Direkt zum Hauptbereich

Bist du der Frühling von Chiaki Okada und Ko Okada - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing



Bist du der Frühling? 

von Chiaki Okada und Ko Okada


Schon gleich auf den ersten Blick mag ich dieses japanische Bilderbuch. Feine, liebevolle Zeichnungen bringen atmosphärisch den Winter auf das Papier. »Immer Bucheckern!«, schimpfen die Hasenkinder. Die Mutter erklärt, dass der Winter bald vorbei sei und der Frühling wieder feine Sachen auf den Tisch zaubern werde. Der kleine Hase würde auch gern den Frühling kommen sehen, wie seine großen Geschwister, die hoch hinaus hopsen, auf den Baum klettern, behaupten, sie können den Frühling sehen, sie sehen auch das Meer. Und überhaupt, was ist den der Frühling für ein Ding? Die Mutter erklärt es. Der kleine Hase stapft am frühen Morgen durch den Wald und dann trifft er auf etwas riesig Großes. Der Frühling? Es ist ein Eisbär. Der hebt den Hasen auf einen Baum. Und sie betrachten den Sonnenaufgang über dem Meer. Der Eisbär zieht seiner Wege, denn er mag den Frühling nicht. Der kleine Hase hat es schwer. Er weiß noch nicht alles, muss noch viel lernen und die großen Geschwister sind nicht immer eine Hilfe. Aber bald weiß er, was Frühling ist.


Kinder brauchen VorBilder im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zeichnungen von Chiaki Okada sind ästhetisch, einfühlsam – hier wirkt das Bild allein für sich, man kann in den Zeichnungen versinken. Sinnliche Erlebnisse sind wichtig. Die ästhetische Konzeption in der Natur erschließt sich Kindern in manchen Dingen von allein. Besser können sie Erlebnisse und Wissen verbinden, einordnen, wenn man durch eine emotional bindende Atmosphäre in Form eines Bilderbuchs das Erlebnis aufruft. Der reduzierte Text dieses Bilderbuchs ist leicht erfassbar. Vom Verlag wird eine Altersangabe von 3-6 Jahre gegeben. Meine Empfehlung eher 2-4 Jahre. Es sind kleine Alltagsszenen, erlebbar nachzuvollziehen. Das ist eine kurze, einfache Geschichte, die Kinder ab zwei gut erfassen. Natürlich schauen sich ältere Kinder die Bilder gern an, aber ich würde das Buch keinem Fünfjährigen schenken.


Das Ehepaar Okoda stammt aus Kioto und dies ist das erste Bilderbuch, das sie auf dem deutschen
Markt präsentieren.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abbruch - Tod am Taj Mahal von Manuel Vermeer

Ich wollte dem Buch eine Chance geben, obwohl die Sprache mir von der ersten Seite an nicht gefiel - aber bei Seite 102 war Schluss. Mich hatte das Thema interessiert, das große Geschäft mit Sand, denn die vielen Betonbauten schlucken Sand, der auf der Welt immer rarer wird. Sandmafia – ein gutes Thema, so freute ich mich. Sprachlich nicht ansprechend, und obendrauf konnte ich inhaltlich dem Ganzen leider nicht mehr folgen.

Die deutsche Hydroingenieurin Cora Remy ist beruflich in Indien und will bei der Gelegenheit ihren Freund Ganesh besuchen, der derzeit neben dem Taj Mahal arbeitet. Vom Flughafen wird sie allerdings nicht von ihm abgeholt, lediglich von dessen Freund Anshu, der erzählt, er sei eigentlich nur der Chauffeur, weil Ganesh kein Auto besitze. Schon am letzten Abend sei er mit dem Freund verabredet gewesen, der nicht zu erreichen sei. Ganesh habe etwas herausgefunden über illegalen Sandhandel, sei bedroht worden, mehr wisse er auch nicht. Cora will ihn sofort suchen gehe…

Rezension - Wo Rauch ist von Gudrun Lerchbaum

Der türkische Journalist, Can Toprak, der in Wien wohnt, ist tot. Olga Schattenberg glaubt, dass ihr Ex-Mann ermordet wurde. Die Polizei hält das für ein Hirngespinst und so muss die Rollstuhlfahrerin, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, selbst ermitteln. Der Buchhändlerin zur Hand gehen Kiki, die bereits wegen Totschlags eingesessen hat und deren Ex-Mann, Adrian Roth, Grabredner von Beruf, der nicht nur von Berufs wegen alles schönredet. In Gudrun Lerchbaums Romanen wird es wie immer politisch. Fein gezeichnete Charaktere machen den Krimi liebenswert.

Weiter zur Rezension:   Wo Rauch ist von Gudrun Lerchbaum

Rezension - Die Söhne der Winde von Gioacchino Criaco

Nach »Schwarze Seelen« ist dies wieder ein großartiger Roman von Gioacchino Criaco über das Dorf Africo in Kalabrien, hinter dem Aspromonte-Gebirge am Jonischen Meer, das so speziell ist. Es ist eine Hommage an die Mütter der Söhne der Winde, die für ein paar Lire zur Jasminernte die ganze Nacht auf den Feldern standen, sich täglich abrackerten, die Kinder durchzubringen, deren Väter auf die ganze Welt verteilt waren. Ein Noir-Roman über das Mezzogiorno, über Armut, Mafia und die ´Ndrangheta, über einen Staat, der seine Bürger im Stich lässt, über den »Moti di Reggio«, einen Aufstand von Müttern und Jugendlichen.

Weiter zur Rezension:   Die Söhne der Winde von Gioacchino Criaco

Rezension - Die Inselsammlerin von Fenna Williams

Vielleicht sucht jemand von euch ein interessantes Reiseziel? Nein? Dies Buch ist trotzdem lesenswert. Reiseliteratur, wenn sie gut geschrieben ist, kann ein Genuss sein. Und wenn hier irgendjemand TUI-Format vermutet, dann liegt er völlig falsch. Fenna Williams ist reisesüchtig - individuell, mit Wanderstiefeln an den Füßen, erkundet sie Ecken auf der ganzen Welt, insbesondere Inseln, die den meisten Menschen unbekannt sind – zumindest haben sie noch nie einen Fuß dorthin gesetzt. Selbst wenn die Autorin Capri besucht, liegt sich nicht am Strand und besucht lediglich die blaue Grotte – sie erwandert die schöne Einsamkeit der Insel. Allein, einsame Wanderungen – nein, sie ist garantiert keine Einzelgängerin. Individualistisch – aber dicht bei den Menschen, meist mietet sie sich bei Einheimischen ein. Und genau das macht das Buch so reizvoll: Der enge Kontakt zu den jeweiligen Insulanern ist Fenna Williams ganz wichtig. Auf nach Robben Island, St. Helena, Magna Carta Island, Solentina…

Rezension - Sandbergs Liebe von Jan Drees

Eine Liebesgeschichte – obsessiv, zerstörerisch. Jan Drees sagt, die Geschichte ist ausgedacht, aber an eine ähnlich gelagerte Liebe aus seinem Leben angelegt. Der Leser sitzt voyeuristisch gefangen im Inneren des Autors und leidet mit ihm die ganze Geschichte lang, denn hier stülpt jemand sein Inneres ganz nach außen. Ist Kristian Sandberg an eine Narzisstin geraten, die ihn wie einen Tanzbär an der Nase durch die Manege zieht? – Ich liebe dich – ich hasse dich – »Gaslighting«, emotionale Abhängigkeit mit zerstörerischer Kraft - ein Auf und Ab der Gefühle …

Weiter zur Rezension:   Sandbergs Liebe von Jan Drees