Direkt zum Hauptbereich

Silberregen glitzert nicht von Christine Werner - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Silberregen glitzert nicht 


von Christine Werner


Achtung, aufgepasst! Wir kommen jetzt zur großen Preisfrage! Zum ultimativen Hauptgewinn von einer Million Euro! Ein Trommelwirbel saust durch unser Wohnzimmer.


Emely liebt Quizshows und ganz besonders liebt sie es, sich diese gemeinsam mit ihrer Mutter anzuschauen. Doch die kommt in letzter Zeit nicht mehr aus dem Bett heraus. Emely kann sie nicht mal wecken, so tief schläft sie. Darum muss sie ihren kleinen Geschwistern das Frühstück machen, sie anziehen und Lukas in den Kindergarten und Hannah in die Krippe bringen – dann muss sie auch noch selbst pünktlich in der Schule sein. Kommt sie nachmittags heim, schläft die Mutter noch immer. Das bedeutet, Emely muss die Kleinen abholen, sich um sie kümmern. Nur selten kann die Mutter sich aufraffen. Meist am Wochenende, wenn der Vater nach Hause kommt, der in der Woche beruflich weit entfernt ist, erst am Freitag spät zurück ist.


Völlige Überforderung


Help, I need somebody!


Die Kinder, der Haushalt, alles hängt an Emely – sie ist völlig überfordert mit ihren 12 Jahren. Ihre schulischen Leistungen leiden darunter. Wie kann Emely das alles vor den Nachbarn, Lehrern und ihrem besten Freund Mathis verheimlichen? Denn mit jemanden darüber reden – das wäre doch Verrat!? Mathis ist ein guter Freund, er ahnt, dass irgendetwas nicht stimmt und er hilft Emely ein paar Mal in der Schule aus der Patsche, ohne sie zu bedrängen. Dem Mädchen bleibt keine Zeit mehr für sich, sie schafft es nicht mal mehr in den Skaterpark. 


Habe ich gerade drei Minuten gesagt? Okay! Ich nehme Hannah, setze sie auf den Boden, drücke ihr zum Spielen ihr Badewannen-Krokodil in die Hand, laufe in die Küche. ‹Lukas, komm Zähneputzen!› Er rutscht vom Stuhl und will unter den Tisch krabbeln. Ich schnappe ihn, bringe ihn ins Bad. Vor dem Waschbecken hampelt er herum und erzählt mir was von seinem Flitzer.


Drogenabhängige Eltern

Christine Werner greift das Thema Tablettensucht von Eltern einfühlsam und realistisch aus der Sicht des Kindes auf. Das Wort wird nie erwähnt, lediglich leere Tablettenverpackungen, die herumliegen. Emely weiß nicht, was mit Mama los ist. Sie liebt ihre Mutter, die sich auch bemüht aufzustehen. Meistens klappt es aber nicht und die Versprechen, einen Ausflug, eine Shoppingtour zu machen, kann sie nicht einhalten.


Was nicht sein darf, muss versteckt werden


Du bist nicht allein!


Doch das Mädchen ahnt, was hier los ist. Irgendwann ist ihr alles zu viel – gut, dass Mathis nicht locker lässt und einen Rat weiß! Ein wichtiges Thema, denn Tablettensucht ist ein verbreitetes Feld – und nicht nur diese Sucht! Die Autorin beschreibt einfühlsam die Überforderung des Kindes; aber auch das Wegsehen der Erwachsenen. Denn es wird deutlich, dass der Vater etwas weiß – der sich gut entziehen kann, weil er in der Woche abwesend ist. Das unausgesprochene Geheimnis der Familie. Auch die Nachbarin, die Hilfestellung bei der Betreuung der Jüngsten anbietet, ahnt etwas. Auch sie spricht es nicht an. Die Erwachsenen versagen aus Scham, ein Tabuthema offen anzusprechen. Ein Jugendbuch, dass ein wichtiges Thema aufgreift, eine Hilfestellung bietet. Das Buch eignet sich gut als Schullektüre zum Thema Sucht. Hier bietet der Verlag unterstützend Unterrichtsmaterial an. Der mixversion Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 11 Jahren an. Das passt für mich in Bezug zum Alter von Emely und auch in der Schreibweise, die auf ein jüngeres Publikum der Jugendliteratur angelegt ist. Ein empatischer Jugendroman zum Thema! Empfehlung!


Was ist eine Million wert?

A: die Antwort auf die Biologie-Frage

B: die Entdeckung von Quizanien

C: Mama, die tanzt


Christine Werner arbeitet seit 25 Jahren als freie Autorin und Journalistin für den ARD-Hörfunk, schreibt und produziert überwiegend Reportagen, vor allem zu gesellschaftspolitischen und sozialen Themen. Dafür ist sie viel unterwegs. Sie übernachtet dann am liebsten bei Freunden, lebt auf Zeit in anderen Familien und lässt sich davon inspirieren. Wenn sie nicht unterwegs ist, lebt sie in Köln. «Blitzeinschlag im TerriTorium» ist ihr Jugendbuchdebüt.



