschen. Denn nun geht es vorwärts. Ein Buch zum Nachdenken und Reden, das immer wieder neu funktioniert. Gestalterisch ist dies eine hochinteressante Form des Papierzuschnitts, Seiten die bis zur Mitte kleiner werden – das Jetzt, das Ich, in der Mitte, ganz klein in der Dimension der Zeit. Ab 5 Jahren, Empfehlung!

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Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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