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Rezension - Wir saßen auf der Wolke und ließen die Beine baumeln von Kurt Tucholsky

  Nachher Kurt Tucholsky schaut hier in kleinen Essays auf die Welt hinunter, auf einer Wolke sitzend mit einem Gesprächspartner. Ein distanzierter klarer Blick aus der Ferne. Man könnte es als Auszeit aus der Welt betrachten, sich zurücknehmen und resümieren. Natürlich sind die Texte mit dem typisch satirischen Blickwinkel des Publizisten unterlegt. In den 1920ern widmete er sich in 20 tiefsinnigen wie amüsanten Erzählungen in der Zeitschrift «Weltbühne», die als Kolumnen erschienen. Weiter zur Rezension:  Wir saßen auf der Wolke und ließen die Beine baumeln von Kurt Tucholsky 

Rezension - Die verschwindende Hälfte von Brit Bennett

  In Louisiana ist der kleine (fiktive) Ort Mallard entstanden. Alle Bewohner sind negroid, aber man achtet auf sich, jede Generation wird hellhäutiger – ein ungeschriebenes Gesetz. In den 1950-ern werden hier die Zwillinge Stella und Desiree geboren, die so weiß sind, dass sie selbst bei den Weißen als Weiß durchgehen. Die beiden Mädchen sehen ihre Zukunft nicht in der Kleinstadt, sie hauen einfach ab nach New Orleans. Doch eines Tages stellt Desiree fest, ihre Schwester ist verschwunden. Stella hat die Tür zu ihrem alten Leben hinter sich zugeschlagen, heiratet einen wohlhabenden weißen Mann, bekommt ein weißes Kind. Desiree sucht nach ihr, aber die Schwester ist unauffindbar. Und eines Tages taucht Desiree wieder in Mallard auf – mit einem pechschwarzen Kind. Ein feiner Roman zum Thema Identitätsfindung und Rassismus. Weiter zur Rezension:    Die verschwindende Hälfte von Brit Bennett

Rezension - Im Untergrund von Patrizia Schlosser

  Der Arsch von Franz Josef Strauß, die RAF, mein Vater und ich Eine Journalistin forscht recht naiv in der Szene, ob drei der damals entwischen Terroristen heute als Geldtransporterräuber agieren, möchte sie interviewen. Sie fährt quer durch die Bundesrepublik, einmal fliegt sie sogar in den Nahen Osten, oft begleitet der Vater sie. Der Vater ist pensionierter Polizist, war damals um den Olympia-Anschlag als Polizist eingesetzt. Zwischen die Recherche von heute sind in kurzen Abschnitten die Ereignisse von damals eingeflochten. Das Ganze führt ins Nichts, in der Szene herrscht konspiratives Stillschweigen. Nichts Neues im Rückblick und nicht eine neue Erkenntnis. Also auch nichts verpasst, wenn man dieses Buch nicht liest. Weiter zur Rezension: Im Untergrund von Patrizia Schlosser

Rezension - Tausend Monde von Sebastian Barry

  Vor zwei Jahren erschien der in deutsche Sprache übersetzte Roman «Tage ohne Ende», der sich mit dem Sezessionskrieg beschäftigt, und ich war ich begeistert. Dieses Buch schließt an diesen Roman an. Dies ist die Geschichte der indigenen Winona, die in Tennessee, USA, nahe der Kleinstadt Paris lebt, die Nachwehen des Bürgerkriegs beuteln das Land. Sie ist um die siebzehn Jahre alt, sie ist intelligent, kann lesen und schreiben, besonders gut rechnen und sie beherrscht die Buchhaltung, die sie in der Stadt für einen Anwalt erledigt. Ein polnischer Einwanderer, Jas Jonski, ist in sie verliebt, will sie sogar heiraten. Kann man ihm trauen? Doch dann passiert ein schreckliches Ereignis ...  Weiter zur Rezension:    Tausend Monde von Sebastian Barry 

Rezension - Die spannende Welt der Viren und Bakterien von Karsten Brensing und Katrin Linke

  Die Biologen Karsten Brensing und Katrin Linke haben hier ein sehr informatives Kinderbuch geschaffen, hochwertig, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft – und das in kindgerechte Texte gefasst. Das Ganze ist aufgelockert durch die Illustrationen und Infokästen. Ich garantiere, Papa, Mama, Oma usw. können selbst noch etwas aus diesem Buch mitnehmen. Mikrobiologie, Krankheiten, Medizingeschichte, Immunsystem, Mikroben als Helfer, ein Kindersachbuch, das trotz aller Komplexität Spaß macht zu lesen. Ich kann das Buch ebenso für Pädagogen empfehlen – das gehört für mich in die Schulbibliothek und ist sicher auch prima als Unterrichtsmaterial zu nutzen. Ab 9 Jahren Weiter zur Rezension:   Die spannende Welt der Viren und Bakterien von Karsten Brensing und Katrin Linke

