Direkt zum Hauptbereich

Einsame Nacht von Charlotte Link - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Einsame Nacht 


von Charlotte Link

Kate Linville 4
Gesprochen von Claudia Michelsen
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 17 Std. und 12 Min.


Das ist für mich einer der besten Krimis von Charlotte Link! Als Anna Carter spät abends ins Auto einsteigt, sieht sie, wie eine andere Frau bedrängt wird – ein Mann zu ihr ins Auto steigt. Sie gibt Lichtzeichen: Ich habe das gesehen, werde dir folgen! Und sie fährt ihr hinterher. Wer war der Mann? Ein Unbekannter, der die Frau belästigt, ein Beziehungsstreit – oder hatte sie das Verhalten der beiden völlig falsch interpretiert, haben sie nur herumgealbert? Plötzlich ist der Wagen verschwunden. Soll sie die Polizei benachrichtigen? Man wird sie für hysterisch halten. Sie begibt sich auf die Heimfahrt. Auf der Landstraße von North York Moors fällt ihr plötzlich das Auto wieder auf – es steht auf einem Feldweg, alles ist dunkel. Was soll sie tun? Sich auslachen lassen  – oder wenn dort wirklich etwas passiert ist, würde sie sich selbst in Gefahr begeben ... Mit der Polizei möchte sie ebenfalls nichts zu tun haben.


Wie hängt das alles zusammen?

Am nächsten Morgen finden Spaziergänger auf dem zugeschneiten Feldweg eine ermordete Frau in ihrem Auto. Kate Linville beginnt mit ihren Ermittlungen und merkwürdigerweise wird eine DNA-Spur gefunden, die zu einem lang zurückliegenden Fall passt, der nie aufgeklärt wurde. Damals wurde ein Jugendlicher in der elterlichen Wohnung sehr übel zusammengeschlagen, und ihm wurde Säure eingeflößt – er liegt bis heute im Koma. Wie stehen diese Fälle im Zusammenhang und wer ist dieser Täter?


Ein Singel-Kochkurs zur Partnersuche

Mit Pamela Graybourne erhält Kate eine neue Chefin in Scarborough, denn Caleb Hale hat den Polizeidienst verlassen. Wird die ehrgeizige Frau sich mit Kate verstehen? Weihnachten steht vor der Tür. Die graue Maus Kate Linville sucht noch immer nach einer Beziehung. Schweren Herzens hatte sie sich von der Vorstellung verabschiedet, dass Caleb der Richtige sei. Der Herzensbrecher schwirrt durch die Damenwelt, ist nicht fähig, eine Beziehung einzugehen. Wie soll man jemanden kennenlernen, wenn man nie ausgeht? Kate meldet sich zu einem Kochkurs in einer Partnervermittlung an – erst im Januar gibt es eine Möglichkeit. Doch dann erhält sie einen Anruf. Durch einen tragischen Tod einer Teilnehmerin wurde ein Platz frei – sie darf sofort einsteigen. Wie gut, dass sie ihren Beruf auf dem Personalbogen falsch angegeben hatte, denn so kann sie sozusagen undercover etwas mehr über ihren aktuellen Mordfall erfahren.


Wendungsreich, spannend, komplex!

Das Trauma des Alleinseins in vielen Formen ist Thema dieses Krimis. Aber auch die Schuld, die jemand zu tragen hat, weil er aus Angst den Mund hielt, andere nicht von ihrem Tun abhielt, die Unfähigkeit, sich gegen starke, dominante Personen aufzulehnen. Ein weites Thema beschäftigt sich mit Ausgrenzung und Mobbing. Sogenannte Fettys, die nirgendwo mitmachen dürfen, weil man sie nicht dabeihaben will, verspottet, weil sie körperlich zu vielen Dingen nicht in der Lage sind. Wut, die sich durch Ausgrenzung entwickelt, die sich zu purem Hass steigert. Diverse Stränge in einem hochkomplexen Plot werden spannungsreich zusammengeführt, ohne dass die Lesenden / Hörenden je den Faden verlieren. Hochachtung! Wendungsreich mit starken Charakteren und einem überraschenden Ende hält Charlotte Link durchgehend die Spannung. Melancholie und Einsamkeit in düsteren Dezembertagen durchzieht atmosphärisch den literarischen Kriminalroman. Charlotte Link in Höchstform – Empfehlung!


Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Kriminalromane sind internationale Bestseller, auch »Die Suche« und zuletzt »Ohne Schuld« eroberten wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 33 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.



