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Das ist nicht lustig! von Martin Muser und Susanne Göhlich - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Das ist nicht lustig! 


von Martin Muser und Susanne Göhlich

13 Geschichten über eine chaotisch-quirlige Kinderbande und ihre Familien 


Einmal mussten wir alle zusammen ins Krankenhaus, nachdem wir vom Dach der Kletterburg gesegelt sind. Mit einem fliegenden Teppich, der eine alte Tischdecke war. Quarks Brille hat die Landung zum Glück heil überstanden. Dafür hatten wir alle eine Platzwunde und mussten genäht werden. Pippo war damals noch ein Baby. Sonst hätte er da bestimmt schon geschrien: «Das ist nicht lustig!» Mama und Papa fanden es auch nicht lustig und Mama hat gesagt, dass Quark, Kette und ich voll die Chaostruppe seien und die Narben uns jetzt für immer erhalten bleiben würden. Aber das mit der Chaostruppe stimmt gar nicht. Quark, Kette und ich haben einfach nur immer sehr gute Ideen.


Wem der Michel aus Lönneberga gefällt, der wird an diesem Buch seinen Spaß haben. Ein lustiges Kinderbuch über Freundschaft und eine wunderbar unperfekte Familie: Juri, Kette und Quark sind eine richtige Chaostruppe. Das sagt jedenfalls Mama. Juri findet, dass er und seine Freunde einfach nur sehr gute Ideen haben. Der Tisch im Wohnzimmer ist tabu! Aber wenn man daraus eine Insel macht, die zu erreichen ist, Tabu-Tabu, dann ist es ja kein Tisch mehr,  auf zur Entdeckung von Sofalonien! Man schlittert drüber, entfernt wilde Tiere (Tassen und Teller), greift nach der Liane (Lampe), man will über den Ozean nach Sofalonien reisen. Pippo schreit natürlich: «Das ist nicht lustig!» Diese Gurkentruppe kommt auf die wildesten Ideen. Wie zum Beispiel das Karacho-Rennen im Einkaufswagen, den sie in der Nähe eines Supermarkts auf der Straße finden. «‹Ich hab eine super Idee!›, sagte Quark. ‹Das ist ein Rennwagen! Wir schieben ihn den Berg hoch und rasen dann voll mit Karacho runter!›» Oder die Sache mit dem Umgekehrt-Klauen oder wenn sie im Schlafanzug einen Barbesuch starten oder auf den Hund gekommen sind. 

‹Tabu-Tabu, cooler Name›, rief Quark und guckte vom Tisch rüber nach Sofalonien. ‹Aber zwischen Tabu-Tabu und dem unbekannten Kontinent ist ein riesiger Ozean. Null Chance, da rüberzukommen.›
‹Wir könnten uns rüberschwingen›, sagte Kette und packte die Hängelampe über dem Tisch wie ein Kletterseil. Die Lampe machte RATSCH und das Kabel gab nach.
‹Pass auf!›, rief ich. ‹Da ist Strom drin und man kann einen Schlag kriegen.›
Kette ließ die Lampe schnell los. Sie pendelte zwischen unseren Füßen über der Tischplatte und fegte zwei Tassen runter ins Meer.
‹Habt ihr was kaputt gemacht?›, kam Pippos Stimme aus dem Zimmer.
Ich tat, als hätte ich nichts gehört. Wir hatten Wichtigeres zu tun. Wir mussten einen Weg finden, um zu dem unbekannten Kontinent rüberzukommen.




In diesem Kinderbuch erzählt Juri in 13 einzelnen Geschichten etwas aus seinem Lausbubenleben. Da gibt es zum Beispiel Jonas, der zum Kindergeburtstag kommt – der Arme hat zu Hause Zuckerverbot. Und so stopft er sich einen Kuchen nach dem anderen in die Hamsterbacken. Zuerst kam die Sache mit der Piñata und noch mehr Süßigkeiten, die Jonas irgendwann grün anlaufen ließen. Ab zum Bad, Tür aufgestoßen, voll in den Rücken von Musti, dessen Zahnspange (der sie gerade von Lakritzschnecken befreit) aus der Hand fliegt – mitten in die Toilette – und Jonas spuckt im hohen Schwall den ganzen Kuchen rückwärts aus. Aber auch wenn mal was schiefläuft – meistens müssen am Ende Mama, Papa und Opa Eule doch mitlachen. Nur Juris kleiner Bruder Pippo findet das alles gar nicht lustig. Aber das kann ja noch kommen!  




‹Wir können ja noch Zettel dranhängen.› Quark nahm Pippos Block. ‹Mit Sprüchen und so.›
Das fanden wir gut. Und wir konnten sogar Pippo davon überzeugen mitzumachen. Quark schrieb: ‹POPOLÖCHA FÜR  DEUSCHLANT!› auf ein Blatt. Ich schrieb: ‹AUFRÄUMEN IST DOOF› und dann noch ‹PIZA FALAFL DÖNA› für Musti. Kette schrieb: ‹ALLE GUTN FUSSBALLA HERKOMM!› und ‹BLÖDE PARTEI›. Pippo malte zwei Elefanten, die kackten.

Und dann kommt diese Tussi bei den Kindern vorbei, schenkt ihnen eine Menge Luftballons. Sie ist von der Partei der echten Deutschen, so für Deutschland und so. Erklärt den Kindern, dass man im Land aufräumen muss. Endlich ist sie weg! Aber was macht man mit den Luftballons? Die rettende Idee: Steigen lassen und vorher kleine Zettel dranbringen, wie ‹POPOLÖCHA FÜR  DEUSCHLANT!› 13 turbulent-lustige Alltagsgeschichten zum gemeinsamen Lachen. Martin Muser sprüht vor witzigen Dialogen, es ist die wahre Pracht. Halt, die Letzte ist traurig, als Opa Eule den großen Verschwindibus macht – tiefergreifend geschrieben. Die Geschichten haben die ideale Länge zum Vorlesen - oder für Leseanfänger:innen zum Selbstlesen. Das Ganze wird von bunten Illustrationen von Susanne Göhlich begleitet. 13 Geschichten über eine chaotisch-quirlige Kinderbande und ihre Familien zum schlapplachen. Der Carlsen Verlag, gibt eine Altersempfehlung ab 6 Jahren, dem schließe ich mich an.





..Pippo und ich schauten in unser Zimmer, das jetzt wieder ganz ordentlich und sauber war. Voll langweilig sah es aus. Ich frage mich wirklich, was die Erwachsenen am Aufräumen eigentlich immer so toll finden? Unaufgeräumt ist viel gemütlicher…


Martin Muser ist freier Autor, Dramaturg und Dozent und lebt in Berlin. Neben Drehbüchern für das deutsche Fernsehen schreibt er besonders gerne Kinderbücher. Bei Carlsen erschien 2018 sein hochgelobtes Debüt »Kannawoniwasein - Manchmal muss man einfach verduften«, für das er mehrere Auszeichnungen bekam.



Martin Muser
Das ist nicht lustig! 
Illustrationen von Susanne Göhlich
Kinderbuch, Lachgeschichten, Kurzgeschichten, Humor, Lausbubengeschichten, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 144 Seiten
Carlsen Verlag, 2024
Altersempfehlung: ab 6 Jahren 











Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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