Christine Werner
Silberregen glitzert nicht
Jugendbuch, Jugendroman, Sucht, Tablettensucht, Unterrichtsmaterial
Klappenbroschur, 208 Seiten
mixversion Verlag, 2023
Altersempfehlung: ab 11 Jahren






Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - In ihrem Haus von Yael van den Wouden

  Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Isabel allein in dem großen, von der Zeit gezeichneten Familienhaus auf dem Land, ihre beiden Brüder wohnen in der Stadt. Die Tage ziehen ruhig und geordnet dahin. Isabel lebt mit ihren Erinnerungen, ihren Möbeln und Haushaltsgegenständen, mit denen sie redet, die sie ständig durchzählt, in Angst, das Dienstmädchen könnte einen Löffel stehlen. Doch als ihr Bruder Louis seine Freundin Eva bei ihr einquartiert, geraten Isabels stille Routinen ins Wanken, und das Haus, das Stabilität gibt, wird zum Schauplatz unheimlicher Veränderungen, die bis zum Holocaust zurückgehen, zur Sharia . Ein wundervoll subtiler Roman, der zu Recht auf dem Internationalen Booker-Preis stand. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   In ihrem Haus von Yael van den Wouden

Rezension - Balaclava von Campbell Jefferys

  Mara, eine Polizistin aus Berlin ist jeden Tag mit Gewalt konfrontiert. Die meisten ihrer Kollegen sind diszipliniert, korrekt. Aber es gibt auch gewaltbereite Typen mit rechten Sprüchen, die sich feindlich gegenüber Ausländern und Frauen verhalten. Mara stammt allerdings aus Hamburg und so liegt es nahe, dass man sie undercover nach Hamburg sendet, damit sie sich unter die linken Gruppen mischt, herauszufinden, wer bei einer Demo den einen Polizisten ermordet hat. Mara hat das Video gesehen – der Polizist sackt zusammen, neben ihm ein junger Mann, dessen Gesicht mit einer Balaclava verdeckt ist. Mara hat ihn erkannt! Diese Augen gehören ihrem Bruder! Und der würde niemanden umbringen. Ein Thriller mit Potential, allerdings zu aufgeblasen, zu viele handwerkliche Fehler. Weiter zur Rezension:     Balaclava von Campbell Jefferys

Rezension - Lázár von Nelio Biedermann

  «Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeiten.», so wird von ihm geschrieben. Nelio Biedermann schreibt mit 20 Jahren sein erstes Buch und das Manuskript geht in die Versteigerung – die Verlage überbieten sich, es wird in 20 Sprachen verkauft, man redet über ein sechsstelliges Vorschusshonorar – über den neuen Thomas Mann . Uff. Ich war gespannt. Mich konnte der Familienroman nicht überzeugen – leider. Weiter zur Rezension:    Lázár von Nelio Biedermann

Rezension - Cascadia von Julia Phillips

  Gesprochen von Pegah Ferydoni Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer 7 Std. und 38 Min. Auf einer Insel vor der Küste des Bundesstaates Washington im äußersten Nordwesten der USA lebt Sam mit ihrer Schwester Elena und der schwerkranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Sam arbeitet auf der Fähre, die die wohlhabenden Urlauber zu ihren Feriendomizilen bringt, während Elena im Golfclub kellnert. Das meiste Geld geht für die medizinische Versorgung der Mutter drauf. Sie beide träumen von einem besseren Leben, davon, woanders neu anzufangen. Dann, eines Morgens erblickt Sam einen Braunbären direkt vor ihrer Haustür. Zwei Schwestern, die immer zusammengehalten haben, driften völlig auseinander. Die eine bleibt in den Kinderträumen verwachsen, die andere stellt sich der Realität. Weiter zur Rezension:   Cascadia von Julia Phillips 

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Rezension - Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford

  Knobelalarm für clevere Kids Wo ist Walter? Die kultigen Wimmelbuch-Bücher kennt wahrscheinlich jeder. Mit Walter auf hoher See! Ein Mitmachbuch für Kinder ab 8 Jahren mit vielen Rätseln, Suchbildern und Stickern. Klar, auch hier muss man Walter suchen , doch dies hier ist ein kunterbuntes Beschäftigungsbuch für unterwegs, am Strand oder für die Ferien mit Rätseln, Malen, Suchen: Mit Walter gibt es keine Langeweile, und dazu  gibt es mehr als 100 knallbunte Stickern für noch mehr Rätselspaß. Weiter zur Rezension:     Wo ist Walter? Ab ins Wasser von Martin Handford 

Rezension - Streng geheim: Spione, Agenten, Geheimnisse von Soledad Romero Mariño und Julio Antonio Blasco

  Die unglaublichsten Spionagegeschichten der Welt. Vom alten Rom über England zur Zeit der Tudors bis ins 20. Jahrhundert hinein hat sich die Kunst der Spionage enorm weiterentwickelt. Eines aber blieb immer gleich: Der grenzenlose Erfindergeist der Menschen, auf immer neuen Wegen an streng geheime Informationen zu gelangen. Philipp II von Spanien, Herrscher über ein Weltreich, investierte viel Geld für sein dichtes Spionagenetz, entwickelte eine ausgeklügeltes Chiffriersystem und das effizienteste Postsystem. Katharina von Medici bildete Spioninnen aus, um ihre Feinde zu kontrollieren. Der kleinste Spion war nur 58 cm groß. Doppelspion:innen, ausgeklügelte Systeme … ein spannendes Sachbilderbuch  ab 10 Jahren! Weiter zur Rezension:   Streng geheim: Spione, Agenten, Geheimnisse von Soledad Romero Mariño und Julio Antonio Blasco

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...