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Mut tut gut von Ulrike Marten-Öchsner und Emma Öchsner - Rezension

Rezension
von Sabine Ibing




Mut tut gut von Ulrike Marten-Öchsner und Emma Öchsner  

Habe ich ein Bilderbuch in der Hand, fange ich sogleich an zu blättern, um die Illustrationen aufzusaugen. Der erste Eindruck – denn ein Bilderbuch lebt von seinen Bildern. Und dies hier, ist das Erste seit Jahren, das mich völlig enttäuscht hat. Aber von vorn. Die kleine Maus Anton besucht die Großeltern. Während sie gemeinsam auf der Terrasse sitzen, pustet der Wind die Waldzeitung vom Tisch. Anton springt auf, ist dabei, die Seiten wieder einzufangen, liefert den Zuschauern am Gartenzaun ein belustigendes Schauspiel. 




Anton muss sich einiges anhören: Warum man hinter ein paar Papierblättern nur herlaufen kann … der Hase hält sich den Bauch vor Lachen … jemand ruft: «Oh, wie peinlich!» – Anton interessiert sich nicht dafür und ist am Ende stolz, alle Blätter wieder eingesammelt zu haben. Von Opa gibt es Lob, für den Mut, weiterzumachen, obwohl die anderen lachen. Jetzt kann man sich fragen, ob es wirklich jemanden schert, wenn jemand Zeitungsblättern hinterherläuft und ihn dafür auslacht. Die Message ist gut. Doch das Beispiel halte ich für etwas verunglückt. Hier hätte ich mir etwas inhaltlich Profundes vorgestellt, eine innere Einstellung oder etwas, für das man sich stark macht, oder dass man etwas Ungewöhnliches macht, trägt – eben etwas Bedeutsames. Die Sätze sind viel zu lang für Bilderbuchkinder. Inhaltlich und von der Textlänge passt das Buch auf ab 4 - 5-Jährige. Aber auch dafür sind die Sätze erheblich zu lang, 17, 19 Wörter, gar 34 Wörter in einem Satz! Was die Fettschrift von einigen Wörtern im Text zu bedeuten hat, habe ich auch nicht verstanden. Auf dem Cover finden wir oben die Angabe: Für Selberleser. Was bitte sind Selberleser? Erstleser, die eigenständig lesen können? Doch wohl ein Witz? 




Kommen wir zu den Illustrationen von Emma Öchsner. Sie wirken kalt und ungelenk. Warum? Das liegt zunächst an der Farbauswahl von kalten Farben und an der Leblosigkeit. Recht kahle Seiten, deren Hintergrund zart hellblau ist, unten grüne Wiese: Hier gibt es nichts zu entdecken. Das computeranimierte Kinderbuch ist ohne Schwung in der Zeichnung entstanden, selbst die wenigen Gräser gehen statisch gestrichelt nach oben. Die Figuren sind unproportional gezeichnet, und ihnen fehlt es an jeglicher Bewegung. Die Gesichtszüge der Figuren sind holzschnittartig, zeigen keine Emotion, Anton hat in jeder Zeichnung das gleiche undefinierbare Grinsen. Die Gesichter von Oma und Opa sind austauschbar, Opa hängt stets die Brille auf der Nasenspitze. Das Haus der Großeltern auf den ersten Seiten ist windschief mit völlig schiefem Fenster, Insekten stimmen im Größenverhältnis nicht zu Mäusen, sind mikroskopisch klein, z.B. landet ein kleiner Schmetterling auf den Tatzen des Mäuschens. Fazit: Hier stimmt rein gar nichts. Die Geschichte ist lau, die Zeichnungen sind ungelenk-statisch, die Farbauswahl schreckt ab und die Illustrationen sind kraftlos und leer. Ich habe mir dann den Verlag angesehen, sehr klein, ein paar Kinderbücher im Programm, Ergotherapeuten produzieren Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung und die Begleitung von Kindern und Familien. Sicherlich gut gemeint, besser aber wäre,man ließe Profis ans Werk. Tut mir leid, keine Empfehlung.





Emma Öchsner ist 1999 in Unterfranken geboren und arbeitet als freiberufliche Ergotherapeutin. Ihre Begeisterung für Bücher, kreative Projekte, besondere Herausforderungen und den Norden münden im Nord Kind Verlag. Als Singer/Songwriter Emma Marten veröffentlichte sie seit 2020 drei Musikalben.

Ulrike Marten-Öchsner ist 1970 als Nord-Kind in Mecklenburg-Vorpommern geboren und lebt seit 1991 in Unterfranken. Gemeinsam mit ihrem Mann Rüdiger hat sie fünf erwachsene Kinder und in ihrem Arbeitsalltag begleitet sie Kinder und deren Familien ganzheitlich. In ihrer ergotherapeutischen Praxis geht es um Themen wie Bewegung, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Verhalten und Sozialkompetenz. Die Auswahl der Bücher ist geprägt durch Ulis Wissen und ihre Erfahrung um die alltäglichen Themen und Herausforderungen in den Familien. Mit dem NordKindVerlag verbindet Uli ihre Leidenschaften: Bücher, Persönlichkeitsentwicklung und die Begleitung von Kindern und Familien. 





Ulrike Marten-Öchsner, Emma Öchsner 
Mut tut gut 
Bilderbuch, Kinderbuch, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 40 Seiten
NordKindVerlag; 2024
Altersempfehlung: ‎ab 4 Jahren







Bilderbücher bis 5 Jahre






Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendlitera


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