Charlotte Link
Einsame Nacht
Kate Linville 4
Gesprochen von Claudia Michelsen
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 17 Std. und 12 Min.
Krimi, Kriminalroman, Whodunnit, Polizeikrimi, Kriminalliteratur, Literarischer Krimi
Random House Audio, Audible, 2022
Blanvalet, Hardcover mit Schutzumschlag, 592 Seiten, 2022



Der Verehrer von Charlotte Link

Als in einem Waldstück die Leiche einer kürzlich ermordeten Frau gefunden wird, stehen die Polizei und die Angehörigen vor einem Rätsel. Sie hatte sich vor sechs Jahren nach Südamerika aufgemacht, sich nie wieder gemeldet. Der zweite Strang handelt von Leona, deren Leben mit einem Ruck aus der Bahn geworfen wird. Zuerst fällt ihr eine Frau vor die Füße, Eva, die aus dem Fenster gesprungen ist, was Leona schwer zu schaffen macht und gleichzeitig verlässt ihr Ehemann das Haus, zieht zu einer anderen. An der attraktiven Leona finden gleich zwei Männer aus dem Umfeld von Eva Gefallen, was der seelisch angeschlagenen Frau guttut. Ein ruhiger, spannender Psychothriller.

Weiter zur Rezension:   Der Verehrer von Charlotte Link


Ohne Schuld von Charlotte Link

Detective Seargant Kate Linville freut sich auf ihren neuen Job bei der Polizei in ihrer Heimatstadt Scarborough, insbesondere auf Zusammenarbeit mit Chief Inspector Caleb Hale, für den sie ihren Job in London bei Scotland Yard gekündigt hatte. Zuvor will sie ein Wellness-Wochende genießen, das ihre alten Kollegen ihr geschenkt hatten. Der Anfang steht unter keinem guten Stern. Im Zug rettet sie eine Frau, die ein Unbekannter versucht hatte zu erschießen. Die aus Russland stammende Frau hat keine Idee, wer sie umbringen will und warum. Ein empfehlenswerter Krimi mit Tiefgang!

Weiter zur Rezension:   Ohne Schuld von Charlotte Link


Die Suche von Charlotte Link

Als Fan von Charlotte Link mit diesem Krimi enttäuscht. Sie ist akribisch detailliert. Sie geht in die Tiefe von Familien, von Personen, das mag ich an ihrem Schreibstil. Man kann es aber auch auf die Spitze treiben mit Wiederholungen und Ausbreitungen. Hier war es mir persönlich zuviel.


Weiter zur Rezension:  Die Suche von Charlotte Link




Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
Krinis und Thriller

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Doppeltes Spiel von K.L. Slater

  Ein luxuriöser Wolkenkratzer mit dem Namen Orbit, in dem die Reichsten der Reichen zusammenkommen: hier arbeitet die attraktive Alicia als Kellnerin. Als der charismatische Eigentümer des Orbit ihr das Angebot macht seine Freundin zu spielen und dafür ein großzügiges Gehalt zu erhalten, in seinem riesigen Apartment im Orbit zu wohnen, nimmt sie an. Immerhin ist es nur ein Spiel, denn er braucht eine Begleitung, will sich vor den vielen Frauen schützen … bis das Spiel plötzlich mehr zu sein scheint. Langweilig, uninteressant, voller Klischees, sprachlich kraftlos – mehr muss ich nicht sagen.  Weiter zur Rezension:   Doppeltes Spiel von K.L. Slater 

Rezension - Königin der Nacht – Ein kurzes Buch über meine Mutter von Lukas Bärfuss

Nach «Vaters  Kiste» hat Lukas Bärfuss nun in einem autobiografischen Essay mit dem Leben seiner Mutter abgerechnet. «Eine Mutter ist, was man nicht loswird. Auch nicht mit dem Tod.» 1971 in Thun geboren, die Mutter wohnt eher allein mit ihrem Sohn, bzw. mit vielen Männern. Lukas Bärfuss wächst im Rotlichtmilleu auf; seine Mutter war eine Frau ohne Bildung, die von ihrem Freiheitsverlangen getrieben wurde, in das der Sohn nicht hineinpasste. Tagsüber reinigte sie in einem Autohaus die Wagen, die aus der Reparatur kamen, am Abend stand sie an einer Rotlicht-Bar. Als sie älter war, arbeitete sie als Putzfrau und in einer Wäscherei. Der Junge war nie gewollt, so wurde er auch behandelt – als Rabenmutter titulierte sie sich sogar selbst. Eine Mutter, die ihn hat sitzen lassen in seiner Kindheit und ein System, das dieses Kind hängenließ. Ein wundervolles Buch, schnörkellos geschrieben, das sehr zu Herzen geht. Weiter zur Rezension:    Königin der Nacht – Ein kurzes Buch ...

