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Fiona – Das Leben und das Sterben von Harry Bingham - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Fiona  – Das Leben und das Sterben


von Harry Bingham

Sprecher: Sabina GodecUngekürztes Hörbuch, Spieldauer: 15 Std. und 59 Min.


Der Anfang: ›Kommen Sie rein.« Mit einer wagen Geste heißt Penry mich willkommen. Er kriegt seine Hände nur ungefähr zwanzig Zentimeter auseinander, als trüge er immer noch Handschellen.

Die Fiona-Reihe hatte ich mit Band 3 begonnen, mit 5 weitergemacht und nun endlich Teil 2 nachgeholt. Aber natürlich ist jeder Band in sich abgeschlossen, kann einzeln gelesen werden. Fiona arbeitet bei der britischen Polizei in Cardiff als Ermittlerin. Ein Kindheitstrauma hat ihr das Cotard-Syndrom verpasst, eine psychische Erkrankung, bei der sich die Betroffenen meinen, sie seien tot. Sie wurde mit zwei Jahren adoptiert und sie kennt ihre Eltern nicht, glaubt aber, dass ihr Ziehvater, ein Strippenzieher der Unterwelt, mehr weiß, als er zugibt. Auch in den folgenden Bänden versucht sie immer wieder, etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Fiona ist eine Soziopathin, lässt gern bei den Ermittlungen Fünfe gerade sein, bedient sich unerlaubter Mittel. Offiziell geht sie strikt nach Vorschrift vor, ist gut eingepasst ins Ermittlungsteam. Sie wird von »leichte Wahnvorstellungen« verfolgt, »redet« mit ihren Toten, präsent stehen sie vor ihr, weiß, das die Fiction ist, fühlt sich wohl dabei. Sie hat den Rang des Detective Constable, macht aber ihre Vorgesetzte, Rhiannon Watkins, mit ihren intelligenten Gedankenkombinationen auf sich aufmerksam.

Zwei Fälle, die zusammenhängen könnten

Bei einer Haushaltsauflösung werden in der Kühltruhe Leichenteile einer Frau gefunden, die seit 5 Jahren vermisst wird. Die tote Studentin arbeitete als Stripperin in einer Bar. Fiona stochert im Lebenslauf der Frau herum und findet heraus, dass sie plötzlich aus ihrem Umfeld verschwand, mit einem Uniprofessor liiert war, einem Fachmann für Werkstoffkunde, der auch ermordet aufgefunden wird. Dieser Mann war in einem Zweitjob im illegalen Waffengeschäft tätig.

Es ist Freitag. Ein untypischer Oktober für Wales. Hohe Wolken jagen von Westen her über den Himmel. Viel Sonne. Das letzte Aufbäumen des Sommers, auch wenn bereits das Laub von den Bäumen fällt. Ich sitze neben einem gewissen Police Constable Adrian Condon in einem Streifenwagen. Wir haben gerade fünf Stunden damit vergeudet, in Rumney von Haus zu Haus zu gehen und nach Zeugen einer Straßenschlägerei zu suchen, bei der eine unschuldige Passantin und zwei Männer verletzt wurden.

Fiona akribisch, systematisch

Man glaubt es nicht, aber Fiona ist eine gute Teamplayerin, auch wenn sie hin und wieder eigene Wege geht und sich in Gefahr begibt. Sehr genau wird Polizeiarbeit dargestellt, das unendliche Sammeln von Fakten – Papiere sind auszuwerten, Kontoauszüge, Telefonverbindungen usw. Hier geht Fiona akribisch, systematisch vor, findet Querverbindungen. Genau das gefällt mir, realitätsnahe Polizeiarbeit, mit allen Grenzen, die das Recht stellt. Und die weiß Fiona clever zu umgehen … sie bedient sich gern anonymer Anrufe – kein Durchsuchungsbescheid in Sicht? – Anonymer Anruf bei der örtlichen Polizei, eine Anzeige wegen erfundener Dinge erstatten – die setzt sich in Bewegung und siehe da …

Ein Schlag schwarzer Humor darf nicht fehlen

Fiona ist nüchtern, kann nicht viel mit Gefühlen anfangen, aber manchmal übermannt es sie. Eine fein gezeichnete Protagonistin, eine schräge Persönlichkeit, die aus der Ichform berichtet und so tiefen Einblick in ihr Innerstes vermittelt. Ein Schlag schwarzer Humor darf nicht fehlen, bei einer solchen Figur. Harry Bingham schafft Atmosphäre, zieht mit einen Sog in die Story, absolute Spannung und Entspannung wechseln sich ab, großes Kopfkino in jeder Situation.


Harry Bingham ist gebürtiger Londoner. Er studierte in Oxford Politik und Wirtschaft, beschäftigte
sich danach mit dem ökonomischen Wiederaufbau Osteuropas und brach schließlich eine Karriere bei der Bank J.P. Morgan ab, um Bücher zu schreiben. Seine Thriller um die einzigartige Fiona Griffiths aus Cardiff erregten international Begeisterung und wurden in Großbritannien Vorlage einer Fernsehserie.


Weitere Bände bisher:

Fiona. Den Toten verpflichtet1. Teil
Fiona – Als ich tot war von Harry Bigham, 3. Teil
Fiona. Unten im Dunkeln4. Teil
Wo die Toten leben von Harry Bingham5. Teil

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