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Rezension - Der Henker von Paris von Claude Cueni

  Die Geschichte der Scharfrichterfamilie Sanson ist historisch durch Tagebücher gut dokumentiert und so konnte Claude Cueni sehr fein Tatsächliches mit Fiktivem verweben. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts regierten in Frankreich Adel und Klerus: Man wurde früher in eine Familie hineingeboren und somit in sein soziales und berufliches Schicksal, wie auch die Sansons, die nie Scharfrichter sein wollten. Der König feiert – das Volk hungert. Der Sturm auf die Bastille, die Revolution – radikale politische Umstürze und Verhältnisse – Ludwig XVI wird entmachtet, abgesetzt und geköpft; Revolutionäre wie Maximilien de Robespierre bilden die Macht – aber diese Mächtigen von gestern landen wegen Verfehlungen selbst auf dem Schafott. Eine Hinrichtung folgt der Nächsten, die Guillotine wird erfunden. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit endeten in Machtgier und Skrupellosigkeit, im Denunziantentum – der Henker ist das Symbol des Zweifelns. Empfehlung! Weiter zur Rezension:    ...

Rezension - Das ist Lust von Mary Gaitskill

  Der gefeierte Lektor Quin wird durch Vorwürfe von Mitarbeiterinnen öffentlich zu Fall gebracht, da Caitlin den Stein ins Rollen bringt, andere Frauen damit dazu bringt, ebenfalls gegen ihn wegen sexueller Belästigung auszusagen. Margot kennt Quin seit zwanzig Jahren, und auch ihr griff er bei einem ihrer ersten Treffen zwischen die Beine. Ihre Berichte sind neutral, wirken fast protokollarisch. Die andere Erzählstimme gehört Quin, der völlig perplex den Anschuldigungen entgegensteht. Im Gegenteil, die Frauen kamen ständig mit ihren Sorgen zu ihm, holten sich Rat. Nie hat sich eine beschwert! M – Q – M – Q ... die Kapitel wechseln wie der Ball in einem Tennismatch. Opfer und Täter haben eine andere Wahrnehmung ... wir müssen reden ... Empfehlung! Weiter zur Rezension: Das ist Lust von Mary Gaitskill

Rezension - Homo Lupus von Thomas Kiehl

  Die Biologin Lena Bondroit erforscht das Verhalten von freilebenden Wölfen. Sie war schon einmal dem Verfassungsschutz in einem Fall behilflich und wird nun wieder kontaktiert, da ein paar Tage vor der Bundestagswahl ein Anschlag von rechten Gruppen befürchtet wird. Der arabische Aziz-Clan steht in Verdacht, damit beauftragt zu sein. Doch wie kann man in kurzer Zeit einen verdeckten Ermittler in den Clan infiltrieren? Kann das Wissen der Verhaltensforscherin über die Rudel-Organisation von Wölfen dabei helfen, das Familiensystem von Clans zu verstehen? Lena Bondroit ist der Meinung, dass dies in der kurzen Zeit nicht möglich sei. Was spannend beginnt, flacht ab – und leider mangelte mir der Plot an Glaubwürdigkeit. Weiter zur Rezension:    Homo Lupus von Thomas Kiehl

Rezension - Hunde im Futur von Arinda Cračiun, Carsten Aermes, Susanna und Johannes Rieder

  Eine Grammatik in Bildern Grammatik – für viele Schüler ein langweiliges Gruselkabinett. Ich empfehle diese Grammatik! Denn endlich hat sich jemand dem Thema spielerisch, visuell, haptisch genähert, künstlerisch gestaltet. Ein trockenes Thema, das witzig gestaltet ist, dabei niveauvoll mit den lateinischen Begriffen agiert. Die Seiten ausklappen, drehen, sich regen – mit Bewegung nimmt das Gehirn Fahrt auf, die kreative Funktion wird in den grauen Zellen aktiviert, inspiriert durch die Grafiken. Auch als Unterrichtsmaterial – ebenso für DAF – Empfehlung ab 8 Jahren. Weiter zur Rezension:  Hunde im Futur von Arinda Cračiun, Carsten Aermes, Susanna und Johannes Rieder

Rezension - Ödipus das Findelkind von Yvan Pommaux

  In der griechischen Mythologie spielen die unsterblichen Götter auf dem Olymp gern mit den Menschen ein böses Spiel. Befragt man ein Orakel nach der Zukunft, so wird die Weissagung mit Sicherheit eintreffen. Dem Menschen wiederum gefallen die Prophezeiungen oft nicht, und er meint, weil er sie nun kennt, könne er sie umschiffen. So denkt auch König Laios von Theben, dem vorausgesagt wird, dass sein Sohn, ihn ermorden und seine Mutter heiraten werde. Er versucht es zu verhindern, und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Die Geschichte des Ödipus kindgerecht reduziert und mit feinen Grafiken unterlegt im Stil von Graphic Novel bzw. Comic, ab 8 Jahren. Weiter zur Rezension:    Ödipus das Findelkind von Yvan Pommaux

