Direkt zum Hauptbereich

Der weite Himmel über mir von Charlotte Guillain, Yuval Zommer - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing




Der weite Himmel über mir 


von Charlotte Guillain, Yuval Zommer


Flieger, Mond und Sterne: Entdecke den Himmel und das Weltall! Ein ungewöhnliches Kindersachbuch für das Vorschulalter, denn es ist ein Leporello, ein Buch das man aufklappen kann. Aufgeklappt vermisst es 2,5 Meter! Man kann natürlich jede Doppelseite einzeln anschauen.




Komm mit auf eine Reise in den Himmel über dir, durch die Luft und die Erdatmosphäre in die unendlichen Weiten des Universums und wieder zurück! Du wirst unterwegs die erstaunlichsten und interessantesten Dinge sehen!



Ganz unten sehen wir ein Mädchen, das nach oben blickt, auf der einen Seite die Stadtansicht, auf der Rückseite liegt sie auf einer Wiese. Was gibt es dort oben zu sehen? Menschen auf dem Balkon, einen Kran, Fensterputzer, Vögel und noch weiter oben Hubschrauber, Wolken. 10 km, die Stratosphäre, wo Menschen nicht mehr atmen können, Flugzeuge, über der Ozonschicht, ein Wetterballon, eine Rakete, die Mesosphäre, 85 km, die Thermosphäre. Und nun erreichen wir die Kármán-Linie, den Weltraum: Raumschiff, Satelliten, auch ein Spionagesatellit, Raumstation - und schon sind wir beim Mond angelangt. Auf zur Sonne, zu Zwergsternen, Supernovas und dem Ende unseres Sonnensystems. Das Ganze ist natürlich mit wichtigen Informationen gefüttert. Kurze Texte, prägnanter Inhalt. Auf der anderen Seite betrachtet das Mädchen Schmetterlinge, fliegende Pflanzensamen, Fledermäuse, Vögel, Segelgleiter, Dickhornschafe in den Bergen, Heißluftballons. Über 2 km fliegen Weißstörche, über 5 km die Singschwäne, Streifengänse und über 10 km zieht der afrikanische Sperbergeier seine Bahnen. Bei 15 km zieht ein Gewitter auf und bei 85 km können wir Sternschnuppen und Meteoriten beobachten. Hier war ich etwas verwirrt, denn hier wird mehrfach von Meteoriden gesprochen. Duden raus. Ich hatte recht: Meteoriten ist korrekt. Zum Schluss kommen wir zu Kometen und der Sonne.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Grafik ist wundervoll gestaltet, ein Mix aus Aquarell und Drucktechnik, farblich ansprechend für das Auge, die technischen Sachverhalte sind anschaulich dargestellt. Die kleinen Sachinformationen sind gut lesbar, prägnant, mit wichtigen Informationen bestückt. Sehr fein fand ich auch Einzeichnung der verschiedenen Luftschichten, auf der letzten Seite ist das noch einmal zusammengefasst. Luftschichten, das Sonnensystem, im unteren Bereich die Tierwelt, Menschen, die hoch hinaus fliegen, alles in allem gut dargestellt. Am meisten allerdings hat mir die Leporelloform gefallen, die Faltbuchform, die man ja eher von Kleinkinderbilderbüchern kennt. Aber eben auch von Postkartenbüchern, die sich  aufstülpen lassen. Aufgeklappt hat das Buch eine Länge von 2,5 Metern, das ist schon beachtlich. Und hier ist der besondere Reiz des Buches: Die Dimension erkennen. Vögel, Flugzeuge ... ist doch alles ganz dicht dran, oder? Zumindest wenn man es in die Relation zur Entfernung zur Sonne setzt. Ein wundervolles Buch! »Unter meinen Füßen« heißt das Komplement: dort reicht das 2,5 Meter lange ausfaltbare Buch zum Mittelpunkt der Erde.

Charlotte Guillain schreibt Geschichten für Kinder. Sie lebt mit ihrem Mann und Co-Autor Adam und ihren beiden Kindern in Oxfordshire, England.
Yuval Zommer studierte Illustration am Londoner Royal College of Art und kehrte nach einer erfolreichen Karriere in der Werbung zu seiner wahren Leidenschaft zurück: Kinderbücher. Seither hat er viele erfolgreiche Kinderbücher illustriert. Er lebt und arbeitet in London.


