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Schwarz wie das Herz von Giancarlo de Cataldo - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing





Schwarz wie das Herz 


von Giancarlo de Cataldo 


Ein Schwarzer, der nach Wein stank, einen unverständlichen Dialekt sprach und an seinem gelben, schweißnassen T-Shirt zerrte. Der erste Klient seit einer Woche. Ich hatte jedoch überhaupt keine Lust, mich noch einmal mit einem Schwarzen auseinanderzusetzen, der nichts auf die Reihe brachte. Ich war zu müde, zu deprimiert, zu angeödet.


 Anwalt Valentino Bruio hat gewaltige Probleme: Die Anwaltskammer droht ihm mit Ausschluss, er ist pleite und hat gerade einen schwarzen Immigranten abgewiesen, der seinen Sohn vermisst. Er hat diese Loser-Klientel einfach satt. Als er aber erfährt, dass dieser Mann getötet wurde, die schwarze Community für Bruios Honorar sammelt, sieht er sich genötigt, Nachforschungen zu betreiben. Dabei lernt er die bezaubernde Giovanna Alga-Croce kennen. Kommissar Giacomo Del Colle ermuntert Bruio, er soll unbedingt in den Fall ermitteln, er könne dort weitermachen, wo er als Polizist nicht dürfe. Und er wird dem Anwalt im Laufe der Geschichte immer weiterhelfen.


Der Typ, der die Gerechtigkeit vertritt


 – Hör zu Bruio, der Junge hat infolge eines abgekürzten Verfahrens sechs Jahre bekommen und bei der Voruntersuchung meinen Klienten beschuldigt. Bring ihn zum Schweigen, dann machen wir einen Deal.
 – Wir machen einen Deal?
 – Klar. Wenn er redet, ist mein Mandant im Arsch. Sorg dafür, dass er schweigt, und wir haben alle was davon.
 – Diaspro …
 – ja, mein Lieber.
 – Leck mich am Arsch.

Mit der Hilfe von Freunden aus der schwarzen Community Roms beginnt Bruio die Fäden zusammenzuführen. Eine Spur führt ihn in die Villa der mächtigen Familie Alga-Croce. Der vermisste Sohn des Toten sei angeblich im Internat, für das die Familie Alga-Croce zahlt, um dem intelligenten Kind ein besseres Leben zu bieten. Patriarch Noè öffnet Bruio den Blick auf Machtgier und grenzenlose Amoralität der Oberschicht. Seine Zuneigung zur Tochter des Hauses, Giovanna, aber stellt Bruio vor ein Dilemma. Irgendwann ist auch noch der andere Schwarze tot, der für die Familie Alga-Croce arbeitet. Korruption, Rassismus und schmutzige Überheblichkeit durchzieht den Roman, er gibt Einblick in die italienischen Gesellschaftsstrukturen. Anwalt Bruio ist ein zynischer Erzähler, einer der sich selbst unfähig und unattraktiv mit Übergewicht beschreibt, «von etwas abgehangener Eleganz»; nur liegen ihm die Frauen zu Füßen. Aufrecht geht er durch das Leben, auch wenn ihm genau das Tiefschläge versetzt. Der Typ, der die Gerechtigkeit vertritt, mit allen Mitteln – denn die steht im Mittelpunkt, nicht das Gesetz, Kumpanei oder unseriöse Geldangebote. Seine Lieblingsbar ist das Sun City, die seinem südafrikanischen Freund Rod gehört. Und klar, am Ende weiß Bruio, wo der Junge steckt und warum die beiden Männer sterben mussten. 


Mit beißendem, schwarzem Humor, politisch inkorrekt

Richter Giancarlo De Cataldos hat «Schwarz wie das Herz» vor 35 Jahren herausgebracht, endlich ins Deutsche übersetzt. Die italienische Erstausgabe von 1989 wurde vom Autor im Jahr 2006 und 2016 überarbeitet und inhaltlich angepasst. Übersetzt wurde die letzte Fassung. Bruio, ein Typ, der außer seinem Studienabschluss in Jura nichts auf die Reihe bringt. Zahlungsunfähige Klienten, ein wirres Privatleben, überschuldet, und nun soll er vielleicht auch noch seine Anwaltslizenz verlieren. Bruio ist geradlinig, unbestechlich und keinesfalls machthungrig – das Gegenteil seiner Kollegen. Die Geschichte ist noch genauso aktuell wie beim Erscheinen, eher noch aktueller, denn ich nehme an, dass die schwarze Community in Rom sich wesentlich erweitert hat. Provokativ, mit beißendem, schwarzem Humor, politisch inkorrekt, spannender Krimi aus Rom.


Giancarlo De Cataldo, geboren 1956 in Taranto, lebt und arbeitet als Richter am Berufungsgericht in Rom. Er ist Verfasser zahlreicher Romane, Erzählungen und Drehbücher für Film und Fernsehen; ständiger Mitarbeiter italienischer Tageszeitungen und Magazine; Herausgeber von Krimianthologien, auf Deutsch: «Ich weiß um deine dunkle Seele» (2006); «Denn dein ist das Böse» (2009).





Giancarlo de Cataldo 
Schwarz wie das Herz 
Originaltitel: ‎Nero come il cuore 
Aus dem Italienischen übersetzt von Karin Fleischanderl
Krimi, Kriminalroman, Noir, Noirkrimi, Politischer Krimi, italienische Literatur
Broschur, 252 Seiten
Folio Verlag, 2024







Krimis und Thriller

Ich liebe Krimis und Thriller. Natürlich. Spannend, realistisch, gesellschaftskritisch oder literarisch, einfach gut … so stelle ich mir einen Krimi vor. Was ihr nicht oder nur geringfügig bei mir findet: einfach gestrickte Krimis und blutrünstige Augenpuler.
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