Rezension - Glückskinder von Teresa Simon

  München 1945, ein paar Tage, bevor der Zweite Weltkrieg sein Ende nahm – die Amerikaner sind auf dem Vormarsch. Zwei Stränge: Zwangsarbeiterinnen aus einem KZ, Frauen aus dem Niederlanden und aus Frankreich werden die letzten Kriegstage in einem Gewaltmarsch Richtung Osten getrieben. In München haben derweil die Frauen einer Familie bei Tante Vev Unterschlupf gefunden, deren große Wohnung von den Bombenangriffen verschont blieb. Die Not ist groß, Lebensmittel per Bezugsschein reichen hinten und vorn nicht, die Nahrungsmittel sind rar: Besatzungsmächte, Entnazifizierung, die Nürnberger Prozesse, Schwarzmarkt und die Währungsreform der D-Mark. – Was gut begann artet in die diverse Liebesgeschichten aus – bei den Protagonistinnen läuft grundsätzlich alles glatt Dank diverser Helferlein, eine vorhersehbare Story. Weiter zur Rezension: Glückskinder von Teresa Simon 

Rezension - Felix Scheinbergers geheimes Skizzenbuch

  Kinder der Nacht Felix Scheinberger ist ein Aquarellkünstler aus Berlin, ein Urban Sketcher. Seine Themen sind Menschen, insbesondere Porträts und ebenso Stadtbilder, urbane Szenen. Bleistift, Tinte und Aquarell sind seine Handwerksmittel: Drainting. Seine Bilder sind schrill und schräg – ausdrucksstark. Mit diesem «geheimen Skizzenbuch» entführt er den Leser in eine Welt, in der Fotos verboten sind: Nächtliche Feste, Clubs, geheime Treffen, Subkulturen der BDSM - und Fetischszenen auf Technopartys im Herzen der Nacht. Weiter zur Rezension:    Felix Scheinbergers geheimes Skizzenbuch 

Rezension - Glückliches Ende von Isaac Rosa

  Nach dreizehn Ehejahren stehen sie vor den Scherben ihrer Ehe, Ángela hat die Kisten durch ein Umzugsunternehmen auf die Reise gegeben, steht in einer leeren Wohnung, die voller sichtbarer «Lebensspuren» steckt. Der zeitgenössische Roman hat ein glückliches Ende, denn er wird als Kammerspiel im Zwiegespräch rückwärts erzählt. Am Anfang gibt es harte Verletzungen, der Rückblick wird immer weicher – bis hin zum Kennenlernen, zur Entstehung einer Liebe. Risse in der Beziehung, Brüche. Wann hat es begonnen? Oder ist Liebe eine Illusion, der Bruch eine schleichende Erosion, die vorauszuahnen war, weil irgendwann alles abgenutzt ist? Ein feiner spanischer Gesellschaftsroman mit exzellenter Dramaturgie, ein Liebesroman, der absolut lesenswert ist. Weiter zur Rezension:    Glückliches Ende von Isaac Rosa

Interview mit Michael Müller von Sabine Ibing

  1979 gründete Michael Müller aus dem «Stegreif» einen Verlag für Reiseliteratur, der binnen 40 Jahren die zweitumsatzstärkste Marke auf dem deutschen Reiseführermarkt wurde, mit mittlerweile über 240 City-, Wander-, Regional- und Ländertiteln. Bereits seit 2010 beschreitet der Michael Müller Verlag neue Wege in der digitalen Reiseszene. Als Marktführer unter den Individualreiseführer-Verlagen hat der Verlag die Covid-19-Krise als Chance genutzt, die Digitalisierung seiner Angebote zu stärken. Derzeit ist die Reisebranche im Umbruch. Wie verändern sich die Reiseliteratur, Reise- und Wanderführer? Hierzu mein Interview mit Michael Müller.  Weiter zum Interview:    Interview mit Michael Müller

Rezension - Die Tode meiner Mutter von Carla Haslbauer

  Eine Mutter mit vielen Gesichtern und vielen Kleidern, die so vieles kann: Sie ist eine Opernsängerin! Eine Mama mit glamouröser Schminke und Kostümen. Zu Hause übt sie, am Abend steht sie auf der Bühne, spielt ihre Rollen: mal böse und mal entzückend schön und manchmal muss sie sterben. Mit viel Humor erzählt uns ein Kind von seiner Familie. Ganz nebenbei lernt man das Opernhaus kennen, die Garderobe, Kostüme, das Foyer, Premiere, den Zuschauerraum, den Orchestergraben, die Bühne, Applaus, Premierenfeier. Und klar, die Tode der Mutter sind nur Show. Sie stirbt leidenschaftlich gerne. Ein atmosphärisches Bilderbuch mit viel Humor ab 5 Jahren. Weiter zur Rezension:    Die Tode meiner Mutter von Carla Haslbauer