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The Girls I’ve Been von Tess Sharpe - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



The Girls I’ve Been 


von Tess Sharpe

Du glaubst, du kennst mich? Falsch gedacht.


Meine Hände schwitzen. Ich kralle die Finger zusammen – Gott, wie lang geht das jetzt? Zwei Minuten? Fünf? Die Zeit verhält sich seltsam, wenn du auf dem Boden liegst und ein Typ mit einer Knarre vor deinem Gesicht herumfuchtelt.


Nora betritt morgens mit ihrer Freundin und ihrem Exfreund die Bank, die gerade geöffnet wurde. Nur mal schnell Geld einzahlen. Dumm gelaufen – denn der Typ vor den Jugendlichen ist ein Bankräuber; der Typ in der Ecke sein Komplize. Sollen sie doch das Geld nehmen und flüchten! So läuft’s doch im Allgemeinen. Aber diese Männer wollen gar nicht das Geld aus der Kasse, sondern den Filialleiter sprechen. Der ist noch nicht im Haus. Die Tür wird abgeschlossen, der Securitymann angeschossen. Mist, Mist, Mist. Was geht hier ab? Die Typen wollen anscheinend an die Schließfächer heran! Ohne Filialleiter keine Chance. Nora kann noch eine SOS-Nachricht an ihre Schwester absenden. Und die steht auch bald mit dem Gewehr vor der Bank, samt Sheriff. Allerdings ist die Kleinstadt abgelegen, weitere Polizeikräfte werden Stunden benötigen, um vor Ort zu sein.


Wer ist Nora?

Ein totaler Mindfuck.
Der erste Schritt meines neuen Plans.
Wenn du nicht gewinnen kannst, schlag dich auf ihre Seite.
Oder, in diesem Fall, leg sie rein.


Die Bankangestellte und die wenigen Kunden werden eingesperrt. Was macht eigentlich dieses Kind hier?, fragt sich Nora. Sie ist die Tochter des Filialleiters, findet sie heraus. Das dürfen die Räuber auf keinen Fall mitbekommen! Wie gelangen sie alle aus dieser Nummer unbeschadet heraus? Nora heißt nicht Nora – aber sie ist jetzt Nora und will es auch bleiben. Rebecca, Samantha, Haley, Katie, Ashley – Nora musste schon viele Mädchen sein. Ihre Mutter ist eine Trickbetrügerin; eine, die Rollen spielt und manipuliert, die das auch von ihren Töchtern verlangte. Noras große Schwester, Lee, hatte sich längst aus den Klauen der Mutter befreit. Die attraktive Mum hatte es stets auf Betrüger abgesehen, denen sie ihr Geld abgeluchste. Denn die zeigen niemanden an – ist ja sozusagen geklaute Barschaft. Doch der letzte Typ allerdings war ein bekannter Gangster, in den die Mutter sich auch noch verliebte! Nora hatte die Nase voll, mit zwölf Jahren hat sie die beiden mit Hilfe von Lee hochgehen lassen und nun sitzen beide im Knast. Auf Nora ist ein dickes Kopfgeld ausgesetzt. 


Ein neuer Plan muss her!


11:27 Uhr (135 Minuten in Gefangenschaft)

1 Feuerzeug, 3 Fläschchen Wodka,

1 Schere, 2 Schließfachschlüssel

Plan #1: verworfen

Plan #2: geht voran


Kann die 17 Jahre alte Nora die Gangster manipulieren? Findet sie einen Weg aus der aussichtslosen Situation? Das Mädchen ist abgebrüht – dazu wurde sie erzogen. Nora berichtet aus Ich-Perspektive, resümiert hin und wieder über ihr Leben – die Seiten sind grau eingefärbt und geben einen guten Einblick in Noras Vergangenheit. Sehr amüsant, wie sie über den Prediger berichtet, einen ihrer «Dads», der Dank seiner Gemeinde in Saus und Braus leben kann. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich. Die Idee dieser Backstory ist mal etwas Neues – eine andere Art von Kindesmissbrauch. Mir hat der Roman gefallen – leider hat Nora viel zu wenig Raum, um ihre Talente ausschöpfen zu können; es gab viel zu wenig Kontakt zu den Gangstern. Das hätte man besser ausbauen können. Das Ende war ein wenig hopp, hopp, aber im Großen und Ganzen ist es für mich ein guter Thriller. Eine neue, pfiffige Idee. Der Kriminalroman wird als Jugendbuch gelistet und der Carlsen Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 14 Jahren. Ich würde darüber hinausgehen und diesen Thriller  als Young Adult, bzw. Allage einreihen.


Tess Sharpe wurde in einer Berghütte geboren und wuchs mit ihrer Punkrocker-Mutter im ländlichen Kalifornien auf. Heute lebt sie irgendwo in den Backwoods zusammen mit einem Hunderudel und einer wachsenden Kolonie Katzen, ist Herausgeberin einer Anthologie und hat mehrere preisgekrönte Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben.. Beate Schäfer, 1961 bei Frankfurt am Main geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Amerikanistik in München und arbeitete lange als Verlagslektorin. An der Alice-Salomon-Hochschule Berlin absolvierte sie eine Ausbildung als Schreibpädagogin. Inzwischen lebt sie als Übersetzerin und freie Lektorin in München und leitet daneben Seminare und Schreibwerkstätten für Autor*innen und interessierte Laien.



Tess Sharpe
The Girls I’ve Been
Du glaubst, du kennst mich? Falsch gedacht.
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Beate Schäfer
Jugendthriller, Thriller, Jugendroman, Allage, Kriminalliteratur
Taschenbuch
Carlsen Verlag, 2021
Altersempfehlung: ab 14 / Young Adult / Allage





Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
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Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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