Direkt zum Hauptbereich

Loki - Wie man als schlechter Gott ein guter Mensch wird (oder auch nicht) von Louie Stowell - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing






Loki - Wie man als schlechter Gott ein guter Mensch wird (oder auch nicht) 


von Louie Stowell



Nordische Mythologie trifft auf irdisches Schulleben: das Tagebuch eines elfjährigen Gottes. Aber von vorn: Weil er mal wieder Mist gebaut hat, wird Loki, der listenreiche und überaus wandlungsfähige Halbgott von Odin auf die Erde verbannt. Loki verletzt und verspottet gern die Götter, sät Zwietracht. Als Elfjähriger soll er nun zur Strafe die Schule besuchen und ohne die Hilfe seiner göttlichen Kräfte Benehmen lernen. Erst wenn er sich Anerkennung verdient hat, darf er ins Haus der Asen zu den anderen Göttern zurückzukehren. Nichts einfacher als das, denkt Loki. Doch das Leben unter Sterblichen ist kein Zuckerschlecken. Angefangen mit dem miesen Essen, besserwisserischen Geschwistern, die auf die Nerven fallen (Thor bekommt den Auftrag, ihn als Bruder in der Schule zu überwachen), den strengen Eltern, Wächtergott Heimdall und Riesin Hyrrokkin, die ihn doch glatt um neun Uhr abends ins Bett schicken! 





Ich bin kein Feigling, aber ich gebe freimütig zu, dass mir ewige Verdammnis und Schlangengift doch ein wenig Angst machen.
Berichtigt das Buch: Du BIST ein Feigling. Du bist von Dutzenden Schlachtfeldern gestürmt und hast gebrüllt: ‹Bitte tut mir nichts! Nicht ins Gesicht hauen!›


Loki werden Aufgaben gestellt. Er hat ein magisches Tagebuch zu führen, in welches Loki jeden Tag seine Erlebnisse und seinen Tagesablauf festhält, um so zu beweisen, dass er sich bessert. Lügt er, wird er in die Hölle verbannt, wo ihn in aller Ewigkeit die Schlangen beißen werden. Der der kleine Lügenbold soll lernen, ehrlich zu sein. Nichts einfacher als das! Für jeden Fortschritt erhält er Tugend-Punkte. Hat er die geforderte Anzahl erreicht, ist seine Mission beendet. Das magische Tagebuch kann falsche Darstellungen und Wahrnehmungen entziffern und verbessert den Text auf Richtigkeit und es verteilt am Ende des Tages die Punkte. Loki fängt mit einem Minus-Score an. Die sind leicht ausgebügelt! So meint er jedenfalls. Loki, ein gefühlloser, gewissenloser Soziopath, muss sich zusammenreißen. Er darf nicht lügen, soll sich fürsorglich und tugendhaft benehmen. Die Wahrheit sagen! Auf die Frage von Mitmenschen ehrlich antworten, nichts einfacher als das! … was allerdings nicht unbedingt gut ankommt und Punktabzug bedeutet. Was denn nun? Er soll doch immer die Wahrheit sagen! 





Der Comic erinnert an Gregs Tagebuch – nur es kommt nicht an die Serie heran. Loki kennt sich mit der Erde nicht aus, muss sich moderne Technik aneignen und irdische Gepflogenheiten, Benimmregeln kennenlernen. Somit macht er sich Gedanken, nimmt sich auch nicht immer die richtigen Vorbilder und patscht von einem Fettnäpfchen ins nächste. Gesellschaftskritik, na klar und dazwischen Pups-Witz und Blödsinn. Es gab ein paar lustige Szenen, Slapstick und anderes war für mich aufgewärmter Kaffee (die Punktevergabe z.B.), beim Lesen kam bei mir keine Spannung auf. Mir war das alles unbeständig, zu konstruiert und ohne Substanz mit flachen Charakteren. Kann aber gut sein, dass diese Graphic Novel bei Kindern gut ankommt. Die Schwarzweiß Grafiken von Ulf K. sind schlicht und witzig, passend zur Geschichte. Griechische Mythologie? Eigentlich nicht; schon gar nicht erklärend. Man muss sich auskennen, um die wenigen Zusammenhänge zu sehen. Der Hanser Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 9 Jahren – das passt für mich.