Charlotte Guillain und Yuval Zommer
Der weite Himmel über mir
Aus dem Englischen von Ute Löwenberg
Originaltitel: The Street Beneath My Feet, Originalverlag: Quarto
Hardcover, Pappband, 22 Seiten, 25x32
Leporello, durchgehend illustriert




Es gibt einen weiteren Band zu diesem Buch, der sich mit der Reise zum Mittelpunkt der Erde beschäftigt:


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

  Offene Antworten auf deine Fragen zu Liebe, Lust und Pubertät Ein Aufklärungsbuch, das locker Fragen beantwortet und kurze Erfahrungsberichte von jungen Menschen einstreut, das alles mit knalligen Illustrationen unterlegt. Du bist, wie du bist, und du bist, wie du bist okay. Das Jugendbuch erklärt, stellt Fragen. Die Lust im Kopf, genießen mit allen Sinnen; was verändert sich am Körper in der Pubertät?, die Vagina, die Monatsblutung, der Penis, Solosex, LGBTQIA, verliebt sein, wo beginnt Sex?, Einvernehmlichkeit, wie geht Sex?, Verhütung, Krankheiten, Sextoys – das Buch spart nichts aus. Informieren, anstatt tabuisieren! Locker und sensibel werden alle Themenfelder sachlich vorgestellt. Prima Antwort auf offene Fragen; ab 11 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Sex in echt von Nadine Beck, Rosa Schilling und Sandra Bayer

Rezension - Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler

  Mischa und Nits sind beste Freunde. Mischa liebt die Poems von Nits. Und der bewundert Mischa, weil er schlau ist und ein wandelndes Lexikon über Tiere zu sein scheint. Lügen geht gar nicht, so Nits Überzeugung. Darum fragt er sich, warum Mischa dem Lehrer weismachen will, er hätte eine Chlorallergie, als der Schwimmunterricht beginnt – Nits erzählt er, die Badehose sei von Mäusen angefressen worden. Überhaupt scheint Mischa in Schwierigkeiten zu stecken – doch wohl eher sein Vater ... Nits betritt in dieser Familie plötzlich eine völlig andere Welt – die der Armut. Aber das ist ein Unterthema – Mischas Vater ist untergetaucht; Mischa und Nits werden ihn nicht im Stich lassen – aber das könnte gefährlich werden ... Spannung, Humor und ein wenig Tragik machen das Buch zu einem Leseerlebnis. Meine Empfehlung ab 11 Jahren für diesen exzellenten Kinderroman.  Weiter zur Rezension:    Feuerwanzen lügen nicht von Stefanie Höfler 

Rezension - Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

  Der Sommer, in dem Motte ein U-Boot fand, fing ziemlich normal an. Langweilig sogar. Doch auf einmal liegt das Schicksal der ganzen Stadt in ihren Händen. Es sind Ferien, aber Mottes Mutter muss arbeiten, einen Urlaub könnten sie sich nicht leisten. Sie ist als Personalcoach unterwegs: Mode, Schminke, Sport, Gesundheit, Ernährung. Und genau das interessiert Motte so gar nicht. Am Kai zeigt ihr Lukas das Metallfischen – ein perfektes Hobby für Motte, die neben schwarzer Kleidung das Unperfekte an Dingen liebt. Sie kauft sich einen Magneten zum Metallangeln. Vielleicht kann man sich etwas verdienen, wenn man Altmetall zur Altmetallhändlerin bringt; sie sammelt ihre ersten Schätze, die die Mutter eklig findet. Plötzlich hängt etwas ganz Großes an der Angel! Spannender Kinderroman ab 9/10 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Motte und die Metallfischer von Sanne Rooseboom und Sophie Pluim

Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada

Am 08.11.2019 war ich zu einer Mischung aus Lesung und Definition des Begriffs Kriminalliteratur in St. Gallen in der Wyborada zu Gast, im Literaturhaus & Bibliothek in St. Gallen in der Frauenbibliothek und Fonothek Wyborada. Else Laudan sprach zum Thema Kriminalliteratur, erzählte ihren Weg mit ihrem freien Verlag Ariadne, ein Verlag, der ausschließlich literarische Kriminalliteratur von Frauen veröffentlicht. Weiter zum Artikel:    Was ist eigentlich Kriminalliteratur? - Ein Abend mit Else Laudan in der Wyborada 

Rezension - Chronisch gesund statt chronisch krank von Dr. med. Bernhard Dickreiter

Von der Schulmedizin bis heute ignoriert: Die wahren Ursachen der chronischen Zivilisationskrankheiten – und was man dagegen tun kann Noch nie hat es so viele chronisch Kranke gegeben wie heute: Arthrose, Diabetes, Alzheimer, Rückenleiden, Krebs, Burnout usw. Der Internist, Reha-Experte und Ganzheitsmediziner Dr. med. Bernhard Dickreiter ist überzeugt, dass diese Patienten selbst aktiv etwas dagegen unternehmen können. Sein Standpunkt: Wir müssen alles dafür tun, damit es den Zellen in unserem Organismus gut geht. Jede Zelle ist von einer organtypischen Umgebung eingeschlossen, in die sogenannte extrazelluläre Matrix (EZM). Dort zieht die Zelle ihre Nährstoffe, den Sauerstoff, und hier entsorgt sie ihre Abfallstoffe. Ist die Zellumgebung nicht gesund, werden wir krank. Die Schulmedizin bekämpft meist nur Symptome: Schmerzen – Schmerztablette. Die Ursachen werden oft nicht hinterfragt, bzw. operabel versucht zu beheben: neues Knie, neue Hüfte usw. Dickreiter geht ganzheitlich vor. ...

