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Lola von Melissa Scrivner Love - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Lola 


von Melissa Scrivner Love


Der erste Satz: Lola steht am Rand des verdorrten Rasenvierecks ihres und Garcias Garten.

Garcia, Anführer der »The Crenshaw Six«, einer Gang, im South Central von Los Angeles bekommt während eines Grillfests im Garten Besuch vom Kartell, der gefürchtete El Coleccionista taucht mit seinen Jungs auf. Na ja, eigentlich ist ja der Boss die kleine, zierliche  Lola Vasquezden, Garcias Lebenspartnerin, doch in dieser »Mucho-macho-Welt« kommen Frauen in der Öffentlichkeit nur als Mütter, Köchinnen, nägellackierende Hausfrauen vor. Frauen haben nichts zu melden, nach außen, sie bekommen Kinder, werden verprügelt, meist irgendwann samt Kindern für eine Jüngere sitzengelassen. In diesem Viertel gibt es eine Menge Drogensüchtige. Mütter verkaufen ihre kleinen Kinder an Freier – eine davon war Lola – von ihrer süchtigen Mutter verkauft, bis sie abhaute. Eine andere ist fünfjährige Luzie, die Lola bei sich aufnimmt, damit das Mädchen ihrem Schicksal entrinnt. Zurück zum Kartell, das der »The Crenshaw Six« einen Deal vorschlägt: Großdealer Darrel King, bedient sich anscheinend eines neuen Käufers. Das kann das Kartell nicht zulassen. Ein Tippgeber hatte dem Kartell Zeitpunkt und Übergabeort für die erste Lieferung verraten. Lolas Gang soll die Drogen, sowie auch die zwei Millionen Dollar klauen, erhalten 10 Prozent von beidem und hinterher erweiterte Drogengeschäfte. Geht die Sache schief, wird Lola getötet. - Die Sache geht schief, weder Drogen noch Geld können eingesammelt werden. Irgendwer spielt ein falsches Spiel.

Sie will endlich als das auftreten, was sie ist – Lola Vasquez, die kommende Ghetto-Queen.

Der Thriller hat den Edgar Award erhalten – ich frage mich allerdings wofür, für mich ein Roman mit Mittelmaß. Es ist eine gute Milieustudie, das ist sehr gut herausgearbeitet: dreckige, arme Viertel, Gewalt, Drogen, Armut, eine Welt ohne Zukunft. Das Leben in einem Latinoviertel ist gut beschrieben, hat mir sehr gefallen. Das ist für mich gut gelungen und hier hat das Buch seine absoluten atmosphärischen Stärken. Den Figuren allerdings bin ich nicht nahegekommen, weil sie einerseits so geschrieben sind, dass sie den Leser nicht an sich heranlassen – weder hasst man, noch liebt man sie – mir waren sie alle ziemlich egal. Und andererseits werden sie von der Autorin in eine bestimmte Richtung geschrieben – z. B. die Lola mit Herz und Hirn – andererseits stehen ihre Handlungen dem völlig entgegen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, umso unglaubwürdiger wurden mir Handlung und Protagonisten. Die meisten handelnden Personen sind ziemlich dumme Chicas und Chicos, Frauen wie Männer, Lola empfand ich als die Einäugige unter den Blinden. Besonders spannend empfand ich den Roman nicht und der Schreibstil war eher so lala für mich. Spannung kam unter anderem nicht auf –  die Geschichte ist personal aus Lolas Sicht geschrieben – weil Lola bei jeder kleinsten Handlung Nebengedanken führt: Erinnerungen in die Vergangenheit, was passiert wenn, Zukunftsgedanken … dieses ständig längere Abschweifen katapultiert den Leser mehrere Male aus einer Szene heraus. Und dann ist man raus. Das zieht sich durch das ganze Buch. Der Leser bekommt so mehr Informationen über die Figuren, Background, das Viertel – aber die Szene ist kaputt. Starke Frauen sollen hier anscheinend das Thema sein, es gibt noch ein paar andere außer Lola, die sich durchsetzen. Stark empfand ich keine von ihnen. Allesamt sind sie korrupt, geldgierig, brutal, kriminell, machthungrig und charakterlos, eben nicht auf die charmante Gangsterart. Sie sind ein Abziehbild ihrer Männer, nur dass sie nicht den ganzen Tag lang damit angeben, wie großartig sie sind. Wenn das stark ist, habe ich eine falsche Vorstellung davon. Vergleiche  ich diesen Roman mit der Serie um die Gangsterin Crissa Stone von Wallace Stroby vergleiche, dann rollt dieser Roman um Stufen herab. Man kann den Thriller lesen, ohne Frage, er hat
ein paar Stärken  – man hat aber für meinen Geschmack aber nichts verpasst, wenn man dran vorbeigeht.

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