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Wie rettet man Kunst? von Fabienne Meyer, Sibylle Wulff, Martina Leykamm - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Wie rettet man Kunst? 


von Fabienne Meyer, Sibylle Wulff, Martina Leykamm

Über Geheimnisse, Gefahren und Restaurierungsarbeiten



Dieses Buch beginnt mit einem Raub. Das berühmte Porträt Hugo von Rangensteins (fiktiv) wird aus dem Museum gestohlen. Der Dieb, wohl kein Kunstkenner, lagert das Bild in einer feuchten Garage am Boden an die Wand gelehnt. Die Polizei kommt ihm auf die Spur – aber das Bild ist ruiniert. Wie kann man es retten? Kunstwerke sind einmalig und unersetzlich. Keine Kopie ist so gut wie das Original, denn sie bleibt meistens seelenlos. Dabei sind Bilder von allen Seiten Gefahren ausgesetzt: gefräßige Insekten, Pilze, Licht, Menschen und vieles andere setzt ihnen zu. Die Retter und Beschützer der Kunst sind Restaurator:innen. 




Restauratorinnen Fabienne Meyer und Sibylle Wulff im Team mit der Illustratorin Martina Leykamm berichten über Methoden alte und moderne Kunst zu entschlüsselt und zu erhalten. Aber es geht hier um viel mehr! Wie entsteht ein Bild? Die verschiedenen Techniken vom Untergrund, Farb-, Maltechniken, Materialienkunde, Pigmente, Vorbereitung des Malgrunds, textile Bildträger, Vergoldungstechniken. Original oder Fälschung? Wie wird ein Bild kriminaltechnisch untersucht (Röntgen und Infrarot, chemische Zusammensetzung)? Das hört sich zunächst trocken an … Aber dieses Kindersachbuch ist ziemlich spannend aufgearbeitet und geht didaktisch klug vor. Auf mehreren doppelten Aufklappseiten, um in aller Breite die Vielfältigkeit darzustellen, wird kindgerecht in kurzen Vignetten anschaulich illustriert alles Grundlagenwissen über Kunstwerke erklärt. Wie ist eigentlich eine Holzskulptur aufgebaut? Zeitgenössische Kunst ist nicht immer verständlich und was ist Performance? Der Aufbau einer Ausstellung wird aufgezeigt. Für den Versand müssen die Werke aufwendig verpackt werden. Kunst zeigen – ob Exposition oder Museum oder zu Hause an der Wand – Kunstwerke sind empfindlich. Licht, Klima, Gase, Schmutz und auch die Menschen können ein Bild beschädigen. Interessant hierzu wird anschaulich mit Fotos gezeigt, wer oder was einem Bild zusetzen kann und eine Seite mit illustrierten Insekten lässt stauen, wer alles am Werk sein kann: Vom Kabinettenkäfer, der Wolle frisst, dem Holzwurm, Silberfische, die scharf auf die Gelatineleimung von Papier sind, Staubläuse, alias Bücherläuse, Motten die Textilien lieben bis hin zur Stubenfliege, die überall Häufchen hinterlässt, ist die Liste lang. Jetzt kehren wir zurück zur Restauration. Denn all dieses Wissen und noch viel mehr benötigen Restaurator:innen und Kunst zu retten. Und warum machen sie das überhaupt?




Ich bin beeindruckt von dem Buch, das fast comichaft gestaltet ist, mit viel Humor zwischendrin, spannend kompaktes Wissen vermittelt. Eigentlich kann man das Kinderbuch in sich als Kunstwerk betrachten. Witzige Illustrationen im Comicstil wechseln mit anschaulichen Fotos und Grafiken zum Sachwissen. Ein kluger Aufbau beginnend mit dem Diebstahl, der Erklärung, was Restauration ist, kriminaltechnische Untersuchungen zur Herkunft von Kunstwerken, die Brücke zur Maltechnik und Material, wie man früher in feiner Handwerksarbeit Maluntergründe und Farben vorbereitet hat, Schädlinge, Moderne Kunst, Ausstellung und zurück zu den Restauratoren. Die Frage stellt sich, kann man Performance aufbewahren? Spannend, wie sich ein mit Nougatcreme gemaltes Bild restaurieren lässt. Was ich schon immer mal über die alten Schinken im Museum wissen wollte … Bevor ein Bild restauriert wird, steht zunächst Detektivarbeit voraus. Und ich bin sicher, dass die meisten Erwachsenen nicht mal die Hälfte der Informationen, die das Kinderbuch zeigt, kennen. Insofern ist das ein Allage-Familienbuch! So aufbereitet liebe ich Sachbücher! Das Kindersachbuch eignet sich bestens als Unterrichtsmaterial für den Kunstunterricht. Der Karl Rauch Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 8 Jahren … Für mich  wirklich ab …, Familienbuch, Allage – Abteilung Lieblingsbuch!






Fabienne Meyer hat in Stuttgart »Konservierung und Restaurierung von Kunst auf Papier, Bibliotheks- und Archivgut« studiert. Sie hat zu Schadstoffen im Museum promoviert und arbeitet als Restauratorin am Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin.

Sibylle Wulff studierte im Studiengang »Konservierung und Restaurierung von Gemälden und polychrom gefassten Skulpturen« in Stuttgart und Newcastle. Seit 2007 betreut sie die über 600 Jahre alte Kustodie / Kunstsammlung der Universität Leipzig als Restauratorin.

Martina Leykamm studierte Kommunikations-Design in Nürnberg und London. Seit 2000 lebt sie in Berlin und arbeitet als freiberufliche Illustratorin für Buchverlage, Zeitungen, Magazine und Unternehmen.




Fabienne Meyer, Sibylle Wulff, Martina Leykamm
Wie rettet man Kunst?
Sachkinderbuch, Kinderbuch, Kunst, Restaurierung Kunst, Kunstgeschichte, Materielienkunde, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, ‎ 80 Seiten, 24.8 x 32.7 cm
Karl Rauch Verlag
Altersempfehlung: ab 8 Jahren






Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
Kinder- und Jugendliteratur

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