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Verratenes Land von Greg Iles - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Verratenes Land 


von Greg Iles

Sprecher: Uve TeschnerUngekürztes Hörbuch, Spieldauer: 24 Std. und 2 Min.


Ich hatte nie die Absicht, meinen Vater zu hassen. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich meinen eigenen Sohn beerdigen würde. Und ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass ich den Kindheitsfreund betrügen würde, der mir das Leben rettete, oder dass ich für eine Lüge den Pulitzerpreis bekommen würde.

Weil sein Vater todkrank ist, macht sich der Journalist und Pulitzerpreisträger Marshall McEwan von New York auf in den Süden nach Bienville, um die Zeitung seines Vaters für eine Weile zu leiten. Als der Archäologe Buck Ferris tot aus dem Mississippi gefischt wird, sieht es zunächst nach einem Unfall aus. Doch Marshall weiß, dass der alte Buck einer archäologischen Entdeckung vom Feinsten auf der Spur war, einer uralten Indianersiedlung. Und das wollte er nachweisen, bevor der erste Spatenstich für die neue Papierfabrik der Chinesen gesetzt wird. Er hatte angedeutet, in der Nacht auf dem bewachten Gebiet etwas ausgraben zu wollen. Und richtig, es gibt Beweise für Marshall Mordtheorie, die andere zu vertuschen versuchen. Seine Zeitung veröffentlicht die Beweisstücke, denn Buck war für Marshall so etwas wie ein Vaterersatz. Sein eigener Vater hatte sich von Marshall abgewendet, als sein Bruder ertrank und er Marshall die Schuld dafür gab. Der sogenannte «Poker Club» regiert seit den Zeiten des Amerikanischen Bürgerkrieges Bienville, eine mafiöse Vereinigung von betuchten Männern, die korrupte Geschäfte machen, Ämter unter sich verteilen, die Macht der Stadt in der Hand halten. Durch ihre weitreichenden Beziehungen haben sie allerdings auch die Stadt am Leben gehalten – ringsherum gehen alle Städte den Bach herunter. Nur Bienville hält sich wacker, und durch die Papierfabrik werden viele Arbeitsplätze in der Region entstehen, ein Interstateanschluss gebaut. Marshall ist in einem moralischen Dilemma. Sind es die Indianerknochen wert, die Stadt in den Ruin zu reißen? Archäologische Fundstätte oder Papierfabrik? Wie weit will er sich mit dem «Poker Club» anlegen?

Der Bienville Poker Club beherrscht die Stadt

All diese Dinge habe ich getan, und doch würden mich die meisten Leute, die mich kennen, als ehrenwerten Mann bezeichnen. So weit würde ich nicht gehen. Aber ich versuche, ein guter Mensch zu sein, und ich glaube, dass es mir meistens gelingt. Wie ist das nur möglich? Wir leben in komplizierten Zeiten. Und es ist nicht einfach, ein guter Mensch zu sein.

Marshall ist geschieden, trifft in Bienville auf seine Jugendliebe Jet. Er konnte sie nie vergessen – und sie ihn auch nicht. Das Studium hatte sie irgendwie auseinandergetrieben. Jet ist allerdings mit dem ehemals besten Freund von Marshall verheiratet, Paul, der ihm in Afghanistan das Leben gerettet hatte, ein traumatisierter, unberechenbarer zu Gewalt neigender Typ. Wenn Marshall seinen Vater beerdigt hat, wird Jet mit ihm nach New York gehen, das ist abgemacht. Doch sie geht nur, wenn sie das Sorgerecht für ihren Sohn erhält. Der Poker Club wird das verhindern wollen. Und sollte Paul vorher von der Affäre erfahren, würde er die beiden erschießen. Jets Schwiegervater setzt noch eine Nummer drauf. Er ist Brutalität und Korruption gepaart mit Gewissenlosigkeit und Intelligenz in einem. Wer sich mit ihm anlegt, ist tot oder am Boden zerstört, denn er ist einer der Mächtigsten im Poker Club. Marshall wird erpresst vom Poker Club, um Artikel in der Zeitung zu verhindern. Aber er bekommt auch brisantes Material zugespielt, will nicht einknicken. Zerschlägt er den Poker Club, wird die Fabrik nicht gebaut werden – aber garantiert winkt ein neuer Pulitzerpreis. Wie soll er sich verhalten? Der Bienville Poker Club zeigt nun seine ganze Macht und schlägt zu! Jetzt wird es persönlich …

Spannend und erzählerisch gekonnt 

Greg Iles schafft es hier auf spannende Art, ein gutes Gesellschaftsbild der Südstaaten der USA offenzulegen. White Power, Verflechtungen von Kapital, Macht und Politik: Richter, Polizei, alles hat sich dem unterzuordnen. Wer es wagt, sich dagegenzustellen, wird großzügig eingekauft oder wird mit dem Tode bedroht. Machtstrukturen, die kaum zu brechen sind. Schlechte Bildung durch desaströse öffentliche Schulen zwingt die Armen arm zu bleiben. Die schwarze Bevölkerung hat keine Chance auf gute Stadtteile oder gute Jobs. Jeder auf seinen Platz, der im zugewiesen wird! Die Trump-Regierung tut ihr Bestes, um diese Strukturen weiter auszubauen. Arbeitslosigkeit beutelt ganze Regionen, weil es immer nur ums Kapital geht, nie um die Menschen, die Umwelt oder das Sozialgefüge. 900 Seiten auf Papier – ein dicker Wälzer – aber ich habe mich bei diesem Thriller nicht eine Minute gelangweilt. Spannend und erzählerisch gekonnt wendet sich immer wieder das Blatt, neue Intrigen werden gesponnen. Dies ist das erste Buch von Greg Iles für mich und es wird garantiert nicht das letzte sein.


Greg Iles hat den Großteil seiner Jugend in Natchez, Mississippi verbracht. Sein Debütroman Spandau Phoenix, war der erste von 15 New-York-Times-Bestsellern. Iles‘ Romane wurden verfilmt und in mehr als 35 Ländern veröffentlicht. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Natchez, Mississippi.


Greg Iles 
Verratenes Land
Sprecher: Uve Teschner
Ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 24 Std. und 2 Min.
Thriller, amerikanische Literatur
Harpercollins bei Lübbe Audio, Audible
896 Seiten

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