Rezension
von Sabine Ibing
Anna und das Leuchten der Wale
von Yarrow Townsend
Es war, als wäre das Meer selbst lebendig geworden. Aus dem aufgewühlten Wasser stieg glitzernde Gischt auf und griff gierig nach dem Schiff. Dunkle Vögel stürzten wie riesige Hagelkörner auf die Wasseroberfläche hinunter, und silbrige Fische sprangen in verzweifelter Flucht in alle Richtungen. Gleich darauf tauchte aus dem Wasser eine dunkle Wölbung auf und raste auf das Schiff zu.
Anna lebt auf der abgelegenen Windrose-Island im Einklang mit der Natur mit ihrem Ziehvater Caleb, betreut die Vögel. Als Leute vom Festland in einer Höhle Fässer verstecken, ist Anna Zeugin. Gleich darauf kommt der skrupellose Bartholomew Rime, verhaftet Caleb wegen Schmuggelns dieser Fässer. Das stinkt gewaltig! Was haben sie wirklich vor? Anna will Calebs Unschuld zu beweisen. Die Wahrheit könnte an Bord der Albatross liegen, einem versunkenden Walfänger – doch nur Caleb weiß, wo er liegt. Mit ihrer Freundin Mina wagt sich Anna auf eine gefährliche Seereise, um das verlorene Schiff zu finden.
‹Nur weil er auf dieser Liste steht, muss das noch lange nicht heißen, dass er tatsächlich auf dem Schiff war. Caleb würde niemals an Bord eines Walfängers gehen. Er weiß, dass es nicht richtig ist, Wale zu töten.› doch noch während sie es sagte, dachte Anna, dass es vieles gab, was sie über Caleb und sein früheres Leben nicht wusste.
Bartholomew Rime und seine Männer haben es auf das wertvolle grüne Walöl abgesehen. Und was hat Mina wirklich vor? Anna beschützt auf ihrer kleinen Insel die Vögel und studiert sie. Umweltschutz steht im Mittelpunkt, Tierschutz und die Kritik an Ausbeutung von Ressourcen. Gut und Böse sind ohne Zwischentöne klar erkennbar. Das Buch hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen hat. Lange war mir nicht klar, wohin die Sache hinlaufen mag. Es dauert lange, bis die Geschichte wirklich Fahrt aufnimmt, nämlich fast am Ende. Wer eine Walgeschichte erwartet, wird ebenso enttäuscht werden. Wale kommen nur ganz kurz und unbedeutend vor. Da wedelt auch ziemlich heftig der pädagogische Zeigefinger. Stark ist das Kinderbuch an den Stellen, wo es die Natur beschreibt, für das Naturalwriting hat Yarrow Townsend wirklich Talent. Den Kinderroman kann man gut lesen, aber überzeugt hat er mich nicht. Der Thienemann Verlag gibt für diesen Kinderroman eine Altersempfehlung ab 10 Jahren. Das passt für mich.
Yarrow Townsend verbrachte die meiste Zeit ihrer Kindheit im Wald. 2009 ging sie nach Oxford, um Englische und Französische Literatur zu studieren. Nach dem Studium wurde sie Englischlehrerin. Heute lebt sie auf einem Boot und reist durch die Kanäle Englands. Nach Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen ist dies ihr zweiter Kinderroman.
Anna und das Leuchten der Wale
Originaltitel: A Ship in the Dark
Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Cornelia Panzacchi
Kinderbuch, Kinderroman, Umweltschutz, Tierschutz, Ausbeutung von Ressourcen, Kinder- Und Jugendliteratur
Hardcover, 288 Seiten
Thienemann Verlag, 2025
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Kinder- und Jugendliteratur
Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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