Louie Stowell, geboren 1978 in London, war Werbetexterin, PR-Agentin, Cartoonistin und Sachbuchautorin, bevor sie sich ganz der Belletristik widmete. Sie liebt Comics, Science-Fiction, Fantasy und alles, was lustig ist. Außerdem hat sie eine Schwäche für Wälder, Stadtfüchse und Mythologie. Zusammen mit ihrer Frau und Hund Buffy lebt sie in London. Loki - Wie man als schlechter Gott ein guter Mensch wird (oder auch nicht) (2023; Illustrationen: Ulf K.) ist ihr erstes Kinderbuch bei Hanser.

Ulf K., geboren 1969 in Oberhausen, studierte Kommunikationsdesign an der Universität in Essen. Neben Comics illustriert er auch erfolgreich Kinderbücher. 2004 wurde er als „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“ mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet. Nach Loki - Wie man als schlechter Gott ein guter Mensch wird (oder auch nicht) (2023) folgt im Herbst 2023 mit Loki - Warum man als schlechter Gott immer an allem schuld ist (oder auch nicht) der zweite Band der von ihm illustrierten Kinderbuch-Reihe von Louie Stowell. Ulf K. lebt mit seiner Familie in Düsseldorf.




Louie Stowell, Ulf K. 
Loki - Wie man als schlechter Gott ein guter Mensch wird (oder auch nicht)
Originaltitel : ‎ Loki: A Bad God’s Guide to Being Good
Übersetzt aus dem Englischen von André Mumot
Comic, Graphic Novel, nordische Götter, Mythen, Kinderbuch, Kindercomic
Hardcover, 208 Seiten, 15.3 x 21.5 cm
Hanser Verlag, 2023
Altersempfehlung: ab 9 Jahren






Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur










Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Der Fluch des Hasen von Bora Chung

  Bora Chungs «Der Fluch des Hasen» entzieht sich jeder literarischen Schublade und verwischt die Grenzen zwischen den Genres, ob magischer Realismus, literarischer Horror, Phantastik oder Speculative Fiction. Diese Kurzgeschichten sind klasse! Skurrile, unheimliche, intelligente Geschichten, die uns mit Gänsehaut überziehen. Die Titelgeschichte fand ich genial! Ein einfacher geliebter Haushaltsgegenstand ist mit einem Fluch belegt und bringt nun Unglück in eine Familie. Oder eine heftige Mensch-Android-Liebesgeschichte.  Oder «Narben», ein düsteres, gemeines Märchen. Klasse! Weiter zur Rezension:    Der Fluch des Hasen von Bora Chung 

Rezension - Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling

  Gesprochen von Marc-Uwe Kling Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 6 Std. und 27 Min. Die Känguru-Werke, Band 5  Neues vom Känguru! Der Kinderbuchautor (Kleinkünstler Richtung Comedy im Zweitberuf ;-) ), Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren: bissig, politisch und brandaktuell. Scharfzüngiger Humor, pointierte Gesellschaftskritik und jede Menge Lacher mit dem Aufruf zur Rebellion. Scharf auf die aktuelle Politik geschaut und analysiert – Comedy mit Niveau und mit Haltung. Empfehlung! Weiter zum Verlag:    Die Känguru-Rebellion von Marc-Uwe Kling 

Rezension - Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adria von Ines Cali

  Iva Markulin, Staatsanwältin in Zagreb , lässt sich in diesem Politkrimi nach Pula versetzen, als ihr Mann bei einem Attentat ums Leben kommt. Wem galt die Autobombe, die an ihrem Auto befestigt wurde? Ihm oder ihr? Mit ihrem kleinen Sohn Matteo zieht sie zu ihrem Großvater, der auf dem Familiengut Terra Rossa in Istrien Olivenöl produziert. Hier ruft sie eine Sonderkommission ins Leben, als deren Leiterin sie die Mörder ihres Mannes ausfindig machen will. Sie hat den Ruf der «Mafiajägerin», lernt schnell das Who is Who an Istriens Küsten kennen, denen es nicht passt, dass ihnen jemand auf die Finger schaut.  Spannender Wirtschaftskrimi , Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Commissaria Iva Markulin und die Schatten über der Adriavon Ines Cali

Rezension - Die Reise der Wale: Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten von Leigh Calvez

  Leigh Calvez erforscht als Wissenschaftlerin seit vielen Jahren das Leben der Wale. Hier erzählt sie sehr persönlich von ihren Begegnungen mit den Giganten der Tiefsee, darunter familiäre Orcas, weit wandernde Buckelwale oder uralte, tief tauchende Blauwale, die größten Tiere des Planeten.  Nebenbei erfährt man in diesem Buch viel über das Leben und Verhalten von sechs Walarten: Orcas, Buckelwale, Pottwale, Blauwale, Grauwale und Blainville-Schnabelwal, bzw. den Kleinen Schwertwal. Weiter zur Rezension:    Die Reise der Wale: Mein Leben mit den geheimnisvollen Meeresgiganten von Leigh Calvez 

Rezension - Unter Null Grad – Countdown im Eis von Ele Fountain

  Der Kinder- und Jugendroman entblättert sich als packendes Survivalabenteuer vor dem Hintergrund des Klimawandels in der Arktis. In einem Rutsch durchgelesen – ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen: Zunächst lernen wir abwechselnd Bee und Yutu kennen, deren Wege sich später kreuzen werden – ein Kampf ums Überleben beginnt, und der gegen die Männer, die Bee auf der Spur sind, sie gefangen nehmen wollen. Abenteuer in der Arktis und Freundschaft bis zum Limit. Hervorragender Kinder- und Jugendroman ab 10/11 Jahren und weit darüber hinaus. Weiter zur Rezension:   Unter Null Grad – Countdown im Eis von Ele Fountain

Rezension - Verwandlung von Lara Swiontek

  Nach der Novelle von Mary Shelley Was fällt einem zu Mary Shelley ein? Wahrscheinlich «Frankenstein» oder vielleicht noch «Der moderne Prometheus». Die Verwandlung – Kafka, na klar. Aber auch Mary Shelley hat sich mit diesem Thema befasst: Verwandlung. Lara Swionteks hat diese Geschichte als Graphic Novel umgesetzt, eine Literaturadaption. Sie ist schnell erzählt: Reicher, gewissenloser Sohn verschleudert sein Erbe, stößt alle Menschen an den Kopf, die noch zu ihm halten und landet bildlich in der Gosse – hier ist es das Meer. Ein Schiff zerschellt vor seinen Augen – nur ein Zwerg mit einem Schatz überlebt und macht ihm ein Angebot ... Weiter zur Rezension:    Verwandlung von Lara Swiontek

Rezension - Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

  Die Politiker reden im Fernsehen über die faulen Armen, während Sonjas Ehemann als Leiharbeiter am Bau seinen Rücken verschleißt. Sie verkauft im Bio-Laden teure Tees. Und trotzdem reicht es mit zwei Kindern am Ende des Monats vorn und hinten nicht. Als sie dann ihre Arbeit verliert, weil sie unbezahlten Urlaub nimmt, um im Krankenhaus bei ihrem Sohn zu sein, bricht alles zusammen. Bald hat sie eine neue Arbeit: Mit dem Profil einer schönen, jungen Studentin soll sie nichtsahnende Männern auf einer Datingplattform lange in der Leitung halten. Weiter zur Rezension:    Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl

Rezension - Marlas Bitcoin Abenteuer von Edwin Schotland

  Der Fall in den Kaninchenbau Was ist Bitcoin? So genau verstehen wir es ja selbst nicht. Also wie «das Geld aus dem Internet» Kindern erklären? Ist es stark wie ein Spinnennetz? Oder so schnell wie ein Gepard? Was ist dieses «Biencoin», fragt sich die Biene Marla, die ein Gespräch im Wald belauscht? Sie fragt verschiedene Tiere – doch die haben keine Ahnung, preisen nur ihre eigenen Stärken an. Zum Glück weiß Karl, das Kaninchen, dass es Bitcoin heißt und er erklärt Marla das digitale Zahlungsmittel. Bitcoin, Währungen, Kryptowährung, Blockchain, dieses Kindersachbuch erklärt das ganz gut – allerdings nur das Positive, keine Risiken. Es hinterfragt nichts – preist nur an; ist sozusagen eine Werbebotschaft. Bilderbuch ab 8 Jahren. Weiter zur Rezension:   Marlas Bitcoin Abenteuer

Rezension - Splendido. Aperitivo von Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall

  Die Kunst des guten Essens vor dem Essen Der Aperitivo gehört in Italien schon lange zur Alltagskultur, wie in der Schweiz der Apero, und auch hierzulande wächst der Trend, den frühen Abend mit Sarti Spritz und Negron zu feiern. Und welche regionalen Unterschiede gibt es zwischen Turin , Mailand , Venedig , Rom und Palermo ? Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall stellen die Aperitivi und Bitter vor, auch die  alkoholfreien Alternativen. Dann folgen die Rezepte zu den kleinen Köstlichkeiten, die zum Feierabendritual gehört. Wer Anregungen zum Mixen von Aperos sucht, Rezepte zu kleinen Appetithappen als Beilage, wird hier auf jeden Fall fündig! Weiter zur Rezension:    Splendido. Aperitivo von Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall