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Rezension - Der Kaninchenstall von Tess Gunty

  Vacca Vale ist «eine dieser ausgemusterten Einwegstädte», in der die stillgelegte Autoindustrie die Verwahrlosung der Infrastruktur nach sich zieht, im sogenannten amerikanischen Rostgürtel spielt. Kaninchenstall nennt man eine Hochhaussiedlung mit engen Wohnungen mit papierdünnen Wänden, in denen man das Schnarchen des Nachbarn hören kann. Bereits die ersten eineinhalb Seiten beeindrucken (ich habe sie gleich mehrfach gelesen). Tiffany Jean Watkins, genannt Blandine verlässt ihre Seele … Dieser Roman ist ungewohnt – es gibt keine durchgehende Geschichte. Jedes Kapitel springt in ein anderes Apartment, ein wenig überfrachtet. – Eine schriftstellerische Leistung ohne jeden Zweifel: frech, melancholisch, gesellschaftskritisch, genau beobachtend, textvielfältig.  Weiter zur Rezension:    Der Kaninchenstall von Tess Gunty 

Rezension - Verrufene Tiere von Stephan Wunsch

  Ein Bestiarium menschlicher Ängste Eine Maus, eine Spinne! Manch einer steht schreiend auf dem Stuhl. Warum eigentlich? Gut, Krokodile, Giftschlangen, einem Löwen möchte man wirklich nicht in freier Wildbahn begegnen. Manche Tiere haben einen schlechten Ruf, dabei sind sie weder gefährlich, weniger gefährlich, auch keine Vampire …. Stephan Wunsch geht dem auf die Spur und porträtiert zehn dieser schlecht beleumundeten, ja verrufenen Tiere. Das menschliche Verhältnis zu vielen Tieren ist von tiefer Ablehnung geprägt. Ihr Ursprung reicht bis in eine mythische Vorzeit. Denn ein Bestiarium der verrufenen Tiere, ist ein Katalog unserer Ängste, ein Spiegel unserer Unzulänglichkeiten: aasigem Geier, bis falscher Schlange, von hinterlistiger Hyäne bis vampirischer Fledermaus, Haie, Spinnen, Quallen, Geier, Kraken. Weiter zur Rezension:    Verrufene Tiere von Stephan Wunsch

Rezension - Im Herzen des Sahel von Djaïli Amadou Amal

  Mir hatte der Roman «Die ungeduldigen Frauen» der Autorin sehr gut gefallen, der 2020 mit dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet wurde. Hier ging es um die Frauen in muslimischen Großfamilien in der mittelafrikanischen Sahelzone, die täglich um den Platz in der Familienhierarchie kämpfen müssen, verheiratet werden, wenig selbstbestimmt leben können. Der vorliegende Roman behandelt einen anderen Teil dieser Häuser, befasst sich mit der Schar der Bediensteten. Partiarische und feudale Strukturen im Kamerun, Frauen, die für ihre Rechte kämpfen. Empfehlung! Allage, auch als Jugendroman ab 14 Jahren. Weiter zur Rezension:    Im Herzen des Sahel von Djaïli Amadou Amal

Rezension - Das Erbe der Toten von Ian Rankin

  John Rebus ist angeklagt – für ein Verbrechen, das ihn für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen könnte. Damit beginnt die Geschichte – aber gleich geht es zurück zum Anfang … John Rebus ist verrentet, hat sich sogar einen Hund zugelegt. Der kriminelle Morris Gerald «Big Ger» Cafferty bittet John, einen Mann namens Jack Oram zu finden. Offiziell ist dieser Mann tot. Die Geschichte reizt Rebus. Detective Inspector Siobhan Clarke, die ehemalige Teamkollegin von Rebus und gute Freundin, ermittelt gegen den Polizisten Francis Haggard wegen häuslicher Gewalt. Das Aus für seinen Job … Und nun will Haggard über sein Revier auspacken … Den Kollegen geht die Düse.  Weiter zur Rezension:   Das Erbe der Toten von Ian Rankin 

Rezension - Mal mir doch ein Bild! von Sophia Schrade

  In kurzen Schritten zum kleinen Zeichenprofi Kinder malen gern und viele würden sich gern besser mit dem Stift ausdrücken können. Nur wie? Letztendlich ist zeichnen als Grundlage ein Handwerk – vor der Zeiten der Fotografie war der Kunstmaler eine Berufsausbildung. Warum also nicht mit Kindern ein einfaches Gerüst setzen! In diesem liebevoll gestalteten Buch lernen kleine Künstler:innen, wie man in wenigen Schritten Tiere, Menschen und Pflanzen malt und so auf dem Papier eine ganze Welt erschaffen kann. Grundsätzlich gute Schritte, bei den großen Bilden ein wenig zu perfekt … Sachkinderbuch ab 6 Jahren. Weiter zur Rezension:    Mal mir doch ein Bild! von Sophia Schrade

