Direkt zum Hauptbereich

Zilly und Zingaro - Rätselhafte Monsterspuren von Korky Paul und Valerie Thomas - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing




Zilly und Zingaro - Rätselhafte Monsterspuren 

von Korky Paul und Valerie Thomas


Der erste Satz: Zilly die Zauberin und ihr großer schwarzer Kater Zingaro wohnten in einem schwarzen Haus mitten im Wald. Dort lebten sie schon seit vielen, vielen Jahren.

Das Wort Haus ist etwas untertrieben, denn die beiden leben in einem wunderschönen Schloss mit Pool, Garten, Springbrunnen und eine Luxuslimousine steht vor der Tür – so wie es sich für eine moderne Hexe gehört. Eines Tages findet Zilly große Fußstapfen vor der Tür. Sie ist neugierig, wem sie gehören mögen, und sie macht sich auf den Weg, das herauszufinden. Zingaro ist von der Idee nicht begeistert, denn er ist ein ziemlicher ängstlicher, ungeschickter Kater.



Wir begleiten Zilly und Zingaro durch das Dickicht des Waldes auf der Suche nach den Gestalten, die um ihr Haus herumschleichen. Dabei gilt es, kleine Abenteuer zu bestehen, die Zingaro so gar nicht geheuer sind. Zilly hat alles im Griff – meistens.




Die Zeichnungen von Korky Paul sprechen sofort an. Farbenfroh und lustig wirken die Grafiken auf den ersten Blick. Insbesondere hat mir die Gestaltung von Zingaro gefallen, den ich mir stundenlang anschauen könnte. Detailliebe macht das Buch besonders spannend, denn es gibt einiges zu entdecken, was Zilly übersieht. Beeindruckt hat mich die Gestaltung von Mimik und Gestik sämtlicher Figuren, die man nur anschauen muss, um zu sehen, wie sie sich fühlen. Das gelingt nicht jedem Grafiker. Das Abenteuer selbst ist absolut lustig. In der Mitte gibt es sogar einen Mitmachteil, einen Irrgarten, bei dem es zu erraten gilt, welchen Weg Zingaro einschlagen muss. Am Ende gilt es, ein weiteres Rätsel zu lösen – Zingaro kennt die Lösung. Dies ist ein schönes Fantasy-Bilderbuch mit viel Spaßcharakter und außergewöhnlich guter Grafik. Ein typisch englisches Bilderbuch mit britischem Humor. Der Beltz Verlag gibt eine Altersangabe von 4-6 Jahre an, für mich völlig ok.




Korky Paul, geb. 1951 in Zimbabwe, arbeitete nach einem Grafikstudium für Werbeagenturen in
Kapstadt und London, für einen Schulbuchverlag in Griechenland und studierte Zeichentrick-Animation in Los Angeles. 1980 erschien sein erstes Bilderbuch in den USA. Doch erst die Zilly-Bände wurde ein durchschlagender Erfolg und machten ihn international bekannt. Valerie Thomas ist in Melbourne, Australien, geboren. Die Lehrerin lebte mehrere Jahre in verschiedenen europäischen Staaten. Zilly, die Zauberin war ihre erste Bilderbuchheldin, die Bücher der Reihe wurden inzwischen in 14 Sprachen übersetzt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension - Wenn Engel brennen von Tawni O’Dell

Ein Country-Noir-Krimi der Extraklasse mit intensiver Charaktertiefe! Tawni O’Dell stammt aus dem westlichen Pennsylvania, einer ehemals blühenden Industrieregion, einer Bergbau- und Stahlregion. Heute wird dort keine Kohle mehr abgebaut, Industrieruinen pflastern die Landschaft, ein ausgebeutetes Land, Menschen ohne Zukunft, es gibt keine Investitionen in neue Arbeitsplätze, Armut macht sich breit – man nennt diese Region «Rust Belt». Alte Kohleflöze brennen sich immer noch weiter unterirdisch ihren Weg, vernichten Landstriche, können nicht gelöscht werden. Menschen müssen deshalb umgesiedelt werden, giftige Gase steigen aus dem Boden hervor. Zurück bleiben Geisterstädte. Genau in so einer Geisterstadt, Campbell’s Run, wird zufällig eine Tote entdeckt. Die vermisste siebzehnjährige Camio Truly wurde in eine Erdspalte gesteckt, in der ein Feuer schwelt. White Trash pur – Chief Dove Carnahan, Polizeichefin von Buchanan ermittelt …

Weiter zur Rezension:   Wenn Engel brennen von Tawni O…

Rezension - Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren von Ali Benjamins

Eins der besten Jugendbücher, die ich seit Jahren gelesen habe. Was heißt hier Jugendbuch? Ich würde es unter All-Age listen. Susy ist zwölf und ein Außenseiter in der Schule, denn sie interessiert sich weder für klavierspielende Katzen, noch Mode. Suzy ist an der Natur interessiert, will wissen, warum Dinge funktionieren. Sie hat eine einzige Freundin, Fanny. Und Fanny ertrinkt beim Schwimmen. Das kann nicht einfach so passieren! Irgendjemand muss Schuld sein, denkt Suzy. Ein philosophisches Buch über Freundschaft, Natur, unsere Welt, sehr empathisch, spannend, einer Suzy, die man gern haben muss, die den Leser aber auch an der Nase herumführen kann …
Hier geht es zur Rezension:   Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren von Ali Benjamins

Rezension - Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Ein Schweizer Kultbuch von 2001, neuaufgelegt, ein Comming of age – Roman, schräg, amüsant, empathisch, spleenig. Franz ist einer, der weiß, dass er irgendwie die Schule überstehen muss, mit Abschluss, aber wozu das alles gut sein soll, hat er noch lange nicht kapiert. Schule ist irgendwie ein Stück Heimat, wenn nur der Unterricht nicht wäre. Ein typisches Jugendbuch, allerdings in einer Form, das auch Erwachsenen gefällt.