Rezension - Lázár von Nelio Biedermann

  «Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.», so wird von ihm geschrieben. Nelio Biedermann schreibt mit 20 Jahren sein erstes Buch und das Manuskript geht in die Versteigerung – die Verlage überbieten sich, es wird in 20 Sprachen verkauft, man redet über ein sechsstelliges Vorschusshonorar – über den neuen Thomas Mann . Uff. Ich war gespannt. Mich konnte der Familienroman nicht überzeugen – leider. Weiter zur Rezension:    Lázár von Nelio Biedermann

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Stell dir vor, du wächst auf in einer Welt voller Smartphones , Likes und endlosem Scrollen, als wäre das Handy an der Hand festgewachsen. Das Handy ist das Erste, was du morgens, und das Letzte, was du abends anschaust – ganz schön viel für ein Kind, oder? «Generation Glücklich» richtet sich an Kinder zwischen 9 und 12 Jahren, die genau in dieser Welt ihren eigenen Platz finden wollen – ohne sich dabei virtuell selbst zu verlieren. Medienkompetenz , Selbstsicherheit, Selbstständigkeit im Umgang mit Medien – Fallstricke kennenlernen, Mechanismen auf Social Media verstehen an Hand von Comics und Übungen. Zu verstehen, wie Social Media funktioniert und wie sie das Gehirn verändert . Empfehlung!  Weiter zur Rezension:     Generation Glücklich: Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme von Jonathan Haidt und Catherine Price

Recherche - Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton

  Die 12-jährige Bo Delafort ist eine «Schlammschwalbe» – Menschen die an der Themse leben, arbeiten als Schlammsucher, sie graben im Schlamm nach kleinen Schätzen und Angeschwemmtem, was man verwerten kann. Als Bo eine schimmernde Münze im Schlamm des Flusses findet, meint sie, der Fluss würde mit ihr sprechen. «Du wirst nicht verlieren …» raunt er ihr zu. Aber was bedeuten die Worte? Eine insgesamt spannende Fantasy ab 12 Jahren mit Tiefgang. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton

Rezension - Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

  Gesprochen von Marc-Uwe Kling Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 6 Std. und 27 Min. Die Känguru-Werke, Band 5  Neues vom Känguru! Der Kinderbuchautor (Kleinkünstler Richtung Comedy im Zweitberuf ;-) ), Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren: bissig, politisch und brandaktuell. Scharfzüngiger Humor, pointierte Gesellschaftskritik und jede Menge Lacher mit dem Aufruf zur Rebellion. Scharf auf die aktuelle Politik geschaut und analysiert – Comedy mit Niveau und mit Haltung. Empfehlung! Weiter zum Verlag:    Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling 

Rezension - Und dann gab’s keines mehr von Agatha Christie, Pascal Davoz und Callixte

Agatha Christie Classics Der Klassiker schlechthin! Der meistverkaufte Krimi von Agatha Christie als Grafic Novel . Zehn Menschen werden von einer Familie, die sie nicht kennen, aus unterschiedlichen Gründen auf eine kleine abgelegene Insel eingeladen. Entweder sollen sie dort arbeiten oder sich vergnügen. Einige von ihnen lernt der Lesende bereits auf der Anfahrt kennen. Acht Menschen treffen vergnügt im Hafen aufeinander, sechs Männer, zwei Frauen. Auf der Insel empfängt sie ein Dienerpärchen, von dem sie erfahren, der Gastgeber wird erst erst am nächsten Tag eintreffen. Doch gleich zum Begrüßungscocktail wird ihnen offenbart, wozu sie angereist sind: Alle Anwesenden werden sterben! Klasse umgesetzt als Comicadaption, Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Und dann gab’s keines mehr von Agatha Christie, Pascal Davoz und Callixte 

Rezension - Simone von Nikolaus Heidelbach

  Wally und ihre Mutter gehen zum Babyschwimmen und lernen Simone kennen. Man findet sich sympathisch, und so wird das Flusspferd als Babysitter engagiert, wird die engste Vertraute von Wally. Bevor das Mädchen in die Schule kommt, keinen Babysitter mehr benötigt, begeben sich die beiden auf eine letzte abenteuerliche Flussreise . Sie erleben Wasserfälle , wilde Picknicks und ein fröhliches Schlammbad mit Simones Familie. Ein liebevoll, atmosphärisches Bilderbuch ab 4 Jahren, Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Simone von Nikolaus Heidelbach

Rezension - Meine Geschichten von Mutter und Tochter von Katharina Greve

  Woran ich zuerst bei der ersten Geschichte denken musste, war « Vater und Sohn » von Erich Ohser , der Comicstrip-Klassiker   – und richtig, Mutter und Tochter lesen eins dieser Bücher, amüsieren sich köstlich. Kleine witzige Alltagsgeschichten als Comic, Bilder ganz ohne Worte. Das Geld ist knapp und ein Restaurantbesuch ein Fest. Blöd, wenn der arrogante Kellner einen dann beharrlich ignoriert. Mutter und Tochter geben nicht klein bei, sondern lassen sich kurzerhand von einem Boten Pizzen ins Restaurant liefern. Der Abend ist gerettet – und der Kellner ziemlich sauer. Eine alleinerziehende Mutter hat es nicht leicht, weil sie nicht viel Geld hat. Aber dieses Team hat trotzdem viel Spaß, dank Kreativität – und mit ihnen der Lesende. Ich hatte jedenfalls genauso viel Freude wie damals bei den Jungs. Der Comic ist Allage – aber bereits ab 12 Jahren sich ein Vergnügen! Weiter zur Rezension:    Meine Geschichten von Mutter und Tochter von Katharina Greve