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Rezension - Napoleon von Noël Simsolo, Jean Tulard und Fabrizio Fiorentino

  Wenige Menschen haben die Geschichte einer Nation, um nicht zu sagen, eines Kontinents, derart geprägt wie Napoleon Bonaparte. Der Streit zwischen jenen, die ihn verteufeln und denen, die ihn vergöttern, schwelt noch heute und wird vielleicht nie beigelegt werden. Es ist jedoch unbestreitbar, dass Napoleon sowohl seine Epoche als auch alle darauf folgenden maßgeblich beeinflusst hat. Er ist der Archetyp eines Menschen, der die Welt aus den Angeln hob, mit überbordendem Charisma und übergroßem Ehrgeiz, und sein politisches Erbe kennt keinen Vergleich. Auch Napoleons Freunde wie Feinde werden in dieser Graphic Novel vorgestellt, Joaquín Murat, Talleyrand, Jean-Baptiste Bernadotte usw. Leider geht es fast ausschließlich um Schlachten und das größte Erbe Napoleons wird ausgeklammert: der Code Civil, der für mich wirklich essentiell ist. Zeichnerisch stark illustriert, Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Napoleon von Noël Simsolo und Jean Tulard 

Rezension - Bis in alle Endlichkeit von James Kestrel

  Gesprochen von Thomas Dehler Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 11 Std. und 48 Min. Als Privatdetektiv Lee Crowe noch vor dem Hahnenschrei vor dem Hotel, in dem er wohnt, auf dem Dach eines Rolls-Royce eine junge Frau liegen sieht, passt das für ihn nicht zusammen. Im gefährlichsten Viertel von San Francisco springt eine Frau in solch teurem Kleid auf dieses Auto; hier stinkt etwas. Beide passen nicht ins Viertel. Nie im Leben ist sie freiwillig gesprungen! Polizei und Gerichtsmedizin gehen von Selbstmord aus. Doch die Mutter von Claire, die megareiche Olivia Gravesend, glaubt das nicht und beauftragt Lee Crowe mit den Ermittlungen. Bei seinen Recherchen entdeckt er eine ganz merkwürdigen Sache, der er auf den Grund gehen will. Noir, Hardboiled, amerikanische Detektivstory im alten Stil. Feiner Kriminalroman. Weiter zur Rezension:    Bis in alle Endlichkeit von James Kestrel 

Rezension - Ein Eisbär im Schnee von Mac Barnett und Shawn Harris

  Ein Eisbär macht sich auf den Weg durch eine glitzernde Landschaft aus Eis und Schnee. Wohin er wohl geht? Zu den Robben? Zu den Menschen? Oder ins Meer? Und was hat er vor? Wer weiß … Dieses Bilderbuch beeindruckt durch seine Illustration aus Fotocollagen. Weiß auf Weiß, ein Schattenspiel.  Klasse Bilderbuch ab 4 Jahren. Weiter zur Rezension:    Ein Eisbär im Schnee von Mac Barnett und Shawn Harris

Rezension - Moor Myrte und das Zaubergarn von Sid Sharp

  Im Moor, im wirklich finsteren Wald, lebt die unheimliche Moor Myrte, die jeden in eine Fliege verwandelt, der die Natur nicht respektiert. Am Waldesrand wohnen zwei Schwestern, die gutherzige Beatrice, immer bei bester Laune und die griesgrämige Magnolia, die stets friert, weil ihr ein Pullover fehlt. Beatrice versucht, Fundstücke aus dem Wald in der Stadt gegen Wolle einzutauschen, erntet aber nur Gelächter. Sie glaubt, ein warmer Pullover könnte die Stimmung ihrer Schwester heben. In ihrer Not sucht sie die Moor Myrte auf, die sie sogleich in eine Fliege verwandeln will und zum Frühstück vertilgen möchte. Ein klasse Kinder - Comic, ein herrliches Märchen! In seiner Graphic Novel zeigt Sid Sharp auf kindgerechte Weise, wie Konsumgier und Ausbeutung unserer Gesellschaft schaden; und er mahnt gleichzeitig zum verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Klasse humorvolles Kinderbuch ab 6-8 Jahren. Empfehlung! Weiter zur Rezension:   Moor Myrte und das Zaubergarn von Sid S...

Rezension - Tödliche Algarve von Carolina Conrad

  Ein einsamer Wanderweg. Ein Knall, dann Stille. Tödliche Stille. Auf einem uralten Pilgerweg verschwinden innerhalb kurzer Zeit drei Wanderer. Für Chefinspektor João Almeida besonders heikel: Eine der Vermissten ist seine Halbschwester Liliana. Die Leiche einer jungen Britin wird gefunden, von Wildschweinen verstümmelt. Das Wort Mord wird zunächst verboten, denn es könnte ein Jagdunfall gewesen sein, entscheidet der Staatsanwalt. Zu wichtig ist der Wandertourismus für das ländliche Hinterland der Ostalgarve. Kurz danach wird unweit der ersten Leiche eine weitere gefunden, ein Deutscher. Doch einen Messerstich im Bauch kann man nicht mehr abtun. Zwei Ausländer ermordet auf dem Pilgerweg – jetzt ist Vorsicht geboten in der Ermittlung. Leider war irgendwann die Spannung weg. Viele Themen angerissen, es fehlt aber die Message. Weiter zur Rezension:    Tödliche Algarve von Carolina Conrad

Rezension - Trauriger Tiger von Neige Sinno

  Als Kind vom Stiefvater missbraucht, erzählt Neige Sinno von einem Familienleben, das um Lügen und Täuschungen herum gebaut ist. Und von den vielen Facetten ihrer Erinnerungen, den vielen Gesichtern eines Menschen in Ungeheuerlichkeit und Banalität. Wie werden wir zu denen, die wir sind? Kommt vor Gericht zur Sprache, was in Familien ungesagt bleibt? Neige Sinno erzählt keine Geschichte, sondern sie versucht im Prosa zu analysieren. Was ist das für ein Typ, der so was macht, wie kam er dazu, was fühlt er dabei. Kann man das überhaupt verstehen? Das missbrauchte Kind jedenfalls wird sein Trauma immer in sich tragen. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Trauriger Tiger von Neige Sinno

Rezension - Olga und der Ruf des Waldes von Laure Monloubou

  Olga zieht zum siebten Mal in ihren 8 Jahren um; Papa hat wieder etwas Neues gefunden. Diesmal aber wird alles anders, das spürt sie sofort – denn ein Haus mit Türmchen, schlossähnlich, muss einfach etwas ganz Besonderes sein! Und tatsächlich: In ihrem Zimmer versteckt sich hinter der Tapete eine klitzekleine Tür. Was sich wohl dahinter verbirgt? Nun werden kleine Zettel mit Bilderrätseln durchgesteckt. Olga muss den Schlüssel für die Tür finden! In diesem Buch wird das Handycap des gehörlosen Mädchens zum Vorteil – die schlechte Magie kann sie nicht berühren, weil die schrillen Töne sie nicht erreichen. Laure Monloubou beschreibt empathisch die Stille, die Olgas Welt umgibt, eine authentische Natürlichkeit. Trotz allem ist mir das Kinderbuch ab 8 Jahren nicht rund genug. Weiter zur Rezension:   Olga und der Ruf des Waldes von Laure Monloubou

Rezension - Kurz vor dem Rand von Eva Rottmann

  Der Anfang:  Ich heiße Ari, und dies ist die Geschichte meiner ersten Liebe. Sie geht nicht gut aus, das sag ich euch gleich. Also wenn ihr auf Happy Ends steht, legt ihr das hier lieber weg und geht euch ein Eis kaufen. Es ist mir ehrlich gesagt scheißegal. Der erste Satz, der Anfang, die erste Seite, sie ziehen sofort in den Jugendroman hinein. Der Lesende wird direkt angesprochen, taff, schroff, mit unterschwelliger Aggressivität. Und das Hauptthema ist gesetzt, ebenso das Genre: Drama. Jeden Tag trifft sich Ari mit Freunden zum Skaten auf dem Skatepark, und ihre Skater-Kumpels, betrachten sie als «eine von den Jungs». Für Ari, die Protagonistin, eine lebensrettende Aktivität, denn sie leidet darunter, dass die Mutter die Familie früh verlassen hat. Sie wohnt zusammen mit ihrem Vater Bob in einer Hochhaussiedlung, hat nun eine Ausbildung in einem Malerbetrieb begonnen. Und eines Tages steht Tom auf der Halfpipe, mit «beachtlicher Arschlochqualität». Als dann auch noch Ari...

Rezension - Das Lied des Propheten von Paul Lynch

  Gesprochen von Kaja Sesterhenn Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer, 8 Std. und 29 Min. An einem regennassen Abend in Dublin öffnet die Biologin und vierfache Mutter Eilish Stack ihre Haustür und steht zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei gegenüber. Sie sind gekommen, um ihren Mann Larry, einen bekannten Gewerkschafter, zu verhören. Die rechtspopulistische Partei namens «National Alliance, NAP» hatte die Wahl gewonnen, und schnell ist das Land in faschistische Strukturen gelegt. Kurz nach dieser Begegnung verschwindet Larry, nachdem er eine Demonstration organisiert hat, und sehr schnell beginnen die Dinge in Eilishs Welt aus dem Ruder zu laufen. Ein dystopischer Roman, der mitten in der EU spielt. Es passt. Vorstellbar. Eigentlich gar nicht dystopisch. Dieser Roman versteht sich als Warnung und wurde zurecht mit dem Booker-Preis 2023 ausgezeichnet. Bedrückend und ziemlich gut geschrieben. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    Das Lied des Propheten von Pau...

Rezension - Blutsschwestern von Ana Wetherall-Grujić

  Blut ist dicker als Wasser. Ein Roadmovie zwischen Wien und dem Balkan. Übel zugerichtet muss Ljiljana untertauchen, denn ihr Freund, der sie zusammengeschlagen hat, lebt nicht mehr. Ihre Schwester Sanja holt sie aus dem Krankenhaus, setzt sie ins Auto und fährt los, damit Ljiljana in der alten Heimat Serbien untertauchen kann. Die «Hexe» soll weiterhelfen, die damals der Mutter geholfen hat, aus Serbien abzuhauen. Mit der schwer verletzten Ljiljana sitzt Sanja erstmal im Haus der alten Frau fest. Aber schon haben sie neue Probleme an der Backe: Sie geraten in eine Fehde zwischen der Mafia-Patin und ihren Widersachern, werden plötzlich selbst bedroht. Wollen sie sich das gefallen lassen? Weiter zur Rezension:    Blutsschwestern von Ana Wetherall-Grujić