Hier geht es zur Rezension:   Franz – oder warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon

Rezension - Licht im Dunkel von Hetty Krist

Ein wundervolles Kinderbuch, das ich beim Lychatz Verlag gefunden habe: Tom steigt hinab in die Tiefsee und lässt sich von verschiedenen Meeresbewohnern helfen, sein Armband zu finden, das ins Meer gefallen war.  Mit dabei Lampenfische, ein riesiger Riemenfisch, Periphylla, die Kronenqualle, Axolotls. Zeichnungen, die berühren – einfach hineinfallen lassen.

Weiter zur Rezension:   Licht im Dunkel von Hetty Krist 

Rezension - Lola von Melissa Scrivner Love

Der Thriller hat den Edgar Award erhalten – für mich amerikanische Literatur mit Mittelmaß. Es ist eine gute Milieustudie, das ist sehr gut herausgearbeitet: dreckige, arme Viertel, Gewalt, Drogen, Armut, eine Welt ohne Zukunft. Das Leben in einem Latinoviertel in Süden LA’s ist gut beschrieben, hat mir sehr gefallen. Hier hat das Buch seine absoluten atmosphärischen Stärken. Den Figuren allerdings bin ich nicht nahegekommen, nicht wirklich der ganzen Geschichte. Lola, die eine Gang anführt, allerdings im Hintergrund, weil sie eine Frau ist – offiziell ist ihr Lebenspartner Garcia der Chef, gerät in einen Bandenkrieg …

Weiter zur Rezension:   Lola von Melissa Scrivner Love

Rezension - Nature Sketching von Ueli Bieri

Mit Stift und Pinsel die Natur entdecken, der Schweizer Aquarellmaler lässt den Leser über die Schulter schauen. Er hat seine eigene Technik, die er über 200 Seiten lang präsentiert. Wer erwartet, er könne hier die verschiedenen Aquarelltechniken lernen, die man beim Nature Sketching anwenden kann, liegt falsch. Fauna und Flora in der Schweiz ist das Thema, sehr elegant und differenziert, aber auch sehr einseitig.

Weiter zur Rezension:   Nature Sketching von Ueli Bieri

Rezension - Mobbing Dick von Tom Zürcher

Dieser Roman ist etwas für Leser mit einem schrägen Humor. Eine beißende Satire auf das Schweizer Bankensystem, das Katzbuckeln. Gleichzeitig ist es die Geschichte eines Absturzes, ein Psychodrama. Das Buch stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019. Paradeplatz, Cremeschnitten aus dem Sprüngli, Bankengeheimnis, Druck aus Amerika, Anlageberatung, Drogen, Rotlichtmilieu, eine gelungene Posse aus Zürich.

Weiter zur Rezension:   Mobbing Dick von Tom Zürcher

Rezension - Unter meinen Füßen von Charlotte Guillain und Yuval Zommer

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde
Das Dependance Leporello zu »Der weite Himmel über mir« – ein weiteres Leporello von 2,5 Meter, aber auch als normales Buch lesbar. Das eine Kindersachbuch ging nach oben, beschäftigte sich mit den Luftschichten und mit diesem Buch reisen die Kinder bis zum Mittelpunkt der Erde. Rohre, Kabel, Tierbauten, Artefakte aus der Tier- und Menschenwelt, Gesteinsschicht um Gesteinsschicht geht es hinunter: Marmor, Tropfsteinhöhlen, Kohle, Granit, Magmagestein, Mineralien, bis zum Mittelpunkt der Erde. Ein gut gemachtes Bilderbuch – meine Empfehlung.

Weiter zur Rezension:   Unter meinen Füßen von Charlotte Guillain und Yuval Zommer

Rezension - Die Leben der Elena Silber von Alexander Osang

Sprecher: Stefan KaminskiHörbuch, Spieldauer: 17 Std. und 8 Min.
Eine Familiengeschichte, die zwischen 1905 und 2017 spielt, zwischen Zeit und Ort wechselt, beginnend mit den Anfängen der russischen Revolution in der Zarenzeit, zaristische Gewalt, stalinistische Tyrannei, Nationalsozialismus, Tuchfabrik in Oberschlesien, Vertreibung, das Leben in der DDR und Wiedervereinigung, Ost-Berlin in 2017. Alexander Osang sagt, der Roman sei sein persönlichstes Buch, ein Stochern in der eigenen Familiengeschichte, die Geschichte seiner Großmutter. Interessant für mich, aber nicht der große Wurf.

Weiter zur Rezension:   Die Leben der Elena Silber von Alexander Osang

Rezension - ARIOL – Wo ist Petula? von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant

Ariol, der kleine blaue Esel mit der großen runden Brille ist wieder da. Ein Comic für Grundschüler – für verliebte Grundschüler. Aber das ist nur die eine Seite. Sich die Höhle des Löwen, ehm, hier des Stieres, trauen. Und dann sitzt man da, in der fremden Familie, will doch nur mit der Angebeteten allein sein …

Weiter zur Rezension:   ARIOL – Wo ist Petula? von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant