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Zärtlich Klagen von Yoko Ogawa - Rezension

Rezension 

von Sabine Ibing



Zärtlich Klagen 

von Yoko Ogawa


Der Anfang: Es war bereits dunkel, als wir beim Landhaus eintrafen.
›Soll ich Sie zur Tür begleiten? Sie haben so viel Gepäck‹, bot sich der Taxifahrer freundlich an …

Ein Roman, der schön zu lesen ist, voller Ruhe und Gelassenheit. Letztendlich hat mich die Sprache überzeugt, aber die japanische Art der Stille war mir persönlich zu unaufgeregt. Wer zarte Klänge sucht, Symbolik und Worte zwischen den Zeilen, musikalisch versinken, für den ist das sicher ein ansprechendes Buch. Sprachlich schön, allein dafür lohnt es sich diesen Roman zu lesen.

Sie muss ihren eigenen Weg finden

Wenn ich auf die Rückkehr meines Mannes wartete, habe ich oft gedankenversunken dagesessen und auf das Essen gestiert, das ich eigens für ihn gekocht hatte. Es waren Gerichte, für deren Zutaten ich oft zu entlegenen Märkten gefahren war und für die ich ganze Nachmittage brauchte, um sie zuzubereiten. Ich schaute zu, wie die Soße kalt wurde, das Gemüse trocken, das Fleisch dürr. Irgendwann konnte ich nicht mehr unterscheiden, ob es das Essen war oder mein eigenes Herz, was da vor meinen Augen verkümmerte.

Die Kalligrafin Ruriko wird seit Jahren von ihrem Mann betrogen – ganz offen und er quält sie, ist gewalttätig. Immer mehr versinkt sie in Depression. Und eines Tages ist sie es soweit, das Maß der Erträglichkeit ist überschritten. Sie verlässt den Augenarzt, flüchte in das Landhaus, das sie von ihren Eltern geerbt hat, ein Feriendomizil in Abgeschiedenheit. Nach einiger Zeit der Entspannung trifft sie auf Kaoru, die Assistentin Instrumentenbauers Nitta, die in der Nähe wohnen, freut sich, Farbe in ihre Einsamkeit zu bringen. Eine Freundschaft entsteht und später entwickelt sich ein wenig mehr. Jeder von den Dreien hat einen Grund sich in die Einsamkeit zurückgezogen zu haben. Ruriko findet nun die innere Kraft, einen Weg zu gehen, sich gänzlich aus der Ehe zu befreien.

Eine schöne Sprache mit zarten Untertönen

Yoko Ogawa ist eine Meisterin der Andeutung und Zwischentöne, auch der Symbolkraft, wenn sie Tiere einsetzt. Es geht um Vertrauen, Liebe, Leidenschaft – auf verschiedenen Ebenen. Ruriko trifft auch auf die Freundin ihres Mannes, die wartend seit Jahren ausharrt. Sie überdenkt ihre Eifersucht gegenüber dieser Frau und ihre Eifersucht gegenüber Kaoru, deren Leidenschaft zur Musik ein festes Band zu Nitta hält, das Ruriko am liebsten zerschneiden würde. Insgesamt ein guter Roman für geduldige Leser, Freunde der Zwischentöne.


Yoko Ogawa, geboren 1962, gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit zahlreichen namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet.

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