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Keine Zeit, der Garten ruft von Klaudia Blasl - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Keine Zeit, der Garten ruft 


von Klaudia Blasl 

Die verblüffendsten Erkenntnisse über zickige Rosen, schlagfertige Bohnen und mörderische Petersilie



Gegen Dürre und Maulwurfsgrillenplagen, gegen das dreiblättrige Fingerkraut, den echten Mehltau oder Frosteinbrüche im Mai, gegen Stickstoffmangel, Buchsbaumzünsler, Expansionsbestrebungen der Wilden Karden und nicht zuletzt gegen den eigenen inneren Schweinehund, der mir immer dann ins Bein biss, wenn ich den Kompost umschichten sollte. Wobei botanische Feindseligkeiten selbst dann nicht ausblieben, wenn man einen nützlingsfreundlichen Naturgarten besaß und niemals die Chemiekeule schwang. Irgendwo herrschte immer Krieg.

Klaudia Blasl Giftpflanzen-Expertin und Krimiautorin berichtet in diesem humorvollen Gartenbuch über ihre Abenteuer mit ihren grünen Mitbewohnerinnen. Wenn einer einen Garten anlegt, genügend Platz hat sich auszutoben und dabei sehr belesen ist und ganz schlau nach Plan vorgeht, der hat genug zu erzählen, was in der Realität alles schief gehen kann. Wir erfahren, welche Auswirkungen das Tulpenfieber hatte, ob Kopfsalat in Schockstarre verfallen kann, weshalb man die Rose als Königin der Blumen bezeichnet, was man unter dem Maiglöckchen-Phänomen versteht, wozu man in Klostergärten den tödlichen Schierling kultivierte, was Tomoffeln sind und welche Pflanze als erste biochemische Kampfwaffe gilt.


Pflanzen sind geschichtsträchtige Geschöpfe


Bilsenkraut besaß nämlich die für einen Säufer sehr unangenehme Nebenwirkung, die Schleimhäute auszutrocknen, weshalb man immer noch mehr trinken musste, um seinen ständig wachsenden Durst zu stillen. Ein Teufelskreis, der oft in der Hölle endete. Ibn Fadlan, ein Abgesandter des Kalifen von Bagdad, beschrieb diese exzessiven Bierorgien vor über tausend Jahren folgendermaßen: ‹Sie trinken dieses Bier Tag und Nacht bis zum Verblöden; oft geschieht es, daß einer stirbt, den Becher in der Hand.› Na Prost ... Erst das bayrische Reinheitsgebot 1516 beendete diese Giftmischereien und dadurch auch die Brauereikarriere des Bilsenkrauts, der seinerzeit beliebtesten Bierwürze Europas. Sogar die Stadt Pilsen soll ihren Namen diesem beliebten Zusatz verdanken. Den Weinliebhabern erging es kaum besser. Hatte der Rebsaft eine blässliche Farbe, besserte man mit Kermesbeeren nach, während süßer Honig vom toxischen Pontischen Rhododendron nicht nur die seinerzeit ausgeprägte Säure kaschierte, sondern auch für euphorische und erotisierende Zustände sorgte, nach denen man oft genug ins Gras oder zumindest ein Krankenbettlaken biss..

Wie gesagt, die Journalistin ist sehr belesen, entdeckt Kurioses zu ihren Pflanzen. Wer ihre witzigen Bücher über Giftpflanzen (111 Tödliche Pflanzen die man kennen muss ) aus dem heimischen Garten kennt, weiß, was ich meine. Klaudia Blasl plaudert über ihren Erfahrungsschatz und lässt ihr Fachwissen mit einfließen. Wir erfahren Nützliches und Kurioses über die verborgenen Geheimnisse der Gartenpflanzen: Warum reagieren verwöhnte Rosen so gereizt auf Veränderungen? Was haben die alteingesessenen Gartenblumen bloß gegen zugereiste Exoten? Gibt es ein Bündnis zwischen Hülsenfrüchten und Zwiebelpflanzen? Und wieso erweisen sich unscheinbare Küchenkräuter oft als echte Alleskönner? Nach zahlreichen Pannen und Konfrontationen mit aufmüpfigem Grünzeug sieht sie ihre Pflanzen in einem neuen Licht. Sie erkennt, dass Pflanzen mehr sind als die Summe aus Blättern, Blüten und Wurzelwerk. Pflanzen sind geschichtsträchtige Geschöpfe, fähig zu unglaublichen Leistungen und mit durchaus menschlichen Eigenschaften. Sie stellen Besitzansprüche, lieben und hassen, sind frigide oder nymphoman und begehren nicht selten auch mal auf. Kein Wunder, dass so ein Garten nur selten nach der Pfeife der Gärtnerin blüht. Humorvolles für Hobbygärtner, die sich hier sicherlich wiederfinden können, Wissenswertes über Gartenpflanzen. Empfehlung

Wenn die Gärtnerin schläft, sät der Teufel Unkraut.

Klaudia Blasl kocht gerne und gut, noch lieber befeuert sie allerdings ihre Giftküche. Das Ergebnis ihrer kriminell-kulinarischen Leidenschaft sind schaurig-spannende Kriminalromane, sowie mörderische Abhandlungen über böse Blumen und gemeine Gewächse. Die Österreicherin lebt und mordet überwiegend im Südburgenland, wo sie auch einen eigenen Giftpflanzengarten betreibt.


Hier stellt die Autorin ihr Buch höchstpersönlich vor, YouTube: 



Klaudia Blasl
Keine Zeit, der Garten ruft
Die verblüffendsten Erkenntnisse über zickige Rosen, schlagfertige Bohnen und mörderische Petersilie
Erzählerisches Sachbuch, Gartenpflanzen, Giftpflanzen, Humor
Hardcover, 272 Seiten 
Knaur Verlag, 2025


Noch mehr böse Blumen von Klaudia Blasl

Der Tod lauert in unseren Gartenbeeten: Eisenhut, Sauerklee, Lerchensporn, Fingerhut, Zaunrübe, Wandelröschen, rohe Bohnen, Aprikosenkerne oder Muskatnuss. Wenn hinterhältige Menschen mit miesen Absichten, sich Kenntnisse über fiese Pflanzen aneignen und mit botanischem Fingerspitzengefühl sich in die Giftküche begeben, dann wird der ein oder andere Zeitgenosse das Zeitliche segnen. Es kommt aber auch vor, dass einer unwissentlich sich selbst erledigt ... Fünfzehn giftige Pflanzenkrimis, kurzweilig unterhaltsam.



111 Tödliche Pflanzen die man kennen muss von Claudia Blasl

Toxisch ist nicht gleich tödlich – aber bei manchen Pflanzen sollte man vorsichtig sein, denn sie sind es mit Gewissheit. Wer knabbert schon an Zimmerpflanzen oder blühenden Gartenpflanzen? Kinder oder Haustiere probieren alles aus, so meine Erfahrung. Vor Bärenklau, der sich immer mehr verbreitet, sollte man sich in Acht nehmen, die Berührung ist schmerzlich. Dieser Pflanzenführer ist aber mehr als ein Ratgeber, denn im Plauderton nimmt uns die Autorin mit in den pflanzlichen Giftschrank der Natur, gibt Anekdoten zum Besten, erklärt geschichtliche Hintergründe und die medizinische Verwendung in früheren Zeiten. Ein Sachbuch, das man wirklich von A-Z liest, weil es neben dem Wissen sehr unterhaltsam ist. Und man staunt nicht schlecht, wie viele uns bekannte Pflanzen, auch Heilpflanzen giftig sind. Nicht nur die Dosis macht das Gift.


Hier geht es zur Rezension:     111 Tödliche Pflanzen die man kennen muss von Claudia Blasl


Sachbücher

Hier stelle ich Sachbücher vor, die im Prinzip nichts mit Fachliteratur zu tun haben. Eben Sachbücher jeder Art, die ein breites Publikum interessieren könnte.
Sachbücher


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