Rezension - Inspektor Mouse und der Gang in die Tiefe von Caroline Ronnefeldt

  Der Miezcedes steht unter der Katzanie. Sekretärin Mimi Stubenrein, Prokurist Kralle, Syndikus Tigerius Seidig, Kasimir Bart, Präsident Puschel, Sergeant Fischgrät … die Karthäuser Bank, ein mit Kratzbaumholz getäfelter Flur, ein von schweren rauchgrauen Samtportieren umrahmtes Bogenfenster, ein Tresor der Firma Schleicher & Söhne … Der Jugendkrimi ab 14 Jahren hat mich in seiner Wortspielerei und Atmosphäre anfänglich beeindruckt. Mit viel Humor, gespickt mit literarischen Anspielungen, ermitteln in Kratzburg Katzen mit krallenscharfem Verstand! So der erste Eindruck. Leider konnte mich der Katzenkrimi trotz allem nicht ganz begeistern, schon gar nicht als Jugendliteratur.  Weiter zur Rezension:    Inspektor Mouse und der Gang in die Tiefe von Caroline Ronnefeldt

Rezension - Die kleine Spitzmaus von Akiko Miyakoshi

Die kleine Spitzmaus lebt ganz allein ein ziemlich strukturiertes Leben, funktioniert wie ein Uhrwerk. Jeden Morgen dieselben Rituale: Frühstück, ab zur Arbeit, wo die fleißige Angestellte ihren Job macht. Vom Morgen bis zum Abend ein strenger Zeitplan. Es gibt nur wenig Abwechselung. Die Maus ist mit diesem Leben zufrieden, lebt im Einklang mit ihrem Rhythmus. Die Geschichte beschreibt die japanische Lebensphilosophie Ikigai , die das Glück im Kleinen sucht und findet. Bilderbuch ab 5 Jahren, Empfehlung. Weiter zur Rezension:    Die kleine Spitzmaus von Akiko Miyakoshi 

Rezension - Balaclava von Campbell Jefferys

  Mara, eine Polizistin aus Berlin ist jeden Tag mit Gewalt konfrontiert. Die meisten ihrer Kollegen sind diszipliniert, korrekt. Aber es gibt auch gewaltbereite Typen mit rechten Sprüchen, die sich feindlich gegenüber Ausländern und Frauen verhalten. Mara stammt allerdings aus Hamburg und so liegt es nahe, dass man sie undercover nach Hamburg sendet, damit sie sich unter die linken Gruppen mischt, herauszufinden, wer bei einer Demo den einen Polizisten ermordet hat. Mara hat das Video gesehen – der Polizist sackt zusammen, neben ihm ein junger Mann, dessen Gesicht mit einer Balaclava verdeckt ist. Mara hat ihn erkannt! Diese Augen gehören ihrem Bruder! Und der würde niemanden umbringen. Ein Thriller mit Potential, allerdings zu aufgeblasen, zu viele handwerkliche Fehler. Weiter zur Rezension:     Balaclava von Campbell Jefferys

Rezension - Was uns Angst macht: Bilderbuch von Fran Pintadera und Ana Sender

  Wie man die Angst loswird, indem man sie annimmt - ein zartes Bilderbuch, das zum gemeinsamen Gespräch über Angst als Teil des Lebens einlädt. Der Vater erklärt, dass wir alle manchmal Angst haben. Zum Beispiel vor dem, was wir nicht kennen, oder vor dem Alleinsein, vor der Dunkelheit, in Höhen …Angst umgiebt uns, wir müssen nur lernen, damit umzugehen. Klasse Bilderbuch ab 4 Jahren, das zu Gesprächen anregt.  Weiter zur Rezension:   Was uns Angst macht: Bilderbuch von Fran Pintadera und Ana Sender

Rezension - Hase Hollywood und das Geheimnis des Drachenlandes von Stefan Rasch, Simon Rasch und Anja Abicht

  Ein mächtiges Kinderbuch! Schwer an Gewicht, eine lange witzige, fantasievolle Geschichte. Der Hase Hollywood und seine Freunde betreiben ein Gasthaus in einer einsamen Bucht am Ende der Welt. Eines Tages taucht ein gefürchteter Piratenkapitän bei ihnen auf und vergisst doch glatt seinen Seesack unter dem Tisch. Darin befindet sich alte Schatzkarte und ein geheimnisvoller rosa Glitzerball. Der Ball entpuppt sich als Ei, aus dem ein kleiner Drachen schlüpft. Und damit beginnt eine abenteuerliche Reise zur Schatzinsel, denn auf der Karte sind auch die Drachen verzeichnet, den das Hasen-Team zu seinen Eltern bringen möchte. Sehr feine Illustrationen, grundsätzlich eine gute Geschichte, aber grobe handwerkliche Fehler für den Kinderroman. Weiter zur Rezension:     Hase Hollywood und das Geheimnis des Drachenlandes von Stefan Rasch, Simon Rasch und Anja Abicht