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Pilze von Asia Gwis und Liliana Fabisinska

Rezension

von Sabine Ibing



Pilze 

von Asia Gwis und Liliana Fabisinska

Verrückte Fakten über Fliegenpilz, Hefe und Co.


Im 18. Jahrhundert teilte der schwedische Forscher Carl von Linné die Welt der Natur in drei Reiche: die unbelebten Mineralien und die belebten Pflanzen und Tiere. Die Pilze zählte er zu den Pflanzen, und dafür hielt man sie bis 1969. Viele Menschen tun das bis heute. Biologen sagen heute, Pilze sind näher mit Tieren verwandt.



Dafür gibt es mehrere einleuchtende Erklärungen, wie u.a., dass die Zellwände von Pilzen aus Chitin  bestehen – wie auch bei Insekten; Pilze speichern wie Tiere Fett als Energiereserve und sie betreiben keine Fotosynthese. Ich habe es nicht gewusst. Kindersachbücher erweitern übrigens auch immer den Horizont der Eltern und Großeltern. – Aber Pilze sind auch keine Tiere, denn sie bewegen sich nicht, reagieren nicht auf Reize. Darum sind sie eine eigene Gattung. Pilze existieren seit 420 Millionen Jahren. Und woran denkt man bei Pilzen zuerst? Lecker! Aber Vorsicht! Manche sind giftig. Genau damit beginnt das Sachbuch. Was ist ein Pilz, woran erkennt man ihn. Auf geht es zu den Speisepilzen, es folgen Giftpilze. Kennt ihr den purpurfilzigen Holzritterling, die Totentrompete, die Steife Koralle, das Hühnchen? Pilze sammeln ist eine Sache – sie zu essen kann gefährlich sein. Sehr schön stellen die Autorinnen ähnlich aussehende Pilze gegenüber: essbar – bzw. tödlich, wie Grüner Knollenblätterpilz gegen Parasol, Pfifferling gegen falschen Pfifferling, gemeiner Steinpilz gegen Gallenröhrling usw. Wie kann man Pilze lagern? Trocknen, einlegen, einsalzen, einfrieren? Was funktioniert, was nicht und wie, wird erklärt. Leckere Rezepte dürfen natürlich auch nicht fehlen.



Baumpilze kennt jeder. Aber was machte man daraus früher? Der Baumpilze galt als Medizin, als Blutstiller, wurde zu Wundauflagen und Tampons verarbeitet und man sagt ihm andere Heilkräfte nach. Ersatz für Gummidichtungen während des Krieges, aus dem Baumpilz wurde Büttenpapier hergestellt, auch Modeartikel: Hüte, Taschen, Reithosen. Wir erfahren etwas über Trüffel und Drogen (einige Pilze eignen sich hervorragend, wurden schon vor ewiger Zeit von den Schamanen benutzt), Hexenringe. Trüffel, die teuersten Pilze der Welt? Da kennt ihr nicht das tibetische Gold!

Keine Sorge, Käsepilze sind wirklich ungefährlich, sie wirken sogar antibakteriell. Die berühmtesten Käsesorten haben ihre eigenen, gut behüteten Schimmelarten, deren Namen schon verraten, welchen Käse sie ›betreuen‹: Auf Camembert wächst Penicillium cammemberti, die Fäden im Roquefort stammen von Penicillium roqueforti.

Menschen züchten Pilze nicht nur zum Essen. Ich erinnere mich: Kombucha, der Teepilz, war eine Zeit lang in Mode. In der Medizin sind bestimmte Pilze wichtig zur Herstellung von Medikamenten. Und wie sieht es aus mit Lebensmitteln? Wann ist Schimmel gefährlich, wann erwünscht? Und schon sind wir bei den Hefen angelangt. Der Pilz ist nicht immer fein für uns Menschen. Es gibt eine Menge Pilzerkrankungen an Füßen, Kopf und Lungen und weitere mehr. Gibt es fleischfressende Pilze? Klar, mehrere. »Jeder fünfte Pilz auf Erden ist eine Flechte«. Es gibt noch ein paar besondere Pilze. Die Blattschneiderameisen züchten sogar Pilze. Pilze sind das Kommunikationszentrum des Waldes (sehr fein erklärt in:  Rosi und Mücke eine Käferfreundschaft  von Simone Stokloßa ).



Es gibt eine Menge zu lernen über die Wichtigkeit von Pilzen auf dieser Welt. Pilze könnten in der Zukunft sogar Plastik überflüssig machen. Ich habe vieles nicht gewusst, was ich durch dieses Buch erfahren habe. Mit diesem kompakten Wissen können Kinder garantiert ihre Biolehrer übertrumpfen. Das großformatige Buch hat knapp hundert Seiten, und in 38 Kapiteln wird alles über das Pilzwissen kurz und prägnant erklärt. Die Texte sind einprägsam, teils mit viel Humor unterlegt. Die Zeichnungen und Collagen machen neugierig. Die Informationen sind als kleine Infoboxen über die Seiten verteilt. Mir gefällt die gesamte Aufmachung, der Stil, die Information umzusetzen – es macht Spaß die Texte zu lesen, weitere Infos dazu visuell aus den Bildern zu ziehen. Ein feines Sachbuch für Kinder! Der Knesebeck Verlag empfiehlt das Buch für 8 - 10 Jahre. Ich würde auf 12 Jahre erweitern – und bitte, Eltern und Großeltern, mitlesen – ihr lernt garantiert etwas Neues dazu!



Asia Gwis ist Grafikdesignerin, Illustratorin und Bloggerin. Sie hat eine alte Schule in der Nähe von

Warschau umgebaut und lebt dort mit ihrem Mann und vier Katzen. Liliana Fabisinska arbeitet als Journalistin und Autorin von Theaterstücken und Büchern für Kinder und Jugendliche. Nach ihrem Studium in Polen und Südafrika begann sie ihre journalistische Karriere und wurde Chefredakteurin der Zeitschrift Filipinka. Sie hat in Polen schon zahlreiche Werke veröffentlicht, »Pilze« ist das erste Buch, das auch auf Deutsch erscheint.



Asia Gwis und Liliana Fabisinska
Pilze
Sachkinderbuch, Kinderbuch, Bilderbuch, Pilze, Natur, Kinder- und Jugendliteratur
Hardcover, 96 Seiten
Knesebeck, 2019‎
Lesealter: ab 8 Jahren





Kinder- und Jugendbücher zum Thema Natur

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Bilderbücher, Kinderbücher Vor- und Grundschule 5 - 10 Jahre





Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur hat mich immer interessiert. Selbst seit der Kindheit eine Leseratte, hat mich auch die Literatur für Kinder nie verlassen. Interesse privat, später als Pädagogin, als Leserin, als Mutter oder Oma. Kinder- und Jugendbücher kann man immer lesen! Hier geht es zu den Rezensionen.
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