Rezension - Malewitsch und du von Oksana Sadovenko

  Ein Wegweiser auf dem Weg zur Kunst Zu Beginn Sachkinderbuchs wird der Künstler Malewitsch mit Lebenslauf auf drei Doppelseiten vorgestellt – farbenprächtig in seinem Malstil. Und schon geht es los mit den ersten Malaufgaben: Vervollständige das Bild! Das ist didaktisch gut durchdacht – eine fertige Vorlage zu Ende bringen – denn das ist wesentlich einfacher, als gleich etwas Eigenes zu entwerfen. Und nun geht es um das schwarze Quadrat, das berühmte Bild des Künstlers. Die Urelemente werden erklärt, aus denen Malewitsch eine neue Kunstrichtung mit geometrischen Elementen entwickelte, später zu realen Figuren zurückkehrte. Malen, kleben … der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Male mit Malewitsch – ein großartiges, kreatives Lese – Mal – Kinderbuch ab 8 Jahren (meine Einschätzung) Empfehlung! Auch gut als Unterrichtsmaterial! Weiter zur Rezension:    Malewitsch und du von Oksana Sadovenko 

Rezension - Ich will doch nur frei sein von Filimon Mebrhatom

  Filimon Mebrhatom wagte mit 14 Jahren die Flucht aus Eritrea, da er nicht zum Militär eingezogen werden will, in den Krieg ziehen, und weil es in dem Land weder Meinungsfreiheit noch Bildungschancen gib. Seine Reise nach Libyen wird zur Odyssee; immer wieder wird er gefangen genommen, verkauft wie ein Sklave, immer wieder müssen seine Verwandten für ihn zahlen, damit er nicht umgebracht wird. Dem Tod mehrmals knapp entronnen, berichtet die Autobiografie von seinem Weg aus Eritrea: in Äthiopien direkt ins Gefängnis; im Sudan eine höllische Fahrt durch die Sahara; in Libyen vom IS gefangen genommen; in einem überfüllten abgewrackten Kahn über das Mittelmeer nach Italien ins Flüchtlingscamp; ausgebüchst mit dem Ziel Dänemark, ist er schließlich in München gelandet. Eine typische Flüchtlingsgeschichte von einem, der die Flucht überlebte. Jugendbuch ab 14 Jahren. Weiter zur Rezension:    Ich will doch nur frei sein von Filimon Mebrhatom

Rezension - Der Papierpalast von Miranda Cowley Heller

  Gesprochen von: Vera Teltz Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 11 Std. und 41 Min. Der Papierpalast, ein Ferienhaus mit eigenem See in den Wäldern von Cape Cod, eine Halbinsel in Massachusetts, in dem die Familie von Elle Bishop ihre Sommerferien verbringt. Elle ist Anfang 50, glücklich verheiratet, sie hat drei Kinder, der Familie geht es gut – doch innerlich ist Elle zerrissen. In den nächsten 24 Stunden muss Elle entscheiden, ob sie bei ihrem wundervollen Ehemann bleibt, oder ob sie mit Jonas geht. Sie liebt beide! Jeden auf seine Art- doch keiner von beiden würde es akzeptieren, sie zu teilen. Jonas kennt sie seit ewigen Zeiten - denn beide Familien sind mit Cape Cod verbunden, mit den Sommerferien am Meer. Die beiden Jugendlichen waren unzertrennlich – bis diese schreckliche Sache geschah, an die niemand erinnert werden wollte, über die man nicht reden kann, weil man Schuld auf sich geladen hat – und der andere einen an diesen Tag erinnert. Großartig, eine Familien- und Liebesg...

Rezension - Der Welt zu Diensten von Oliver Bullough

  Wie Großbritannien zum Butler von Oligarchen, Kleptokraten, Steuerhinterziehern und Verbrechern wurde Ein erschütterndes Sachbuch, das Oligarchen garantiert nicht mögen werden, denn es zeigt auf, wie Großbritannien der Diener von Milliardären, Finanzbetrügern, Kleptokraten und Kriminellen wurde. Es beginnt mit der Suezkrise in 1956, die als der Tiefpunkt der britischen Geschichte im 20. Jahrhundert gilt. Die Kolonialzeit war zu Ende, in der sich GB den Wohlstand durch die Ausbeutung der Kolonien sichern konnte. Doch neue Märkte taten sich auf. Der Finanzjournalist Oliver Bullough enthüllt in diesem Buch, wie Großbritannien zu einem der zentralen Orte der globalen Offshore-Ökonomie und zum Handlanger der Oligarchen, Kleptokraten und Kriminellen dieser Welt wurde. Weiter zur Rezension:    Der Welt zu Diensten von Oliver Bullough

Rezension - Ducks – Zwei Jahre in den Ölsanden von Kate Beaton

  Ein sozialkritischer, autobiografischer Comic, aufgebaut wie ein Tagebuch: Kanada, 2005, in den die Ölsanden kann man verdammt viel Geld verdienen. Die junge Historikerin Katie aus Nova Scotia hat ihr Studium beendet. Doch sie kann sich ausrechnen, dass sie es mit einem Job in ihrem Berufsfeld schwer haben wird, ihr Studentendarlehen abzubezahlen, und so beschließt sie, zunächst einen harten Job zu absolvieren, um den Kredit zu tilgen. Auf den Ölsanden Kanadas, wo die Industrie seit Jahren die Landschaft abträgt und die Erde durch Fracking vergiftet, lernt Katie eine harsche Wirklichkeit unter Männern kennen, tägliche Belästigung, #metoo. Schonungslos gibt sie den Alltag im Fracking-Camp wieder, der von Übergriffen, Einsamkeit und extremer körperlicher und seelischer Belastung und Umweltverschmutzung geprägt ist. Eine Ein beeindruckende Grafic Novel – Abteilung Lieblingsbuch! Weiter zur Rezension:    Ducks – Zwei Jahre in den Ölsanden von Kate Beaton