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Sauerteig von Martina Goernemann - Rezension

Rezension

von Sabine Ibing



Sauerteig 

von Martina Goernemann


Man gibt Mehl, Wasser und Geduld hinein und bald fängt das Ganze an zu blubbern. Wir füttern den Sauerteig, er lehrt uns, Brote zu backen. Köstliche Brote, die jeder kann und jeder mag. Es steckt nämlich eine Glücksformel im Sauerteig. Leicht anwendbar und überall erhältlich. Kostenloses, großes Glück im Glas!

Kreatives Gestalten beruhigt die Seele, lässt ausspannen vom Alltagsgeschehen, gibt Kraft. Ob Stricken, Malen, Musizieren oder Kochen – Backen, mit allen Sinnen eintauchen, fühlen, wegtauchen. Dieses Buch ist mit Gefühl geschrieben, es ist kein Backbuch, sondern eine unterhaltsame Lektüre, eine Hommage ans Brot. Martina Goernemann berichtet uns von ihrem ersten Erlebnis, einen Sauerteig herzustellen und nimmt uns mit auf eine Reise durch Europa, bis in die USA, immer ihr Töfpchen Sauerteig in der Tasche dabei.

Meinem Sauerteigstarter fehlte es an nichts. Er bekam Aufmerksamkeit und einen Platz am Fenster mit Blick auf den Garten. Die Öffnung seines Glases war liebevoll mit einem Stoffstück verschlossen, um nützlichen Mikroben aus der Luft den Zugang zu erleichtern. Und was war der Dank? Mein neues Haustier lag faul in seinem Glas herum und blubberte lustlos. Über das erste Brot will ich gar nicht reden.

Gesammeltes Wissen über Sauerteig

Martina Goernemann hat ihr gesammeltes Wissen über Sauerteig in diesem Buch zusammengetragen. Selbstverständlich sind auch ein paar Rezepte zu finden. Letztendlich geht es aber um die Liebe zum Brot, eine Lebensphilosophie. Sauerteig ist nicht gleich Sauerteig. Bereits der Starter, kann mit Kräuteraufgüssen angereichert werden. Geduld gehört zum Brotbacken dazu, beginnend beim Starter der vier Tage gefüttert werden muss und gepflegt wird: »Unser täglich Brot gib es heute…« - Der Starter, weiter gefüttert, ist die Basis für das nächste Brot. Manches Rezept benötigt besonders viel Geduld, weil der Teig über Nacht ruhen muss. Geduldsbrötchen mit Kamilleaufguss, für die sich der Aufwand lohnt. Backen mit verschiedenen Mehlsorten, Kleie, backen in ganz normalen Töpfen (welche eignen sich?). Flache Brote, bauchige, fluffige, aber auch Brötchen, Brezen, belgische Papadams und Cracker, Craquelin, alles über den Kleber im Brot, man lernt eine Menge über Sauerteig und Lebensgefühl.



Keine Rezeptsammlung! Eine Zettelsammlung, wie John sie meint, ist total analog. Auf analogem Papier geschrieben, voll mit total analogen Gedanken. Ich mache es oft so, dass ich Rezepte ausdrucke, … während ich backe, schreibe ich meine Erfahrungen dazu.


Brot ist Glück!

Das Glück steckt im Brot – nicht nur im Backen, wenn man mit den Händen den Teig durchknetet, der Geruch vom frisch gebackenem Brot ist betäubend. Brot und Butter – braucht man noch viel mehr? »Brot ist Glück! In Scheiben und am Stück!« Eine Reise mit einem Gläschen Sauerteig quer durch Europa bis in die USA, zu Besuch bei Brotbäckern, Interviews, Tipps, Rezepte, Fotos und viel Gefühl. Eine Hommage an den Sauerteig, an das Brot, interessant zu lesen. Interviews, Lebensgefühl, eine Reise zum Thema um die halbe Welt. Sauerteig macht übrigens auch schön, nicht nur von innen. Roggenteig enthält reichlich Vitamin B, viel Folsäure, darum fabrizieren wir eine Sauerteigmaske, Sauerteigpeeling, zur Entspannung gibt es dazu einen Sauerteigsekt – Kwas. Ein russisches Rezept aus altem Sauerteigbrot angesetzt, bitzlig, mit 2 % Alkohol und viel Milchsäurebakterien. Alles in allem ein rundes Buch zum Thema. Wer lediglich Rezepte sucht, liegt hier falsch, wird enttäuscht sein. Wer etwas über Sauerteig wissen möchte, sich beim Lesen entspannen, der wird mit der Lektüre bereichert. – Nun aber auf – den Starter füttern!



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