Rezension - Dschungel-Bingo von Caroline Selmes

  Ein Natur-Bingo Spiel für Kinder. Bingo muss ich wohl nicht groß erklären, wer hat zuerst sein Kärtchen mit den Leoparden-Chips zugelegt? Bingo! Bingo! Bingo! Dieses Spiel kann man mit bis zu 8 Personen spielen. Jeder ein Brettchen. Oder mit weniger Personen, wobei man mit 2 oder mehr Brettchen gleichzeitig agieren kann. Los geht es. Ein Tierkärtchen wird gezogen und auf dem großen Brett abgelegt – wer es auf seinem persönlichen Brettchen hat, kann mit einem Chip das Bild abdecken. Wer ist der Erste – hat alle seine Bilder abgedeckt? Ein Brettspiel mit bekannten und unbekannten Tieren für die gesamte Familie. Gesellschaftsspiel ab 4 Jahren Weiter zur Rezension:    Dschungel-Bingo von Caroline Selmes

Rezension - Literarisches Schreiben von Larjos Egri

  Starke Figuren entwickeln – Originelle Ideen finden – Die Handlung voran treiben Dieser Schreibratgeber zur Figurenentwicklung ist erstmals 1993 erschienen und ist meiner Meinung nach bis heute ein Standardwerk in der Schreib-Literatur. «Nur eine Leiche ist frei von Widersprüchen», ein Satz, der im Prinzip alles sagt. Nicht jeder ist stets gut oder schlecht. Leseridentifikation und der Konflikt sind Stichworte. Ein Klassiker, ein gutes Standardwerk, wenn man sich mit der Figurenentwicklung befassen mag.  Weiter zur Rezension:    Literarisches Schreiben von Larjos Egri

Rezension - Philosophisches Taschenwörterbuch von Voltaire

  Dieses Buch wird nicht rezensiert – es wird schlicht von mir empfohlen, überhaupt, was soll man ein Wörterbuch rezensieren. Aber Vorsicht! Es ist ein Giftschrank, denn als Voltaire 1764 sein Philosophisches Taschenwörterbuch anonym veröffentlichte, wackelte er an den damals kirchlich geprägten Pfeilern Welt. Bereits der Titel ist Provokation! Taschenwörterbuch, na ja, in meine große Handtasche passt es hinein. Philosophisches Wörterbuch, nun, es ist immerhin von A bis Z geordnet. Voltaire war zeitlebens ein Provokateur und Aufklärer, einer, der die Freiheit und die Vernunft hochhielt und er war seiner Zeit weit voraus. Die Sprengkraft dieses Buchs liegt in seiner Abrechnung mit Dummheit, Fanatismus, Borniertheit und Intoleranz, insbesondere mit dem christlichen Glauben – nicht zu verwechseln mit Unglauben. Ich finde, dieses Buch sollte jeder einmal lesen. Weiter zur Empfehlung:    Philosophisches Taschenwörterbuch von Voltaire

Rezension - Die Schmuggler von Josep Pla

  Als die die «Mestral» im Hafen von Cadaqués, im spanischen Teil von Katalonien, anleget, erkennt der Icherzähler, ein Schriftsteller, sein Boot sofort wieder. Er hatte es damals in Auftrag gegeben, war damit gereist. Die Fischer Baldiri Cremat und Pau Saldet laden ihn ein, ihnen auf ihrer Fahrt nach Cap Leucate im französischen Teil Kataloniens Gesellschaft zu leisten. Und natürlich ist dem Mann gleich klar, dass es sich weder um Fischfang, noch um eine Vergnügungsfahrt handelt. Loslassen und ins Nichtstun versinken. Eine Empfehlung für Freunde der guten Literatur und Reiseliteratur. Weiter zur Rezension:  Die Schmuggler von Josep Pla

Rezension - Zeiten der Heuchelei von Petros Markaris

  Kostas Charitos Familie steht unter Hochspannung. Alle stiefeln im Krankenhaus den Flur auf und ab. Endlich ist er da! Das ersehnte Enkelkind hat die Welt erblickt. Man ist gerade in Feierlaune, als ein ohrenbetäubender Knall den Ort erzittern lässt. Eine Detonation. Kurz darauf klingelt bei Kostas das Telefon. Man hat ein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft in die Luft gejagt. Der Besitzer einer Hotelkette war beliebt, ein tadelloser Bürger, der seine Steuern zahlte, sogar eine Stiftung betrieb, die armen Studenten günstigen Wohnraum stellt. Wer mag solch einen guten Menschen ermorden wollen? Griechenlandfans werden diesen ruhigen Kriminalroman lieben, der stilistisch gekonnt, mit einer Portion subtilen Humors ein Lesevergnügen ist – auch wenn er sich streckenweise ein wenig dehnt.  Weiter zur Rezension:    Zeiten der Heuchelei von Petros Markaris