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Über das Schreiben von Sol Stein - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Über das Schreiben 


von Sol Stein 


Sol Stein ist ein international erfolgreicher Bestsellerautor – sein Roman «Der junge Zauberer» hatte eine Millionenauflage – preisgekrönter Theaterautor, Verfasser von Drehbüchern für Film und Fernsehen, ist als Dozent für Creative Writing ausgezeichnet worden. Seine Werke sind in zahlreichen Übersetzungen erschienen. Er war 36 Jahre lang Lektor berühmter Autoren wie: James Baldwin, Dylan Thomas, Elia Kazan, W. H. Auden, David Frost. Später hat er den Verlag Stein and Day gegründet.

Neuauflage

Dieses Handbuch aus dem Jahre 1995 hatte ich in einer schmuddligen Version auf einem Flohmarkt in Spanien für 150 Peseten Ende der 90-er erstanden. Die Blätter fielen mir beim Lesen entgegen. Das Buch, bei «Zweitausendeins» erschienen, war nicht mehr erhältlich, der Verlag mit Buchläden stand kurz vor der Insolvenz. Daher freute ich mich, dass der Autorenverlag 2015 eine Neuauflage herausbrachte.

Anschaulich dargestellt

In diesem Ratgeber zeigt Sol Stein beispielhaft an Hand von Zitaten aus Büchern berühmter und angehender Autoren und Studenten und an Beispielen die Techniken und Kunst des Schreibens. Er analysiert erste Sätze, die Figurenbildung, Handlungsentwurf, Spannung, Perspektive und Dialoge. In seiner frischen, humorvollen Art zu schreiben ist das Werk neben Sachinhalten ein Leseerlebnis. Zum Schreiben benötigt man Handwerkszeug – genau wie in jedem anderen Handwerk. Ein Metallwerker lernt es, zu feilen, sägen, bohren, drehen, fräsen, schweißen usw. – Millimeterarbeit. Ein Maler lernt, Firnis herzustellen, Farben mischen, verschiedene Farben zu handhaben, Perspektive, Licht und Schatten, Pinselformen, Pinselhaltung usw. – Und gleichermaßen benötigt man zum Schreiben Rüstzeug! – Auch wenn der ein oder andere dies verleugnen mag (das liest sich in der Regel sofort heraus …)

Helen war eine wunderbare Frau, sie lebte in ständiger Sorge um ihre Kinder Charly und Ginny.
Das lässt kein Bild vor dem Auge des Lesers entstehen, und so hat er das Gefühl, dass ihm etwas über Helen erzählt wird. Wie man denselben Inhalt sichtbar machen kann, zeigt das nächste Beispiel:
‹Wenn Helen ihre Kinder zur Schule fuhr, ließ sie sie nicht am Straßenrand aussteigen, sondern parkte den Wagen und begleitete Charly und Ginny, jeden an einer Hand, bis zum Schultor.›
Wir sehen Helen in Aktion, ohne dass uns erzählt wird, dass sie eine um ihre Kinder übertriebene besorgte Mutter ist.

Plot oder Protagonist - was entwickelt man zuerst?

Erste Sätze - die erste Seite - entscheiden darüber, ob ein Leser sich für ein Buch interessiert. Dazu hier ein spezielles Buch, das ich gern empfehle: ‹Jemand musste Josef K. verleumdet haben …›: Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten  von Peter-André Alt
Wohin führt mich dieser Roman? Macht mich der erste Satz neugierig? Welche bildliche Vorstellung löst er beim Leser aus? Was man liest, will man vor sich sehen. Eine Szene, so Stein, die nicht gefilmt werden kann, ist sie nicht unmittelbar. Stein rät, mit den Protagonisten - statt mit dem Plot - bei der Planung zu beginnen, denn erst mit der guten Konstruktion der Protagonisten und dem Konflikt kann die Handlung detailliert geplant werden. Der Schmelztiegel, in dem Protagonist und Antagonist zusammengehalten werden, ohne sich ausweichen zu können, ist der Kernpunkt einer Geschichte. Eine Figur darf nie langweilig sein.

Überflüssige Worte und Sätze lassen den Erzähltext schwammig werden. Zum Glück gibt es aber ein Gegenmittel. Die Entfernung von schlaffem Gewebe bringt fiktionale wie nichtfiktionale Literatur auf Trab … Um das Tempo einer Geschichte zu steigern und gleichzeitig ihre Stärken herauszustellen, empfiehlt es sich, sämtliche Adjektive und und Adverbien herauszunehmen und nach sorgfältiger Prüfung nur die wenigen notwendigen wieder einzufügen.

Sei genau und niemals langweilig!

Verben sind nicht immer austauschbar. Natürlich gibt es eine Menge Pseudonyme zum Wort gehen: bummeln, schlurfen, spazieren, marschieren, lustwandeln, hasten, stolzieren, wandeln, spurten, schleichen, springen, rennen, rasen …  Doch jedes einzelne Adjektiv lässt ein anderes Bild in unserer Vorstellung entstehen – ein genaues Bild der Bewegung, der Situation. Genauigkeit ist essentiell. Dialoge – ein wichtiger Aspekt im Roman. Kein Romandialog hat etwas mit der Realität zu tun, die voller Echokammern sitzt, gespickt mit Wiederholungen. Echte Dialoge sind stinklangweilig. Doch wie bringt man Spannung hinein? Die Dialoggestaltung ist eine Kunst, mit der man sich sehr genau auseinandersetzen sollte, bevor man zu schreiben beginnt. Der Protagonisten, in seinem sozialen Gefüge, in seinem Jahrhundert, mit all seinen Eigenheiten musst auch in seiner Kommunikation gesetzt sein. Es gibt eine Menge Tipps zum Schreiben in diesem Standardwerk.


Eins meiner Lieblingswerke zum Thema Schreiben!


Sol Stein
Über das Schreiben
Das legendäre Handbuch für Autoren in einer Neuauflage
Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Waltraud Götting
Sachbuch: Handbuch für Autoren
Hardcover, 464 Seiten
Autorenverlag, 2015

Kommentare

  1. Sol Steins Buch ist als Autorin sowas wie meine Bibel. Wenn ich an einem Buch sitze, lese ich jeden Abend ein paar Seiten und überprüfe, wo ich seine Empfehlungen noch umsetzen kann. Es ist klar strukturiert, erklärt anschaulich, zeigt das nötige Handwerkszeug.Für mich das beste Handbuch für Autoren, allerdings kenne ich natürlich nicht alle.

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